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Kunst & KulturAusstellungen › „Heilkunst im Mittelalter“ veranschaulicht im Stadtmuseum Hofheim

„Heilkunst im Mittelalter“ veranschaulicht im Stadtmuseum Hofheim

Gesundheitswesen gestern und heute - Der „Essig der vier Diebe" ist auch heute noch als „Raumbestäuber" nützlich

26.03.13 || altHOFHEIM (25. März 2013) - Die sehenswerte Ausstellung „Heilkunst im Mittelalter" im Stadtmuseum Hofheim lädt dazu ein, das Gesundheitswesen „alter" Art zu erkunden, das in Kräutergärten, zur verehrten Hildegard von Bingen, aber auch zu vermaledeiten „Scharlatanen" führt.

Es ist eine Ausstellung, die in unsere Dauerdiskussion Gesundheitswesen und seine Kosten passt: Die „Viersäftelehre" der Antike war sicher harmonisch in Einklang zu halten, auch im Befolgen heilsam und nicht weniger systematisch angedacht und wirksam, wie es manche preiswerte Heilmittel „von gestern" auch heute noch sein können: Die Klostermedizin ist vielfach heute noch verwendbar.

altBei der Schau in Vitrinen und auf Wände mit Schautafeln und Texten ist die Ausstellung „Heilkunst im Mittelalter" ein wissenswertes und auch heiter aufzunehmendes Kapitel des Gesundheitswesens vor Jahrhunderten, das bis in unsere Zeit hinein wirkt. Foto: wf

Die übersichtliche und „museumspädagogische" Austellung mit fünf Vitrinen und einigen Bild- und Schrifttafeln deckt auch Kurioses ums Medizinische auf, ebenso die Schönheit um die Handarbeit von „Apotheker" und ihrer Bedienungsmittel. Gesundheit hatte auch damals seine ernste wie heitere „Schattenseite", über die wir heute lachen können, wenn wir in ihr über „magische Heilmittel" erfahren, uns aber damals wie heute davor bewahren wollen, wenn der Apotheker die „Maßeinheit" zu seines Gunsten verändert. „Betrügereien" gab´s damals „häufig", aber auch einen Mehrzweck der Medizin: Zwei Esslöffel angerichteten Salbeis, Thymians, Rosmarins und Lavendels, der „Essig der vier Diebe", sollte vor Pestansteckung bewahren und diente zugleich auch der „Raumbestäubung". Man könnte es ja heute mal damit zuhause wieder probieren.

Einige Aspekte der Heilkunde näher beleuchtet:

Antoniusfeuer

Das Antoniusfeuer ist eine Vergiftung mit dem Mutterkorn, einem Pilz, der Roggen befällt und bei Feuchtigkeit besonders gut wächst.

Zu Würgereiz und Kopfschmerzen kommen im fortgeschrittenen Stadium Halluzinationen, unstillbare Hunger- und Durstgefühle; die Gliedmaßen sterben ab. Um das Jahr 1100 begannen die Antoniter, eine Laienbruderschaft, sich um die Opfer des „Heiligen Feuers" zu kümmern.

Apotheke

Jahrhunderte hindurch wurden Heilmittel nur in Klöstern hergestellt. Nonnen und Mönche waren die Heilkundigen dieser Zeit. Außerdem gab es viele heilkundige Kräuterfrauen.

Mit der Entwicklung der Städte entstanden schließlich Apotheken, die jedoch mehr an Gewürzen, Konfekt und Zucker verdienten als an Arzneimitteln. Betrügereien mit Maßeinheiten und Inhaltsstoffen wurden streng bestraft. Sie kamen allerdings auch häufig vor. Der Grund war nicht immer die Profitgier, sondern oft die Ungenauigkeit der niedergeschriebenen Rezepturen.

Arzt

Im 14. Jahrhundert wurde erstmals nördlich der Alpen an den Universitäten Medizin gelehrt. Zur Unterweisung wurden vor allem die antiken Schriften (Hippokrates u.a.) herangezogen. Praktische Erfahrungen konnten die Ärzte nicht sammeln.

