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Eine Ausstellung zum Geburtstag von Robert Gernhardt

Am 13. Dezember wäre der große Zeichner, Maler, Lyriker und Schriftsteller 75 Jahre alt geworden - Robert-Gernhardt-Preis wird wieder ausgeschrieben             von Ralph Delhees

10.12.12 || altFRANKFURT (10. Dezember 2012) - Das caricatura museum frankfurt - Museum für Komische Kunst gedenkt des großen Robert Gernhardt, Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule. Zum Geburtstag des Zeichners und Dichters stellt das Museum das „Nilpferd Schnuffi" in den Mittelpunkt. Dessen Abenteuer zeichnete Robert Gernhardt für die Beilage „Welt im Spiegel" der vor 50 Jahren gegründeten Satirezeitschrift Pardon. Robert Gernhardt wurde am 13.12.1937 in Tallinn in Estland geboren und starb am 30.6.2006 in Frankfurt am Main. Er studierte Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin. 1979 gründet Robert Gernhardt gemeinsam mit Peter Knorr, Chlodwig Poth, Hans Traxler und F.K. Waechter das Satire-Magazin „Titanic". Pünktlich zum Geburtstag können sich wieder hessische Autorinnen und Autoren um den mit 24.000 Euro dotierten Robert Gernhardt Preis 2013 bewerben.

altRobert Gernhardt in seinem Arbeitszimmer. Foto: caricatura museum/Britta Frenz

Robert Gernhardt hat, wie die anderen Mitglieder dieser legendären Satiriker Gruppe Neue Frankfurter Schule, eine künstlerische Heimat im caricatura museum frankfurt. Seine Arbeiten gehören zum Bestand des Museums und werden in der Dauerausstellung gezeigt. Robert Gernhardt wurde am 13.12.1937 in Tallinn in Estland geboren und starb am 30.6.2006 in Frankfurt am Main. Er studierte Malerei und Germanistik gemeinsam mit F.W. Bernstein in Stuttgart und Berlin.

1962 kam er zur Pardon und arbeitete in der Redaktion bis 1964. Er veröffentlichte hier erste Texte und Zeichnungen. Ab 1964 lebte er als freiberuflicher Maler, Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller in Frankfurt. Zuweilen publizierte er unter den Pseudonymen „Lützel Jeman" und „Norbert Gamsbart". 1979 gründete Robert Gernhardt gemeinsam mit Peter Knorr, Chlodwig Poth, Hans Traxler und F.K. Waechter das Satire-Magazin „Titanic".

Zu seinem kreativen Potential gehören auch das Filmschaffen und Arbeiten für den Rundfunk; etwa in der Sendung HELP, ein satirisches Aushilfsmagazin, des Hessischen Rundfunks, das mit Peter Knorr entstand. Mit Peter Knorr und Bernd Eilert bildete er das Team GEK, gemeinsam arbeiteten sie auch mit Otto Waalkes zusammen.

Robert Gernhardt wurde und wird mit starken Worten beschrieben: „Gottvater des Humors" (Harald Schmidt), „Libero zwischen Ironie und tieferer Bedeutung" (FAZ), „Klassiker zu Lebzeiten", „zeitgenössischer Lyrik-Star", gefeiert als Satiriker und Zeichner, medienpräsent als Kommentator und Kritiker, als Rezitator und Preisträger. Das literarische Werk Gernhardts jedoch war noch bis in die 90er Jahre durch die Etikettierung als „Nonsens-Poet" und Kalauer-Lieferant für Otto Waalkes kaum im Blick der Literaturwissenschaft. Tobias Eilers‘ Monografie „Robert Gernhardt. Theorie und Lyrik", begonnen zu Lebzeiten Gernhardts, erschienen 2011 bei Waxmann, ist die erste umfangreiche Untersuchung zum Lyriker Gernhardt.

Von der Literaturkritik wurde ihm schließlich attestiert, dass ihm der Bogen zwischen Kalauer und Kunst in seinen über 40 Einzel- und zahlreichen Sammelbänden geglückt ist. Für Gernhardt selbst war dies vermutlich keine Frage. Für ihn war der Weg zwischen Kalauer und Kunst immer offen. Er setzte sich für  die Aufhebung der Unterscheidung zwischen U- und E-Literatur ein, war und ist für Viele die Einstiegsdroge in die Lyrik.

