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Kunst & KulturAusstellungen › „Georg Büchner – Revolutionär mit Feder und Skalpell“

„Georg Büchner – Revolutionär mit Feder und Skalpell“

Die große Landesausstellung in Darmstadt ermöglicht es, auf seinen Spuren zu wandeln und den Menschen im Dichter zu erkennen             von Britta Steiner-Rinneberg

21.10.13 || altDARMSTADT(20. Oktober 2013) - Unter diesem zugkräftigen Titel wurde anlässlich des 200. Geburtstages des am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt geborenen und 1837 in Zürich verstorbenen Dichters, Naturwissenschaftlers und Revolutionärs Georg Büchner im Staatstheater Darmstadt unter Schirmherrschaft Staatsminister Bernd Naumanns und Ministerpräsident Volker Bouffiers als Höhepunkt des Büchner-Gedenkjahres die große Landesausstellung festlich eröffnet.

Die vom Kulturfonds Rhein - Main, der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Hessen, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Stadt Darmstadt und anderen Institutionen ermöglichte, multimediale Präsentation zu Leben und Werk des früh verstorbenen Dramatikers entstand unter Federführung Museumsdirekter Dr. Ralf Beils in gemeinsamer Arbeit des Instituts Mathildenhöhe und der Büchner-Forschungsstelle Marburg/Lahn. Sie ist im Wissenschafts- und Kulturzentrum „darmstadtium" aufgebaut und außer montags täglich von 10 bis 18 Uhr und donnerstags bis 21 Uhr zu sehen.

Georg Büchner, Stich nach einer Zeichnung von August Hoffmann

Die Hessische Ministerin für Kunst und Wissenschaf Eva Kühne-Hörmann sprach von einem „ zwar schmalen, aber hoch bedeutenden Werk" des in diesem Jahr besonders gefeierten Dichters, dessen Faszination bis heute ungebrochen ist". Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch nannte die Ausstellung ein „Bekenntnis der Wissenschaftsstadt" und eine „Liebeserklärung" an einen Mann, der seinerzeit „messerscharf die Brisanz der bis heute gültigen, relevanten Kernthemen unserer Gesellschaft erkannte".

„Interdisziplinäre Schau mit sensationellen Funden


„Revolutionär mit Feder und Skalpell" fasziniert mit Manuskripten, Zeichnungen, Gemälden und Grafiken, mit Multimedia-Installationen, zeithistorischen Objekten, Hörstationen und baulichen Nachbildungen der Lebens -und Schaffensräume des Dichters. Die sorgsam aufgebaute Schau lässt in die kritisch betrachtete und für unzulänglich erkannte Welt eintauchen, in der er 1837 infolge einer Typhuserkrankung verstarb. Die Chance, sein Leben von der Kindheit an über Studium und Promotion, Flucht, Verfolgung und erste literarische Erfolge begleiten zu können, werden sich Büchner-Freunde, die durch Lektüre, Theater, Konzert, Lesungen, Vorträge und Film KonzertSchauspiel. Oper und Konzert, durch Lesungen, Filme und Vorträge mit seinen Werken vertraut sind, kaum entgehen lassen und aufgefordert fühlen, sich mehr und genauer mit ihm und seiner Zeit zu befassen.

altBüchners Flugschrift von 1834 "Friede den Hütten - Krieg den Palästen"

Als literatur-historische Sensationen gelten die als Leihgaben vom Frankfurter Goethehaus freundlicherweise zu Verfügung gestellten und erstmals einer großen Öffentlichkeit präsentierten Zeichnungen und das Tagebuch des Theologen und engen Büchner-Freundes Alexus Muston. Die Tagebücher, die lange als verschollen galten und erst jüngst in französischem Privatbesitz aufgefunden wurden und das im Frühjahr 2013 auf einem deutschen Dachboden entdeckte, von August Hoffmann gemalte Porträt des jungen Büchner aus dem Jahr 1833 - über dessen Echtheit die Meinungen Sachkundiger noch immer auseinander gehen - ziehen begreiflicherweise Kenner wie Laien magisch an.

Ein großes Mosaik, das neue Blicke eröffnet


Die für zwei Millionen erarbeitete Ausstellung, die wegen der Sanierung des Ausstellungsgebäudes Mathildenhöhe in eigens dafür hergerichteten Räumen des „darmstadtiums" zu sehen ist und neue Blicke und Perspektiven eröffnet. umfasst rund 400 Objekte, unter denen sich ihnen auch Nachbildungen wie die des Büchner`schen Familienzimmers mit Handbibliothek, Napoleonbüste und Schmetterlings-Sammlung (aus dem Landesmuseum Wiesbaden) und die Rekonstruktion des nur 15 Quadratmeter großen, bescheidenen Züricher Schlaf -, und Arbeitszimmers, das zu seinem Sterbezimmer wurde.

altWachensturm ("Insurrection de Francfort", kol. Lithographie um 1833

„Unsere Schau", so Dr. Beil, „ ist ein einziges großes Mosaik und der kühne Versuch, auf des Dichters Spuren zu wandeln und dabei dem Menschen Büchner so nahe wie möglich zu kommen." Dazu hilft in Darmstadt mit 128 Text-Toneinspielungen auch der Audioguide als integraler Bestandteil des Großprojekts zu Kulturgeschichte, Literatur, Naturwissenschaft und Politik um 1800.

altGeorg Büchner in einer Protraitskizze seines Freundes Alexis Muston, 1833. Abbildungen: Landesausstellung Darmstadt/ Institut Mathildenhöhe Darmstadt

Das von Beil und Burghard Dedner herausgegebene, über 600 Seiten starke Katalogbuch mit 400 Abbildungen ist gespickt mit Essays von Arnd Beise, Kurt Drawert, Michael Hagner, Peter von Matt und Roland Borgards, sowie philosophischen und literarischen Texten von Canetti, Celan, Musil, Robert Walser, Heiner Müller, Karl Marx, Rudi Dutschke und anderen: Ein Büchner-Kompendium in Wort und Bild, das in der Ausstellung 58 Euro kostet. Die Buch-Vernissage erfolgt im Rahmen der Lesung der Georg-Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff am 25. Oktober in der Orangerie Darmstadt.
Ein Hörbuch im HatjeCantz Verlag ist in Vorbereitung.

Begleitprogramm


Neben den öffentlichen Führungen und Sonderführungen (Anmeldung!) gibt es in Darmstadt ein interessantes Begleitprogramm mit Theater- und Operninszenierungen, Lesungen, Vorträgen. Filmvorführungen und Diskussionen, die im Kongresszentrum „darmstadtium", Schlossgraben 1, stattfinden. Der Eintritt beträgt inklusive Audioguide 10 Euro, die Familienkarte 20 Euro. Weitere Informationen über Telefon 06151 - 132778