Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

Kunst & KulturAusstellungen › Vom Rothschildpalais zum Jüdischen Museum

Vom Rothschildpalais zum Jüdischen Museum

Letzte Führung durch die Kabinettausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt Erste Station im Rundgang „Park in Progress - Stadtlabor unterwegs in den Wallanlagen"

08.08.14 || altFRANKFURT (07. August 2014) - Am Samstag, 16. August, führt Die Kunsthistorikerin Sonja Thäder zum letzten Mal durch die Kabinettausstellung „Vom Rothschildpalais zum Jüdischen Museum". Im Zentrum stehen dabei seine prominenten Bewohner und die baulichen Veränderungen. Die Ausstellung ist ein Baustein des öffentlichen Projekts „Park in Progress". Stadtlabor unterwegs in den Wallanlagen" und beleuchtet den Wandel des nun bald 200 Jahre alten Gebäudes. Sonja Thäder hat die Kabinettausstellung zur Geschichte der beiden Gebäude, in denen sich jetzt das Jüdische Museum befindet, konzipiert. Sie führt durch die Ausstellung und weist auch auf die architektonischen Spuren hin, die unter anderem die Familie Rothschild und die Rothschild'sche Bibliothek im Museum hinterlassen haben. Die Führung beginnt um 15 Uhr.

Betty Speyer, geb. Seligmann v. Eichthal, 1807, Maler unbekannt, Öl auf Leinwand, Schenkung Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums © Jüdisches Museum Frankfurt

Die Ausstellung schildert die Geschichte des Rothschildpalais als einem der letzten originalen Bauwerke, das um 1820 am neu geschaffenen Untermainkai gebaut wurde. Es ist nicht nur ein Zeugnis der damaligen Frankfurter Stadtplanung, sondern spiegelt auch eine gravierende Veränderung in der Frankfurter Gesellschaft wieder. So war die Hausnummer 15 durchgehend im Besitz jüdischer Bankiersfamilien, die sich nach der Auflösung der alten Frankfurter Judengasse im Westen der Stadt niedergelassen hatten: Die ersten Besitzer waren Joseph Isaak Speyer und seine Frau Betty, geb. Seligmann von Eichthal. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums hat dem Museum zwei Portraits des Ehepaars aus dem Jahr 1807 geschenkt. Diese werden zu diesem Anlass erstmals ausgestellt.

Von der Witwe Speyer kaufte Mayer Carl von Rothschild, ein Enkel des Bankgründers Mayer Amschel Rothschild, das Stadthaus und erweiterte es zu einem imposanten Palais. Nach seinem Tod wurde Mayer Carls Kunstsammlung im Parterre des Haus ausgestellt.

Hausnummer 14 gehörte zunächst dem Architekten beider Häuser, Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess. Er verkaufte es an Staatsrat Simon Moritz von Bethmann, dem größten Konkurrenten der Rothschilds in Frankfurt. Spätere prominente Bewohner in Nr. 14 waren die Familie des berühmten jüdischen Arztes Dr. Salomon Stiebel, der ebenfalls noch seine Jugend in der Judengasse verbracht hatte, und des Unternehmers Jacques Reiss.

altDer Gebäudekomplex des Jüdischen Museums vom Main aus gesehen. Foto: Ralph Delhees

Die gravierendste Veränderung erfuhren beide Häuser 1905 durch ihre Zusammenlegung für die Erweiterung der neueingerichteten Freiherrlich Carl von Rothschild'schen öffentlichen Bibliothek. Diese Bibliothek hatte Mayer Carls Tochter Freifräulein Hannah-Louise von Rothschild 1888 ins Leben gerufen. Sie blieb bis über ihren Tod hinaus als große Wohltäterin für soziale Belange in Frankfurt bekannt und geachtet.

Die Rothschild'sche Bibliothek wurde 1928 in die Stadt- und Universitätsbibliothek eingegliedert. Von den Nazis wurde die Bibliothek unter Verschweigen der Gründerfamilie weitergeführt. Das Palais überstand auch das Kriegsende relativ unbeschadet. Es diente unter den Alliierten als Sammelstelle, einem sogenannten „Collecting Point", geraubter Bücher und Manuskripte, bis dieser nach Offenbach verlegt wurde.

Das Haus diente von 1946 bis 1964 als Zentralgebäude der Stadt- und Universitätsbibliothek. Von 1964 bis 1988 war das Palais Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude des Historischen Museums. Nachdem 1980 die Errichtung eines Jüdischen Museums beschlossen wurde, fanden von 1984-88 die Sanierungen und Umbauten statt.

1988 wurde im Rothschildpalais das erste eigenständige Jüdische Museum Deutschlands nach dem Krieg eröffnet. Die Dauerausstellung schildert die Geschichte der Frankfurter Juden vom 12. bis ins 21. Jahrhundert. Die Isolation der Gemeinde in der Judengasse wird den Lebensumständen in der Zeit der Emanzipation sowie der Neugründung nach dem Nationalsozialismus gegenübergestellt. Zudem werden die zentralen Aspekte jüdischen Lebens, die Traditionen damals und heute sowie die Vielfalt der jüdischen Kulturkreise thematisiert. Die Dependance Museum Judengasse wurde 1992 eröffnet. In den Sonderausstellungen wird ein breites Spektrum an kultur-, kunst- und zeithistorischen Themen zugänglich gemacht. Voraussichtlich im Jahr 2017 wird ein Erweiterungsbau der bewegten Geschichte des Rothschildpalais ein neues Kapitel hinzufügen. (du/stafra)