Der vielseitige Künstler gilt heute als einer der wichtigsten zeitgenössischen Dichter deutscher Sprache; als neuer Schriftsteller-Typus, Multitalent und Neuerfinder tradierter literarischer Gattungen. Gedichte in traditioneller Liedform, Couplets, Litaneien, Balladen, Dialoggedichte, Sonette: Er wirbelte sie kunstvoll auf, sprengte Rahmen und Gewohntes und kam so zu neuer Intensität. Er schrieb über Fußball und den Zusammenhang zur Literatur, über Sprachschwierigkeiten, über Diät, Bettler, Potenzstörungen, über sein Vorbild Georg Christoph Lichtenberg, über Alles, wie er selbst einmal sagte.

In den 1990er Jahren entstanden die Gedichtbände Weiche Ziele (1994), Herz in Not (1996), Lichte Gedichte (1997), Die K-Gedichte, (2004) und Später Spagat (2006 posthum erschienen). Im Jahr 2000 war er Dozent der Frankfurter Poetik-Vorlesungen, 2003 strahlte die ARD die Sendung „Druckfrisch" aus, in der er regelmäßig ein zeitkritisches Sonett las. Im Wintersemester 2005/2006 hatte er die Heine-Gastprofessor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf inne.Als er mit Krankheit und Tod konfrontiert wurde, schrieb er die „K-Gedichte. Diagnose Krebs und Alles wird gut". Seine Kreativität ließ auch angesichts seiner Erkrankung, wie schon im Gedichtband „Herz in Not", Literatur entstehen, begegnete dem Chaos der Krankheit mit der Ordnung der Kunst:

Krankheit als Schangse: Ich habe Krebs. Ich hatte Krebs. / Dazwischen erstreckt sich ein Meer. / Er hatte ihn. Ich habe ihn. / Ihm schwimm ich klamm hinterher. Robert Gernhardt liebte das Leben, guten Wein und gutes Essen. Er verbrachte mehrere Monate des Jahres in seinem Haus in der Toskana. Auf die Frage, ob er ein glücklicher Mensch sei, antwortete er einst: „Mit allen Einschränkungen ja".

Übersicht der Werk von Robert Gernhardts


- Die Wahrheit über Arnold Hau, Frankfurt am Main 1966
(zusammen mit F. W. Bernstein und F.K. Waechter)
- Besternte Ernte. Gedichte aus fünfzehn Jahren, Frankfurt am Main 1976
(zusammen mit F. W. Bernstein)
- Die Blusen des Böhmen, Frankfurt am Main 1977
- Welt im Spiegel, 1979
- Die Magadaskar-Reise. Ein Bericht, Frankfurt am Main 1980
- Wörtersee (Gedichte), Frankfurt am Main 1981
- Ich Ich Ich (Roman), Zürich 1982
- Glück Glanz Ruhm (Essays), 1983
- Gernhardts Erzählungen (Bildergeschichten), 1983
- Letzte Ölung. Ausgesuchte Satiren, 1984
- Hier spricht der Dichter. 120 Bildgedichte, Zürich 1985
- Was bleibt (Gedanken zur Literatur), 1985
- Schnuffis sämtliche Abenteuer (Bildergeschichten), 1986
- Die Toscana-Therapie (Schauspiel), 1986
- Kippfigur (Erzählungen), 1986
- Es gibt kein richtiges Leben im valschen (Humoresken), 1987
- Körper in Cafés (Gedichte), 1987
- Was gibt's denn da zu lachen? - Kritik der Komiker, Kritik der Kritiker,
Kritik der Komik (Essay), 1988
- Hört, hört! - Das WimS-Vorlesebuch (zusammen mit F. W. Bernstein), 1989
- Die Toscana-Therapie, (Hörspiel), DeutschlandRadio 1989
- Reim und Zeit (Gedichte), Stuttgart 1990
- Lug und Trug (Erzählungen), 1991
- Weiche Ziele, 1994
- Gedichte 1954 - 94, Zürich 1996
- Hier spricht der Zeichner, 1996
- Lichte Gedichte, 1997
- Vom Schönen, Guten, Baren. Bildergeschichten und Bildgedichte, Zürich 1997
- In Zungen reden. Stimmimitationen von Gott bis Jandl, Frankfurt a.M. 2000
- Was deine Katze wirklich denkt, (heyne) 2000
- Berliner Zehner. Hauptstadtgedichte, Zürich (Haffmans) 2001
- Der letzte Zeichner. Sachbuch/Essay, Frankfurt (Fischer Tb.), 2001
- Im Glück und anderswo. Gedichte, Frankfurt/M. (S. Fischer) 2002
- Die Falle (Erzählungen), Frankfurt/M. (Fischer Taschenbuch) 2003
- Herz in Not. Gedichte, Frankfurt/M. (S. Fischer) 2004
- Die K-Gedichte. Gedichte, Frankfurt/M. (S. Fischer) 2004
- Das Randfigurenkabinett des Doktor Thomas Mann.
Barbara Hoffmeister + Robert Gernhardt, Frankfurt/M. (S. Fischer) 2005
- Gesammelte Gedichte. Frankfurt/M. (S. Fischer) 2005

