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Kunst & KulturAusstellungen › Kunst aus dem Holocaust – 100 Werke aus der Gedenkstätte Yad Vashem

Kunst aus dem Holocaust – 100 Werke aus der Gedenkstätte Yad Vashem

Das Deutsche Historische Museum Berlin zeigt Arbeiten von jüdischen Häftlingen aus verschiedenen Konzentrationslagern, Arbeitslagern und Ghettos - Veranstaltungen am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust           von Ralph Delhees

25.01.16 || altBERLIN/FRANKFURT/RHEINMAIN (25. Januar 2016) - Der 27. Januar ist seit 1996 Gedenktag an alle Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland und seit 2005 wird auch weltweit an den Tag gedacht. Gewählt wurde der 27. Januar, da an diesem Tag 1945 die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, das zum Sinnbild für den Geozid an den europäischen Juden während des Zweiten Weltkrieges stellvertretend steht, befreit wurde. An den 71. Tag der Befreiung von Auschwitz wird sicherlich Bundestagspräsident Prof. Dr. Lammert vor dem Bundesparlament erinnern. Viele weitere Erinnerungsveranstaltungen, z. B in Frankfurt und dem Main-Taunus-Kreis, finden bundesweit wieder statt und auch zahlreiche Ausstellungen wird es ebenso geben, wie Hörfunk- und Fernsehsendungen auf diversen Kanälen. Eine der bedeutendsten ist die heute in Berlin eröffnete Ausstellung „Kunst aus dem Holocaust - Werke aus der Gedenkstätte Yad Vashem", die das Deutsche Historische Museum in der Ausstellungshalle Unter den Linden zeigt.

Oben rechts: Ausschnitt für das Plakat aus "Ein Frühling" von Karl Robert Bodek/Kurt Conrad Löw, 1941 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem

altaltDas Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. und auf Initiative der BILD erstmals in Deutschland 100 Kunstwerke aus der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem. Die Arbeiten in der Ausstellung stammen in fast allen Fällen von jüdischen Häftlingen aus verschiedenen Konzentrationslagern, Arbeitslagern und Ghettos. Die überwiegend grafischen Blätter entstanden unter unmenschlichen Bedingungen im Geheimen. Sie zeugen von der Kraft des Geistes im Angesicht von Elend und Tod und dem Widerstreit zwischen der Wirklichkeit des Holocaust und einer imaginativen Gegenwelt. Die Ausstellung ist vom 26. Januar bis 3. April2016 zu sehen.

Blick auf die Neue Wache (von links) und auf das Zeughaus in dem Ausstellung „Kunst aus dem Holocaust - Werke aus der Gedenkstätte Yad Vashem" bis zum 3. April zu sehen ist. Über dem Zeughaus ragt die Kuppel des Beliner Dom und der Fernsehturm am Alexanderplatz heraus. Foto: Ralph Delhees

Von den 50 präsentierten Künstlerinnen und Künstlern wurden 24 von den Nationalsozialisten ermordet. Neben weitgehend unbekannten Namen sind auch bekannte Künstler wie Felix Nussbaum oder Ludwig Meidner vertreten. Die Werke sind nach Themen gegliedert, die vom Porträt über die alltägliche Grausamkeit im Lager bis zur Erschaffung einer idyllischen Gegenrealität reichen.

Umfangreiches Begleitprogramm


Von einem umfangreichen Begleitprogramm wird die Ausstellung umrahmt. Am 27. Januar 2016, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, nimmt die Kuratorin der Ausstellung Eliad Moreh-Rosenberg von Yad Vashem das Publikum mit zu einem Rundgang durch die Ausstellung. Sie erzählt die Geschichten hinter den Bildern und gibt einen Einblick in ihre Entstehung und ihre Bedeutung. Die Führung ist in englischer Sprache. An diesem Tag ist der Eintritt in das Deutsche Historische Museum frei.

