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Kunst & KulturAusstellungen › 120 Jahre gesammelte Fotografie in neun chronologisch gegliederten Kapiteln

120 Jahre gesammelte Fotografie in neun chronologisch gegliederten Kapiteln

Sonderausstellung im Städel Museum bis 5. Oktober - Weltweit erste Fotoausstellung war schon 1845 in Frankfurt von Karl-Heinz Stier

08.07.14 || altFRANKFURT (08. Juli 2014) - Die Sammlung von Fotografien gehört auch zu den Aufgaben und zum Bestand des Städel Museums in Frankfurt. Davon mag mancher überrascht sein, aber die Kollektion von Fotos hat dort eine lange Tradition. Mit „Lichtbilder. Fotografie im Städelmuseum von den Anfängen bis 1960" wird den wichtigsten Tendenzen der europäischen Fotokunst nun eine umfassende Sonderausstellung vom 9.Juli bis 5.Oktober gewidmet, die unlängst erweiterte Fotobestände im Bereich Kunst der Moderne präsentiert und dabei auch ein Blick auf fast vergessene Fotografen gelenkt. Die Ausstellung gibt nicht nur einen Überblick über den Sammlungsbereich der frühen Fotografie im Städel und die Erwerbungen der letzten Jahre, sondern veranschaulicht zugleich die Geschichte des Museums. In neun chronologisch gegliederten Kapiteln wird anhand von Sammlungsschwerpunkten der Bogen von der Papierfotografie in den 1840 Jahren bis hin zu den Arbeiten der Gruppe fotoform gespannt.

Das Städel Museum war das erste Kunstmuseum weltweit, das Fotografien ausstellte: 1845, nur sechs Jahre nachdem die Erfindung des neuen Mediums in Paris bekanntgegeben worden war, präsentierte der Frankfurter Fotograf Sigismund Gerothwohl im Städel eine Auswahl seiner Portraitfotos. Ihre erste Erwähnung erfolgte 1845 in Form einer Anzeige im Frankfurter „Intelligenz Blatt", dem amtlichen Mitteilungsblatt der Stadt.

Das Streben des Bürgertums nach Selbstdarstellung im Sinne aristokratischer Gepflogenheiten ließ fotografische Bildnisse bald zu einem lukrativen Geschäft werden und die Zahl der Fotoateliers in den europäischen Großstädten stetig ansteigen. Bauwerke und historische Denkmäler, Kunstschätze sowie prominente Persönlichkeiten wurden festgehalten und dem Publikum zugänglich gemacht, ebenso die kulturhistorischen Stätten Europas und des Nahen Ostens. Eines der erfolgreichsten Unternehmen führte der in Frankfurt geborene Georg Sommer in Neapel, der mit seinen pittoresken Darstellungen große Berühmtheit erlangte.

Kann Fotografie Kunst sein? - das wird in einem weiteren Kapitel dargestellt. Die Kunst- und Stilfotografie, auch Piktorialismus genannt, hatte um die Jahrhundertwende ihren Höhepunkt. Vom gesellschaftlichen Umschwung nach dem Ende des Ersten Weltkrieges blieb auch die Fotografie nicht unberührt. Die Fotografien wurden zu wichtigen Zeugnissen des Alltags an der Bildungsstätte und trugen entscheidend zu deren öffentlicher Wahrnehmung bei. Der Einfluss der Massenmedien rückte letztlich auch die Bildreportage in den Mittelpunkt politischer Geschehnisse. Wie sehr die massenwirksame und planvolle Inszenierung des Abbildes als Propagandamittel genutzt werden konnte, zeigen Heinrich Hoffmanns Hitlerbilder oder Walter Heges Aufnahmen. Die Hitler-Aufnahmen, 2013 für die Städel-Sammlung angekauft, waren ursprünglich von Hitler in Auftrag gegeben, später ließ er den Nachdruck verbieten. Tatsächlich entlarven Hoffmanns Bilder die leere Pose des porträtierten Diktators.

Der Letzte Teil der Ausstellung ist Otto Steinert und der Gruppe fotoform gewidmet. Sie rücken die individuelle Perspektive des Fotografen in den Vordergrund und prägen damit den Begriff „subjektive fotografie".

Die Schau ergänzt die seit der Neueröffnung des Städel Museums 2011 praktizierte gemeinsame Präsentation von Fotografie, Malerei und Skulptur, die auch während und nach „Lichtbilder" fortgeführt wird, um deutlich zu machen, welch entscheidende Position der Fotografie seit ihren Anfängen in der kunsthistorischen Bildtradition zukommt. Felix Kramer, einer der beiden Kuratoren der Schau, macht bilanzierend deutlich: „ Mit ‚Lichtbilder‘ möchten wir zu einer intensiveren Beschäftigung mit der vielseitigen Geschichte des spannenden und auch heute noch oftmals unterschätzten Mediums Fotografie anregen".

Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10 bis 18 Uhr, Do und Fr 10 bis 21 Uhr. Sonderöffnungszeiten: Fr. 3.Oktober 10 bis 18 Uhr.

Weitere Infos Z.B. Eintritspreise unter www.staedelmuseum.de oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. Telefon: 0 69 - 60 50 98 - 0.
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63 - 6o596 Frankfurt.