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„Vom Taunus zum Wannsee“

Das Museum Giersch widmet Philipp Franck - dem Maler, Zeichner und Graphiker -  zum 150. Geburtstag eine Ausstellung                     von Britta Steiner-Rinneberg

19.03.10 || FRANKFURT (19. März 2010) - In der Kunstgeschichte ist der 1860 in Frankfurt geborene, gleich Liebermann, Corinth und Slevogt zu den wichtigsten Vertretern des Neo-Impressionismus zählende Maler, Zeichner und Graphiker Philipp Franck unverständlicherweise viel zu wenig beachtet. Jetzt widmet das Frankfurter Museum Giersch diesem Vorreiter der Moderne und Mitbegründer der Berliner Sezession anlässlich seines 150. Geburtstages in Zusammenarbeit mit dem Bröhan-Museum eine große Retrospektive, die viele Kunstinteressierte zu einem Ausflug an den Main locken dürfte. Sie vermittelt dem Betrachter einen umfassenden Überblick über das Leben dieses Künstlers und sein faszinierendes Werk, das neben Landschaften, Porträts und Zeichnungen auch Genrebilder und Stillleben umfasst. „Vom Taunus zum Wannsee" - so der Titel der vom 21. März bis zum 18. Juli zu sehenden Präsentation - bezieht sich auf des Malers 1920 entstandene autobiographische Publikation, in der der 60Jährige eine erste Bilanz seines reichen künstlerischen Schaffens zog. Er starb 1944 in Berlin.

Franck, der an der Frankfurter Städelschule als Schüler R. Steinles studierte, fühlte sich durch die 1860 von Jakob Fürchtegott Dielmann und Anton Burger nach dem Vorbild der Schule von Barbizon ins Leben gerufene junge Kronberger Malerkolonie von Anbeginn am stärksten zur Freilichtmalerei hingezogen, die er auch in späteren Jahren favorisierte. Auf die Frankfurter Grundausbildung folgte als nächste wichtige Station und Basis?für seine spätere Karriere die berühmte Düsseldorfer Akademie, in der er E.v.Gebhardt zum Lehrer hatte. Mit dreißig Jahren wechselte Philipp Franck als fest angestellter Zeichenlehrer an die Königliche Kunstschule in Berlin. 1898 wurde er zum Professor ernannt und avancierte 1915 zum Direktor des berühmten Instituts.

So ernst er das ehrenvolle Amt nahm, so gewissenhaft und pünktlich er seine Lehrtätigkeit im „hohen Norden" ausübte: Im Herzen blieb er vor allem frei schaffender Künstler, der so oft er konnte, die alte Heimat wieder aufsuchte, um sich statt Berliner Luft frischen Taunuswind um die Ohren wehen zu lassen. Bis 1928 kehrte er im Sommer fast regelmäßig für einige Wochen nach Kronberg zum Malen zurück. Dazwischen lagen größere Reisen, die ihn vor allem nach Italien führten, mit offenen Augen das Land der Sehnsucht durchstreifen ließen und seine Sinne für Farbe und Licht, Brechungen, Spiegelungen und Schattenwirkungen schulten. Starke Eindrücke, die hafteten, sich in seinen Bildern niederschlugen und auch im druckgraphischen Oeuvre erkennbar sind.

Die in der klug konzipierten Ausstellung präsentierten 72 Gemälde, 27 Aquarelle und 22 Graphiken, die seine leuchtenden Farben und den kraftvollen Pinselstrich widerspiegeln, belegen es auf eindrucksvolle Weise: Ein Stil, der auch das in Berlin entstandene Spätwerk kennzeichnet, in dem an Stelle der pittoresken, lieblichen Dorfbilder und seiner einfachen Menschen bei der Arbeit, der fruchtreichen Bauerngärten und blühenden Hänge die weite, zauberhafte märkische Seenlandschaft trat mit heller Sonne über glitzerndem Wasserspiegel, Wind und sich auftürmenden oder sanft am Himmel dahin ziehenden weißen Wolken.

Die Ausstellung im Haus Giersch wird durch öffentliche Führungen, einen Vortrag von Wolfgang Immenhausen über das „Künstlerleben am Wannsee" und eine Lesung ergänzt, bei der Carmen Renate Köper aus Philipp Francks „Regenbriefen" liest. Die Volkshochschule Hochtaunus bietet drüber hinaus einen Kursus an, der speziell der Bildsprache des Künstlers und seiner Stellung innerhalb der Künstlerkolonie gewidmetist. Für die Mittwochnachmittage ist ein auch während der Osterferien stattfindender eigener zweistündiger Kinderkurs für Sechs- bis Zwölfjährige arrangiert. (Kostenbeitrag 25 Euro, inklusive Werkmaterial). Dort können die jungen „Maler" sehen und lernen, wie ein Künstler mit Pinsel, Stift und Farbe, mit Palette und Staffelei umgeht, wie er das Licht einfängt, um die Landschaft zu beleuchten und anschließend versuchen, das was sie gesehen gesehen und erfahren haben, auf Papier festzuhalten. Zum Abschluss dürfen sie ihre eigenen „Werke" dann stolz in einer kleinen Extra-Schau bewundern!

Die Ausstellung ist außer montags vom 21. 3. bis zum 18.7. täglich von 12-19 Uhr, Samstag und Sonntag von 12- 17 Uhr geöffnet. Weitere Infos und (bei Gruppen) Anmeldung über Telefon 069/ 63304.128 oder www.museum-giersch.de

Fotos: Katalog Museum Giersch