Bilder links:Ankunft eines Transports, 1942, von Leo (Lev) Haas - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem und "Ein Frühling" von Karl Robert Bodek/Kurt Conrad Löw, 1941 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem

Bilder rechts: "Pfad zwischen den Baracken" von Leo Breuer, 1941 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem und  Eine Straße im Ghetto von Łodz  von Josef Kowner - 1941 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem

Renommierte Wissenschaftlerinnen eröffnen in einer Vortragsreihe neue Blickwinkel auf die Ausstellung: Sie beleuchten die Ausstellung aus kunsthistorischer und kulturwissenschaftlicher Sicht, setzen sie in den Kontext aktueller Forschung und führen ein in die zeitgenössischen wissenschaftlichen Debatten. Dr. Anda Rottenberg (Warschau, Polen) thematisiert die Reaktionen der Kunst auf die Traumata des Zweiten Weltkriegs in Polen, Prof. Dr. Magdalena Marszałek (Universität Potsdam) untersucht in ihrem Vortrag die existenzielle Relevanz des Themas „Kunst im Holocaust" und Prof.Dr. Giedre Jankeviciute (Vilnius, Litauen) geht der Frage nach, wie sich Kunst und Kreativität in Zeiten von Unterdrückung entwickeln und welche Bedeutung sie für die Zeitgenossen hat.

Von links: Selbstporträt von Josef Kowner, 1941 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem; Der Geschlagene (Mein Bruder Gedalyahu) von Jacob Lipschitz, 1941-1944 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem; Selbstporträt von Charlotte Salomon, 1939-1941 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem

Zudem bietet das Deutsche Historische Museum jeden Samstag Führungen durch die Ausstellung. In den Rundgängen kommen die Entstehungsbedingungen der Kunstwerke, die Motivation der Künstlerinnen und Künstler sowie die Themen der überwiegend graphischen Arbeiten zur Sprache. Ein Anliegen der Führungen ist es, den Werken in zweierlei Hinsicht gerecht zu werden: gleichermaßen als historische Quelle wie als eigenständiges Kunstwerk.

Jeden Freitag haben internationale Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, an englischsprachigen Führungen zur Ausstellung teilzunehmen. Darüber hinaus veranstaltet das Deutsche Historische Museum Sonderführungen sowie ein eigenes Programm für Kinder und Schulklassen der Grundschule und Sekundarstufe I und II.

altVon links: Der Flüchtling von Felix Nussbaum, 1939 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem; Hintereingang von Bedřich Fritta, 1941-1944 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem; Das Lied ist aus von Pavel Fantl,  1942-1944 - © Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur e.V., des Deutschen Historischen Museums und von Yad Vashem in Jerusalem, dem weltweit bedeutendsten Ort des Gedenkens an den Holocaust und dessen wissenschaftlicher Dokumentation. Initiatoren des Projekts sind der Medienpartner BILD und die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die Förderung der Daimler AG und der Deutsche Bank AG.

Die Direktorin der Kunstabteilung vonYad Vashem, Eliad Moreh-Rosenberg, ist die Kuratorin der Ausstellung.

Wissenswertes für einen Besuch


Überblicksführungen: Jeweils samstags, 13 Uhr - 4 €, zzgl. Eintritt
Sondertermine: Mittwoch, 27. Januar 2016, 13 Uhr - Eintritt frei
Öffentliche Führung : Freitag, 25. März 2016, 15 Uhr, Sonntag, 27. März 2016, 13 Uhr - jeweils 4 € zzgl. Eintritt
Gruppen 75 € (max. 25 Personen) zzgl. Eintritt
Schulklassen 1 € pro Schüler/in, Eintritt und bis zu 2 Begleitpersonen pro Schulklasse kostenfrei
Buchung unter: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , Tel.: +49 (0)30-20304-750, Fax: +49 (0)30-20304-7

Der begleitende Katalog erschien im Wienand Verlag, Köln, und ist in der Ausstellung käuflich zu erwerben

Die Ausstellung ist vom 26. Januar bis 3. April 2016 zu sehen

Gedenkveranstaltungen in Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis am 27. Januar


altDer Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann spricht am Mittwoch bei der Gedenkfeier in der Wandelhalle der Frankfurter Paulskirche. Anschließend wird am Mahnmal für die Opfer der Gewaltherrschaft - an der Paulskirche - ein Kranz niedergelegt.