Das Sezieren von Leichen war streng verboten. Die Anatomie des Menschen lernten sie anhand schematischer Darstellungen.

Der studierte Arzt (pysicus) war für die innere Medizin zuständig, der Wundarzt (chirurgicus) für Wunden und Brüche. Aufgrund der Ausbildung war das Wissen des Arztes begrenzt und beschränkte sich oft auf Pulsmessung, Harnschau und Aderlass. Letztere Methode konnte durchaus zum Tode des Patienten führen.

Bader und Barbiere

Ein angehender Bader musste drei Jahre in die Lehre gehen und nach den Wanderjahren eine von der Zunft vorgeschriebene Prüfung ablegen. Erst dann durfte er ein Badehaus betreiben.

Dort wurden Wunden behandelt, Zähne gezogen, Klistiere und Massagen verabreicht. Manche dieser Häuser hatten allerdings auch einen zwielichtigen Ruf.

Die Barbiere, häufig zugleich Zahnärzte, behandelten ebenfalls kleine Wunden, gebrochene Glieder und ließen zur Ader. Im späten Mittelalter organisierten sie sich ebenfalls in Zünften. Die Ausbildung dauerte vier Jahre. Aus beiden Berufen entwickelte sich später der Wundarzt.

Theriak

Dieses angeblich universelle Wundermittel versprach gegen alle nur denkbaren Krankheiten Heilung, unter anderem auch gegen Syphilis, Pest und Cholera.

Das Mittel wurde sowohl in seriösen Apotheken, aufbewahrt in kostbaren Gefäßen, als auch von zweifelhaften, umherziehenden Quacksalbern angeboten.

Um einen einheitlichen Standard der Rezeptur vorzugeben und Fälschungen zu unterbinden, stellte man Theriak oft unter Aufsicht von Ärzten, Ratsherrn und Apothekern öffentlich her.

Mit den Jahren wuchs die Zutatenliste auf 300 Inhaltsstoffe an.
(Rezept aus dem 19. Jahrhundert:: 1 Teil Opium, 6 Teile Angelikawurzel, 4 Teile Schlangenwurzel, 2 Teile Baldrianwurzel, 2 Teile Meerzwiebel, 2 Teile Zitwerwurzel, 9 Teile Zimt, 1 Teil Kardamom, 1 Teil Myrrhe, 1 Teil Eisenvitriol, 3 Teile Wein und 72 Teile Honig)

Viersäftelehre

Die vier Säfte Blut (sanguis), gelbe Galle (chole), schwarze Galle (melancholia) und Schleim (phlegma) sollten sich in einem harmonischen Gleichgewicht befinden, damit keine Krankheiten entstehen.

Dass sich dabei die schwarze Galle nicht im Körper befand, spielte keine Rolle. Jedem Saft war ein Körperorgan und eine Eigenschaft (zum Beispiel heiß/kalt) zugeordnet, ebenso der Charakter eines Menschen, die Tages- und Jahreszeit, ein Element und die Himmelsrichtung.

Bei der Behandlung mussten alle diese Faktoren, einschließlich des Laufs der Gestirne, bedacht werden. Besonders beliebt waren Aderlass, Schröpfen und die Harnschau.

Die überschaubare und interessante Ausstellung dauert bis 26. Mai und ist Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Dienstag von 10-13 Uhr und ebenfalls Dienstag bis Freitag von 14-17 Uhr im Stadtmuseum Hofheim zu sehen.

Eintritt: 4,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro. Kinder: 6 bis 14 Jahre 1,00 Euro, bis 5 Jahre frei.
Führungen zuzüglich 1,00 Euro.

Sonntagsführungen mit Dr. Alice Selinger am 5. Mai und 26. Mai, Beginn jeweils 15.00 Uhr. Führungen und Kinderführung auf Anfrage. Anmeldung an das Stadtmuseum Hofheim: Telefon: 06192/ 90 03 05; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. (wf)