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Kunst & KulturAusstellungen › Erstmals wird der Bär und seine kultische Verehrung dargestellt

Erstmals wird der Bär und seine kultische Verehrung dargestellt

Rituale früher Jäger im Archäologischen Museum - Einmalige Funde und ethnologische Objekte vermitteln aufschlussreiche Bildzeugnissen           von Karl-Heinz Stier

08.12.15 || altFRANKFURT (08. Dezember 2015) - Sie ist nicht nur eine Expedition in die religiöse Welt der menschlichen Frühzeit, eine Aufarbeitung von Kulten und Ritualen der Jäger über die gesamte zirkumpolare Zone in einem unergründlichen Alter, sie wird auch als Thema erstmals derzeit weltweit in Frankfurt gezeigt: Die Ausstellung „Bärenkult und Schamanenzauber" im Archäologischen Museum. Unergründliches Alter deshalb, weil die Verehrung von Bären und Geweihträgern, verbunden mit schamanischen Ritualen schon für die Altsteinzeit vor etwa 40.000 Jahren belegt ist. Einmalige archäologische Funde und ethnologische Objekte vermitteln originalgetreue Inszenierungen und aufschlussreiche Bildzeugnissen.

Die Spuren eines Bärenkultes finden sich bereits in zahlreichen Höhlen der Altsteinzeit. Noch bis in das 20.Jahrhundert hinein gehörte ein komplexes Bärenjagd - und Tötungszeremoniell zur Kultur der Jägervölker rund um den nordpolaren Raum.

Im Zentrum stand oft das große Bärenfest, das nach dem Bärenschmaus mit der feierlichen Beisetzung der Bärenknochen endete - so konnte der Herr des Waldes und Ahn des Menschen eines Tages wieder auferstehen. Dieses Ritual wird in der Ausstellung mit vielen Zeugnissen illustriert. Bekannt sind dabei skandinavische Bärengräber aus Schweden und Norwegen. Hier ein Beispiel um den Kult des Bären:

altBärenschmaus um 1855

Im Zentrum stand der Kessel mit dem gesottenen Bärenfleisch, die Speisegemeinschaft sitzt auf den Wandbänken im Holzhaus. Das Bärenfell samt Schädel ist aufrecht in einem Gestell platziert als menschenähnliches, noch lebendes Wesen, dem man Fische zur symbolischen Speisung vorgelegt hat.

Diesen Praktiken - so Ausstellungsleiter und Museumsdirektor des Archäologischen Museums Prof. Dr. Egon Wamers - begegneten Geistliche und Reisende des 17. und 18.Jahrhunderts mit Abscheu: Sie verdammten sie als „ erschröckliche Abgötterej unnd verehrung der Teuffel". Dahinter stand jedoch eine urtümliche Vorstellungswelt und Religiosität, die in der Lebensform archaischer Jäger-Fischer-Sammler- Kulturen wurzelte. Denn seit seinen Anfängen als Jäger und Wildbeuter erfuhr sich der Mensch als Teil der Tierwelt. „Das Tier war dem Menschen ein alter ego, mit dem man Identität und Gestalt tauschen konnte. Der Mensch erlebte sich als Teil einer gemeinsamen Natur, die als beseelt wahrgenommen wurde". Die Welten zwischen dem Diesseits und dem Jenseits waren fließend. Dafür sorgten z.B. die Schamanen Sibiriens. In Trance und Ekstase konnten sie, unterstützt von Hilfsgeistern, auf Seelenreise mit ihren „Patienten" ins Jenseits gehen.

altHeilungszeremonie eines Schamanen vor einer „Kranken" aus Giljaken in Nordostsibirien. Fotos (2): Archäologisches-Museum Frankfurt

In der Ausstellung werden eine komplette Schamanentracht und Ausstattung, zahlreiche Kultfiguren sowie eine der selten erhaltenen Schamanentrommeln gezeigt. Auch der kultischen Verehrung großer Geweihträger wie Hirsch, Ren und Elch, die Symbol einer zyklisch wiederkehrenden Fruchtbarkeit waren, spürt die Schau mit hochkarätigen, erstmals außerhalb Skandinaviens gezeigten Ausstellungsobjekten nach. Maskentänze, allegorische Vereinigungen mit mächtigen Tieren, lassen sich seit der Altsteinzeit bis in die nordpolaren Kulte des 19.Jahrhunderts nachweisen.

„Bärenkult und Schamanenzauber" steht unter der Schirmherrschaft des Botschafters von Schweden. S. E. Lars Danielsson und ist in Kooperation mit dem Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, dem Neanderthal Museum Mettmann und dem Frankfurt Museum entstanden.

Die Ausstellung ist noch bis 28. März geöffnet (Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 3.50 Euro). Mehr zum Rahmenprogramm und Öffnungszeiten sind unter info.archaeolmus@stadt-frankfurt oder www. archaeologisches-museum.frankfurt.de oder Telefon: 0 69 - 212-30 700 zu erfahren.