Gernhardts Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

Robert Gernhardts Auszeichnungen in Auswahl


Erich-Kästner-Preis 1999; Bert-Brecht- Preis der Stadt Augsburg 1998; Prix Pantheon in der Sparte „Reif & Bekloppt" 2000; e.o.-plauen-Preis 2002; Rheingauer Literaturpreis 2002; Heinrich-Heine- Preis 2004; Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik 2004; Wilhelm-Busch-Preis 2006

Robert Gernhardt Preis 2013 ausgeschrieben


Ab sofort können sich Autorinnen und Autoren aus Hessen um den Robert Gernhardt Preis 2013 bewerben. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 24.000 Euro dotiert und soll zwei Autorinnen oder Autoren die Realisierung eines größeren literarischen Vorhabens ermöglichen. Der Preis wird seit 2009 vergeben. „Das Besondere an diesem Preis ist, dass literarische Projekte ausgezeichnet werden, die noch nicht vollendet sind und allein aufgrund der Exposés und Textproben die Jury überzeugen", sagte Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann heute in Wiesbaden. Dieses Konzept habe sich in den vier Jahren, in denen der Preis nun besteht, bewährt: Fünf der bisher ausgezeichneten Roman- oder Lyrikprojekte seien inzwischen erfolgreich veröffentlicht worden. Die Ministerin dankte dem Preisstifter, der Landesbank Hessen-Thüringen, für das große Engagement in der hessischen Autorenförderung: „Ohne die Landesbank Hessen-Thüringen würde es diesen Preis nicht geben."

Bis 31. März 2013 (Poststempel) können sich Autorinnen und Autoren aus Hessen mit einem bis zu drei Seiten umfassenden Exposé ihres literarischen Vorhabens und einer sechsseitigen Textprobe beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst bewerben (Referat Literaturförderung, Rheinstraße 23-25, 65185 Wiesbaden). Voraussetzung sind mindestens zwei selbständige Veröffentlichungen und der Nachweis des Lebensmittelpunkts in Hessen.

Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige Jury, der die Frankfurter Autorin Eva Demski, der Literaturwissenschaftler Karl-Heinz Götze (Professor für deutsche Literatur und Landeskunde an der Universität Aix-en-Provence) und der Frankfurter Literaturkritiker Christoph Schröder angehören. Daneben wirken je ein Vertreter der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, des Hessischen Literaturforums im Mousonturm e.V. und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst beratend mit. (ap/hup-nk/hmwk)

www.caricatura-museum.de; caricatura museum frankfurt, Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt; Telefon: 069-212 301 61. E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. .
Bewerbungen für den Robert Gernhardt Preis 2013 bis 31. März 2013 (Poststempel) einsenden an:
Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst - Referat Literaturförderung, Rheinstraße 23-25, 65185 Wiesbaden