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Kunst & KulturAusstellungen › „Emil Nolde. Retrospektive“ mit 140 Arbeiten

„Emil Nolde. Retrospektive“ mit 140 Arbeiten

Ausstellung eines der bedeutendsten Expressionisten im Frankfurter Städel           von Karl-Heinz Stier

05.03.14 || altFRANKFURT (04. März 2014) - Er ist ein „internationaler Farbenmagier" und in Deutschland besonders verehrt - so charakterisiert ihn der Direktor des Frankfurter Städelmuseum, Max Hollein. Und er war ein „facettenreicher Charakter und vereinte zahlreiche Gegensätze in seiner Person" so nennt ihn Dr. Felix Krämer, Kurator der Ausstellung und Leiter der Sammlung Kunst der Moderne in diesem Museum. Obwohl Frankfurt nicht zu den Städten zählte, in denen er sich länger aufgehalten hatte, so gelang ihm hier sein künstlerischer Durchbruch, verbunden mit seiner Anerkennung, betonte Dr. Christian Ring, Direktor des Seebüll-Stiftung, die dem Maler aufs engste verbunden ist.

Gemeint ist stets ein Künstler, dessen Werke es in der Weimarer zur größten Blüte brachte: Emil Nolde. Ihn, den bedeutendsten Expressionisten, präsentiert nun das Städel-Museum bis zum 14. Juni im Rahmen einer Sonderausstellung unter dem Thema „Emil Nolde. Retrospektive". Es sind 140 Arbeiten, darunter auch einige bisher nicht außerhalb von der Stiftung Seebüll gezeigte Gemälde und Graphiken des Künstlers. Die Werkauswahl reicht von expressionistischen Landschaften über rauschende Berliner Nachtszenen und exotische Südseemotiven bis hin zu religiösen Darstellungen. Die Retrospektive umfasst Gemälde, Aquarelle und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen des Künstlers.

Emil Nolde, 1867 als Hans Emil Hansen geboren, war ein deutscher Nationalisten mit dänischer Staatsbürgerschaft, SPD-Wähler und Mitglied der Nationalsozialistischen Partei in Schleswig. Jemand der trotz Schmutzkampagne, Bilderzerstörung und Berufsverbot weiter auf Adolf Hitler hoffte. Nach dem Krieg galt Nolde ungeachtet seiner ambivalenten Rolle während der NS-Zeit als Inbegriff des verfolgten Künstlers. Überzeugend inszenierte er sich als einfache, ehrliche Seele vom Lande. Gleichzeitig beherrschte er perfekt sämtliche Marktmechanismen und widmete sich mit großem geschäftlichem Talent den Verkäufern seiner Kunst. Er war ein Autodidakt, der mehrere Kunstschulen besucht hatte, ein Maler, der nicht müde wurde, seine Abneigung gegen die Stadtgesellschaften zu formulieren und dennoch einen Großteil seines Lebens in Städten verbrachte.

Das Ausstellungshaus Städel zeigt auf beiden Stockwerken in zwölf Kapiteln das Gesamtwerk des Künstlers in der ganzen Bandbreite seiner thematischen wie auch medialen Vielfalt. Die Ausstellung beginnt mit dem Frühwerk Noldes. Sein erstes Gemälde „Bergriesen" nimmt die anhaltende Begeisterung des Künstlers für das Fantastische und Groteske vorweg, das später immer wieder in seinem Werk auftaucht.

Mit der Heirat ändert der Maler seinen Namen. Behördlich bewilligt, nennt er sich von nun an nach seinem Geburtsort Nolde. Damit betont der Künstler sowohl seine Herkunft als auch seine Heimatverbundenheit, die er in der Folge als Charakteristikum seiner Kunst herausstellt. Der künstlerische Durchbruch gelang Nolde mit Blumen- und Gartenbildern, in denen er mit dem Potenzial der Farbe experimentiert. Nach einer Expedition des Reichskolonialamtes nach Neuguinea wird Noldes Sehnsucht nach einem von der westlichen Zivilisation unberührten Naturidyll deutlich (1915 - 1932).

1941 wird Nolde ein umfassendes Berufsverbot erteilt. Es darf seine Werke nicht mehr der Öffentlichkeit zeigen. Trotz der schwierigen politischen Situation verkauft Nolde weiterhin gut. 1940 betragen seine Einnahmen 52.000 Mark. Der Chef des Reichssicherheitsdienstes, Reinhard Heydrich, forderte dem „berüchtigten Kunstbolschewisten und Führer entarteter Kunst" endlich den Geldhahn zuzudrehen.

Zur Verwunderung seiner Freunde heiratete Nolde 1948 erneut - seine Frau Jolanthe ist gerade mal 26 Jahre alt. Zuvor entstanden von 1938 bis 1945 die „Ungemalten Bilder", Aquarelle, die er ab 1938 in Öl überträgt 1956 stirbt er in Seebüll an einer Bronchitis.

Noldes Oeuvre ist mit 1356 Gemälden, unzähligen Aquarellen und Zeichnungen sowie mehr als 500 druckgrafischen Arbeiten ausgesprochen umfangreich. Heute gehört er zweifellos zu den wichtigsten Künstlern der Moderne. Kaum ein anderer Mann hat einen solch hohen Stellenwert und schafft es, sein Publikum so unmittelbar in den Bann zu ziehen, meint Dr. Felix Krämer.

Das Städel-Museum ist Di, Mi, Sa und So von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Do und Fr von 10 bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 12 Euro. Weitere Infos: tickets. Staedelmuseum.de.