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Kunst & KulturAusstellungen › Kloster Eberbach präsentiert erstmals den Riesencodex Hildegard von Bingens

Kloster Eberbach präsentiert erstmals den Riesencodex Hildegard von Bingens

Die Ausstellung im Abteimuseum bietet interessierten Besuchern des Rheingau Musik Festivals Gelegenheit, sie vor Konzertbeginn in Ruhe zu besichtigen           von Britta Steiner-Rinneberg

20.08.13 || altKLOSTER EBERBACH (20. August 2013) - Zeitgleich mit der Eröffnung des traditionellen Zisterziensertages in Kloster Eberbach am 25.August erfolgt anlässlich des 200. Jahrestages der Gründung der „Herzoglich Nassauischen Öffentlichen Bibliothek" in Wiesbaden, die heute Landes- und Hochschulbibliothek heißt, im Abtei-Museum des Klosters die erstmalige öffentliche Präsentation von Hildegard von Bingens Ruppertsberger Riesencodex. Freunde und Kenner der Nassauischen Geschichte, Kunstfreunde und Bibliophile werden sich die seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen, das zentrale Vermächtnis der 1098 geborenen und 1179 verstorbenen, bis heute verehrten gelehrten Äbtissin und Heilkundigen in Augenschein nehmen zu könne

Der Kodex der Hildegard von Bingen. Foto: Stiftung Kloster Eberbach

Die im Lauf der Jahrhunderte fast als Reliquien betrachteten 481 Blätter des um 1180 entstandenen.15 kg schweren Werks, von dem wichtige Teile noch mit Wissen und Billigung Hildegards in Angriff genommen wurden, sind als Quintessenz ihres Schaffens anzusehen. Die übrigen, später zum Sammelband vereinigten Teile wurden von verschiedenen Schreibern des Ruppertsberger Klosters entworfen. Der mit Schweinsleder überzogene Einband wie auch die berühmte Kette entstanden allerdings erst 400 Jahre später.

Der Inhalt des Codex umfasst Hildegards Visions-Trilogie, Ordo Virtutum, die Überlieferung des etwa 300 Briefe umfassenden Briefwechsels der Äbtissin mit Bernhard von Clairvaux und dem Eberbacher Kloster, sprachkundliche Schriften, eine Sammlung von Evangelien-Auslegungen, die Lebensbeschreibung der Mönche Gottfried und Theoderich und den Brief an die Mainzer Prälaten. Dass der Codex kein einziges von Hildegards medizinischen und naturwissenschaftlichen Werken aufführt, erstaunt! Er lässt Experten darauf schließen, dass es möglicherweise ein weiteres, kompilatorisches Werk ihrer Schriften gab, das nicht erhalten, beziehungsweise bis dato nicht aufgefunden ist.

Der Ruppertsberger Codex wurde bis 1642 im dortigen Kloster aufbewahrt und gelangte erst nach der Plünderung und Zerstörung durch die Schweden an das auf der anderen Rheinseite gelegene Tochterkloster Eibingen. Wiesbaden, die Hauptstadt des Herzogtums Nassau, kam erst 1814, im Zuge der Säkularisierung, in den Besitz dieser Kostbarkeit, die seitdem in der damals neu gegründeten „Öffentlichen Bibliothek" aufbewahrt wird. Im zweiten Weltkrieg wurde sie mit anderen bibliophilen Werken vorsichtshalber in das als „sicherer" angesehene Dresden ausgelagert, überstand Krieg und Zerstörung und kehrte 1948 in die Landesbibliothek zurück. Der sich durch die illuminierten Visionsdarstellungen der Prophetin auszeichnende, noch ältere Scivias-Codex wird seit Dresden vermisst. Glücklicherweise gelang es den Benediktinerinnen der Abtei Eibingen, jedoch, noch vor Beginn der Nazizeit von diesem einzigartigen Werk ein originalgetreues Faksimile anzufertigen, das uns von Inhalt und Gestaltung Kenntnis gibt.

Die Ausstellung im Abteimuseum dauert bis zum 29. September 2013, ist täglich von 10.30 bis 19.00 geöffnet und bietet interessierten Besuchern des Rheingau Musik Festivals willkommene Gelegenheit, sie vor Konzertbeginn in Ruhe besichtigen zu besichtigen können. Weitere Auskünfte und Anmeldungen von Gruppen über Telefon 06723 - 9178-110.