altDie Geige, die ich halte, ist mein Schutzschild  - „Verfemte Musik"


„Musik gegen das Vergessen" erklingt am Mittwoch um 17 Uhr in der Frankfurter Heiliggeist-Kirche im Dominikaner-Kloster, Kurt-Schumacher-Str. 23. Die Frankfurter Cellistin Cornelia Walther und die Pianistin Vanessa Bosch aus Graz haben ein Programm zusammengestellt, das Kompositionen jüdischer Musiker zum Inhalt hat, die unter der Naziherrschaft in Deutschland verboten worden waren. Die Beschäftigung mit „verfemter Musik" hat die beiden Künstlerinnen schon während ihres Musikstudiums so aufgewühlt, dass sie die Kompositionen in Ausschnitte aus Briefen, Artikeln und Zeugenaussagen einbetten, die Einblicke geben in das komplett eingeschränkte Leben geächteter Musiker seinerzeit.

altDas Bild zeigt duie beiden Künstlerinnen,.dieCellistin Cornelia Walther und die Pianistin Vanessa Bosch Foto: ESG

Wie bereits seit zwei Jahrzehnten laden zu dieser Gedenkveranstaltung die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) und die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) an der Frankfurter Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Frankfurt/M ein. Der Abend mit „Verfemter Musik" in der Heiliggeist-Kirche mündet um 18.30 Uhr in ein Gedenken mit Worten und Gesten auf dem Neuen Börneplatz.

altJüdische Zeitreise mit Dany Bober


Eine Veranstaltung  zum Gedenken und Erinnern findet am Mittwoch in der Kulturscheune mit dem Liedermacher Dany Bober statt.  Er wird seine Zuhörer auf eine "jüdische Zeitreise mitnehmen.Von teilweise eigenen Vertonungen der Psalmen König David und Salomo führt sein Programm über das babylonische Exil und die hellenistisch-römische Zeit zu den jiddischen Volksweisen Osteuropas. Zwischen den Liedern erzählt er die Geschichte, die den Rahmen dazu bildet. Anekdoten, Prosa und Gedichte aus dem jüdischen Frankfurt am Main und Berlin des 18. und 19. Jahrhunderts runden das Programm ab.

altDany Bober kommt in die Kulturscheune in Flörsheim am Mittwoch. Foto: Stadt Flörsheim

Dany Bober lebt in Wiesbaden, seit über 30 Jahren tritt er mit seinen Liedern und Gesprächsbeiträgen auf.
Karten gibt es an der Abendkasse zu zehn Euro und sind im Stadtbüro im Bahnhof, Willy-Brandt-Platz, Telefon 06145 955-110, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. erhältlich. Tickets kann man auch online auf www.adticket.de buchen, dabei fallen zusätzliche Gebühren an.

alt„Abgeschoben, verschwunden, vergessen?


Der Arbeitskreis Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus lädt am Mittwoch um 20 Uhr in die Stadtbücherei Schwalbach am Taunus, Marktplatz 15, zu einem Gespräch mit Prof. Gerhard Henke-Bockschatz zum 27. Januar, dem Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus, ein. Der Eintritt ist frei. Gerhard Henke-Bockschatz ist Professor am Seminar für Didaktik der Geschichte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main: „Euthanasie" ist ein Begriff, der tatsächlich nur in Anführungszeichen gesetzt werden kann, der „schöne" oder „gute Tod" bezeichnet die beabsichtigte und systematisch geplante Vernichtung von zehntausenden von Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Henke-Bockschatz, der in engem Kontakt zur Gedenkstätte im nahen Hadamar bei Limburg steht, einer damaligen Tötungsanstalt in der von 1941 bis 1945 14.500 Menschen ermordet worden sind, gibt einen Überblick über die historischen Fakten, aber auch über den Umgang mit diesem Wissen in den Jahren danach bis heute.

Der Arbeitskreis „Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus", in dem unter anderem Schulen, städtische Einrichtungen, Kirchengemeinden, die Kulturkreis GmbH und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis e.V. vertreten sind, will mit seinen Veranstaltungen zum Erinnern und Gedenken beitragen sowie zu Wachsamkeit und persönlichem Engagement aufzurufen.