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Kunst & KulturAusstellungen › „Frankfurter“ Drehbank ist einfach konstruiert und kann in jeder Steinhauerhütte im Römischen Reich gestanden haben

„Frankfurter“ Drehbank ist einfach konstruiert und kann in jeder Steinhauerhütte im Römischen Reich gestanden haben

"Römische Drehbank ist Glanzlicht beim Museumsuferfest - Archäologisches Museum wartet mit Neuigkeiten auf    von Karl-Heinz Stier

19.08.13 || altFRANKFURT (18. August 2013) - Mit einer ungewöhnlichen Präsentation wartet das Archäologische Museum auf dem Frankfurter Museumsuferfest vom 23. Bis 25. August auf: Sie zeigt eine römische Steindrehbank, die es bislang als Rekonstruktion in Deutschland noch nie gegeben hat! Thomas Flügen, Steinrestaurator, stellte im Steinmagazin, einer Dependance des Museums an der Borsigallee 8, nach intensiven Forschungsarbeiten ein nachgebildetes Gerät in einer Steinwerkstatt vor. Mit derartigen Drehbanken haben römische Steinmetze oft tonnenschwere Werkstücke bearbeitet. Dazu gehören zum Beispiel Säulen bis zu einer Läng von fast 170 Zentimeter sowie deren tragende Teile zum Beispiel als Basis, Schaft oder Kapitelle. Auch in der Gruppe der Steindenkmäler sind Steintische überliefert, die vollständig auf der Drehbank bearbeitet wurden.

altEin komplett erhaltener Steintisch, dessen Platte und Säulenfuß separat auf der Drehbank bearbeitet wurde.

Nach jahrelangen Diskussionen unter Archäologen lieferte nun die „Frankfurter" Drehbank den Beweis, dass alle Formen und Massen römischer Steindenkmäler in der horizontalen Drehachse bearbeitet werden konnten. „Die Maschine wurde so einfach konstruiert, dass sie in jeder Steinhauerhütte im Römischen Reich gestanden haben könnte", analysierte Steinrestaurator Flügen. Vielleicht sei dieser unspektakuläre Aufbau die Ursache für die bisher mangelnde Erwähnung in der antiken Literatur sowie das Fehlen archäologischer Befunde. Fast alle abgedrehten Steine bestehen nach Feststellungen von Flügen aus Sandstein. Wie der beschaffen war, spielte bei der Verarbeitung keine Rolle. Von groben Konglomerat-Sandsteinen bis hin zu feinen Buntsandsteinen fanden alle abweichenden Materialen Verwendung.

altDie erste Rekonstruktion einer römischen Drehsteinbank in einer Steinwerkstatt. Fotos: Archäologische Museum Frankfurt

Steindenkmäler wurden schon im 19. Jahrhundert auf dem Areal der ehemaligen Römerstadt in NIDA (heute Frankfurt- Heddernheim) geborgen. Zuwachs erhält die Sammlung durch ständige Grabungen des Denkmalamtes, darunter auch bedeutende Relikte aus jüngeren Perioden der Stadtgeschichte, wie zum Beispiel eine barocke Gartenfigur, die - ebenfalls in den Werkstätten des Museums restauriert - heute im Architekturmuseum aufgestellt ist oder durch tonnenschwere Grabplatten und den Atzmann aus St. Leonhard. Präsentiert werden die Steindenkmäler in der Dauerausstellung des Archäologischen Museums in der Karmeliterkirche. Der überwiegende Teil ist jedoch in der Borsigallee gelagert.