Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

Kunst & KulturAusstellungen › Stuttgarter Antiquariatsmesse 2013

Stuttgarter Antiquariatsmesse 2013

Deutschlands traditioneller Büchermarkt des Schönen, Raren und Kostbaren wird am 25.Januar in Stuttgart eröffnet - Vorschau auf die Antiquariatsmesse 2013           von Britta Steiner-Rinneberg

12.01.13 || altSTUTTGART (11. Januar 2013) - Zeitiger als sonst wird die wieder mit zahlreichen Highlights prunkende dreitägige Stuttgarter Antiquariatsmesse bereits am 25. Januar im Württembergischen Kunstverein eröffnet. Die 1952 vom Verband Deutscher Antiquare begründete und organisierte, von Kunst-, Graphik- und Autographenhändlern aus Deutschland, England und den Niederlanden, aus Italien, der Schweiz, Österreich und Ungarn beschickte elitäre Bücherschau, auf der sich Sammler, Museumsleute. Bibliothekare und nicht zuletzt Anleger Jahr für Jahr ein Stelldichein geben, ist die größte ihrer Art in Deutschland und die zweitälteste in Europa.

Im Mittelpunkt der sich auf hohem Niveau präsentierenden Schau des Schönen, Raren und Kostbaren steht eine illuminierte mittelalterliche Handschrift aus dem Jahr 1340, die das Antiquariat Bibermühle offeriet; „Il Fiori di Virtu" enthält Regeln für das „korrekte Verhalten der städtischen Elite und eine genaue Anleitung zur Ausübung höchster Regierungsämter" und ist mit wundervollen Miniaturen ausgestattet, die ein Meister aus dem Umfeld Tomaso da Modenas schuf. Das belehrende, köstliche „ Anstandsbuch" kann Kommunal- und Weltpolitikern zur täglichen Lektüre nur dringend empfohlen werden. Handicap ist: Der mittelalterliche Spaß kostet bescheidene 25o ooo Euro! Wer kann die bezahlen?

Der seit fünf Jahrzehnten den Kunst- und Büchermarkt eröffnende Treffpunkt der Büchernarren aller Jahrgänge und Sammelgebiete wird auch 2013 wieder von einer Reihe interessanter Veranstaltungen begleitet, bei deren Auftakt Dirk Heißerer und Eberhard Köstler in Zusammenarbeit mit der Antiquaria Ludwigsburg über eine im April erscheinende Briefedition unter dem Titel „Hedwig Pringsheim, Briefe an Katja Mann 1933 bis 1941" sprechen werden.

altStundenbuch des Ludovic und der Elisabeth Preis mit 18 Miniaturen.Neapel um 1480 (Antiquariat Bibermühle H. Tenschert)

Neben den vom Mittelalter über die Klassische Moderne bis zur Jetztzeit reichenden Prunkstücken gibt es in Fülle auch Kostbarkeiten im Bereich vier- und fünfstelliger Zahlen zu erwerben, falls das Budget es zulässt: Seltene Werke aus Wissenschaft, Welt- und Kunstgeschichte, Autographen, Erstausgaben, Pressendrucke, Kunstbücher, Reiseberichte, Graphiken, illustrierte Bücher, Musikpartituren, sowie Koch- und Kinderbücher, mit denen Spezialisten ihre umfangreichen Sammlungen gern ergänzen.

Einige Beispiele: Melchior Printzings „Theuerdank" in einer überaus seltenen Ausgabe von 1519, Albrecht Dürers „Institutiones Geometricae", sein Meisterwerk der Perspektive und Kunsttheorie in der ersten lateinischen Ausgabe von 1532, Stefan Georges „Hymnen" und „Pilgerfahrten" aus dem Besitz Ida Dehmels, Nietzsches „Zarathustra", Schillers zu den großen Seltenheiten der Literaturgeschichte zählendes „Reiterlied", von dem es überhaupt nur 15o Exemplare gab oder Thomas Manns „Wälsungenblut" mit 32 Illustrationen Th.Th Heines.

altG. Belzonis "Narrative of the operations and recent discoveries .... within the pyramids, temples, tompsand excavations in Egypt and Nubia. 2 Bände London, 1821 bei J. Murray (Antiquariat Reiss und Sohn, Königstein i.T.). Fotos (2): Ausstellungskatalog Antiquaritasmesse 2013

Manche Sammler werden sich für die Erstausgabe von Laszlo Moholy Nagys Werk „Vom Material zur Architektur" oder Jan van der Noots „Theatrum" interessieren, einen mit zahlreichen Holzschnitten verzierten Kölner Druck aus 1572, Jan Peters „Kinderlust" ( 12 Gedichte mit expressiven Bildern Floris Jaspers) oder Erna Kirchners persönliches Exemplar des graphischen Werks ihres Mannes. Wieder andere für Gedichte Hermann Hesses mit aquarellierten Federzeichnungen des Dichters, handschriftliche Briefe Paul Celans, Radierungen Horst Janssens und Werke Picassos. Autographensammler stoßen auf diverse Briefe von Richard Wagner, Mozart, Schumann, Schönberg, Eisler und Hindemith. An Reiseliteratur Interessierte finden eine breite Palette an begehrten Beschreibungen und Berichten über Portugiesisch-Westafrika, Nordamerika und Mexiko, über die Nordländer, exotische Inseln, Indien und Ägypten, die sicher schnell „vergriffen" sein werden, wenn die Preise nicht zuweilen Einhalt gebieten und manchen Interessenten vom Kauf Abstand nehmen lassen.

Die meisten der 78 renommierten Antiquare aus Europa und Übersee werden trotz des Trubels, den diese Stuttgarter „Dreitageschau" jährlich auslöst, in der Regel gern zu Gesprächen und Ratschlägen bereit sein und halten neben dem Katalogangebot an ihrem Stand für den Sammler noch eine „Hausliste" bereit. Wer sich ausführlicher informieren will, dem sei der schöne Katalog, in dem jeder Aussteller für seine Offerte zwei Seiten zur Verfügung hat, bestens empfohlen. Zu beziehen ist er über die Geschäftsstelle der Messe; Seeblick I, 56459 Elbingen. Telefon 06435/ 9o9147 oder Fax 06435/ 9091 48.