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Jetzt ist der Picknick-Korb museal geworden

„Picknick-Zeit" heißt die neue Ausstellung im Museum für angewandte Kunst und gibt Aufschlüsse das jahrhundertealte Picknick-Kultur           von Karl-Heinz Stier

10.05.17 || altFRANKFURT ( 09. Mai 2017) - Es ist der Symbolgegenstand für das Speisen in der Natur: der Picknick-Korb. Picknicken gehört zur kulturellen Praxis aller sozialen Schichten, es kann ein verfeinertes Ritual oder auch ebenso wie ungezwungen im Alltag sein. Ob als Ereignis der sich als hochgestellt empfundenen Gesellschaftsschicht mit Livrees oder Lakeien oder der fröhlichen Landpartie: Das Teilen von Speis und Trank verbindet und stiftet Gemeinsamkeiten. Das Picknick ist - so Kuratorin Dr. Charlotte Trümpler sprachlich leicht elitär - „in der Natur von spielerischer Freiheit geprägt, es kann Entspannung und bestenfalls die Überwindung von gesellschaftlichen Unterschieden ermöglichen".

Fotogalerie: Picknickkoffer um 1900; die Macher der Ausstellung(v.l.n.r.): Pressereferentin Dorothee Maas, Direktor Wagner K. und Kuratorin Dr. Trümpler; Picknick bei der Henley Royal Regatta 2016, Zeichnung von Hans Traxler mit dem Titel „Picknick der Queen" von 2016, Edouard Manets Ölgemälde „Das Frühstück im Grünen" von 1863 und der Wäldchestag in Frankfurt, ein Ölgemälde von Heinrich Hasselhorst aus dem Jahre 1870. Fotografen: Ralph Delhees (4), Julian Gerchow (1), Museum für Angewandte Kunst (1).

Mit dem Titel Picknick-Zeit beschäftigt sich erstmals überhaupt eine große Ausstellung auf 1 000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche mit dem Phänomen Picknick. Bis 17.September 2017 folgt die Schau im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt der Faszination des Speisens unter freiem Himmel quer durch verschiedene Zeiten und Kulturkreise. Doch woher kommt eigentlich der Name Picknick?

Der Begriff leitet sich von Pique-nique her (piquer: aufpicken, nique: eine Kleinigkeit), erstmals 1649 nachgewiesen. Es bedeutet, dass sich jeder Gast bei einer Einladung in einem Salon(!) an den Kosten beteiligen sollte. Anfang des 19.Jahrhunderts hat sich das Wort auf eine Mahlzeit im Freien bezogen, bei dem jeder was mitbrachte. Manchmal gehörten auch Tanz und Musik dazu, vor allem in den Regionen Asiens.

Hohe Popularität erreichte das Picknick im 18.Jahrhundert in England. Bis heute ist die Beliebtheit dort ungebrochen und beim berühmten Pferderennen von Ascot, der Henley Royal Regatta oder dem Tennisturnier von Wimbledon wird das Picknick zum gesellschaftlichen Großereignis. In Japan trifft man sich zur Zeit der Kirschblüte zu kunstvoll inszenierten Picknicks, die bis ins 8.Jahrhundert zurückgehen und bei denen Dichtung und Gesang eine große Rolle spielen. Bei den Picknicks im Nahen Osten fühlen sich viele Menschen an ihre nomadischen Wurzeln erinnert, wenn sie im Kreis ihrer Verwandten und Bekannten aus den Städten in die Natur pilgern und im Freien grillen und essen. In Deutschland setzt sich diese Tradition fort, in dem Einwandererfamilien den öffentlichen Raum und die Grünflächen als Grillplätze und Freizeitaktivitäten nutzen. Darüber hinaus blickt die Ausstellung auf historische und zeitgenössische Picknick-Rituale und - objekte in der Schweiz, in Deutschland - so auch auf den traditionellen Wäldchestag in Frankfurt - , nach Frankreich und in den nordischen Ländern, aber auch nach Indien oder in Mexiko. Es werden Picknick-Utensilien wie Picknick-Koffer aus unterschiedlichen Epochen, Picknick-Kugeln, Kocherset oder Thermoskannen und Kuchendosen und ihre Machart und Herkunft gezeigt, zahlreiche Objekte, Installationen, Fotografien, Karikaturen und Filme gezeigt.

Auch auf ungewöhnliche Aspekte der Picknick-Kultur geht die Schau ein, wie etwa auf den Totentag in Mexiko, bei dem mit den Ahnen ein mehrtätiges Fest gefeiert wird, auf den Friedhöfen gepicknickt wird oder dem beim britischen Adel seit den Napoleonischen Kriegen beliebten Zeitvertreib des Picknickens am Rande von Schlachtfeldern.

Ein anspruchsvolles Begleitprogramm aus Vorträgen, Workshops und Diskussionen vertieft einzelne Aspekte, ergänzt durch ein spezielles Filmprogramm. Im nahegelegenen Metzler-Park wird es einen Picknick-Sommer geben. Dort steht auch ein überdimensionales Fondue-Caquelon aus Holz, das Platz zum Picknicken für acht Personen bietet.

Weitere Infos über Telefon 069 - 212 31286 und www.museumangewandtekunst.de

Eintritt: 9 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre 4.50 Euro, Studierende haben freien Eintritt