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Museale Betonmonster oder was steckt hinter diesen Bauten

Deutsche Architekturmuseum zeigt erstmals „brutalistische" Architektur weltweit unter dem Motto „SOS Brutalismus - Rettet die Betonmonster"            von Karl-Heinz Stier

07.11.17 || altFRANKFURT (07. November 2017) - In den 50iger bis 70iger Jahren waren sie die dominierenden Gebäude der Stadtbilder in der Welt. Danach befinden die Beton- Bauwerke, für die im Wesentlichen nur drei Zutaten benötigt wurden: Wasser, Zement sowie ein Gemisch aus Steinen und Sand, auf dem Rückzug. Seit einigen Jahren formieren sich weltweit immer häufiger Kampagnen, die sich für den Erhalt solcher Bauten einsetzen. Auch das Deutsche Architektenmuseum (DAM) in Frankfurt hat sich in diese Kampagne eingeklinkt - sogar federführend mit dem Slogan „SOS Brutalismus - Rettet die Betonmonster" und zusammen mit der Wüstenrot Stiftung in einer gemeinsame Ausstellung einen weltweiten Überblick dieser Architektur gewidmet. Sie geht bis zum 2. April 2018.

altBegrüßung vor Rundgang der Ausstellung von r.n.l.: DAM-Kurator Oliver Elser und Philip Kurz von der Wüstenrot-Stiftung. Foto: Karl-Heinz Stier

Doch- um es gleich vorweg zu sagen - der Begriff Brutalismus hat nichts mit dem Wort „brutal" zu tun, sondern stammt vom französischen Wort „brut" für direkt, roh, herb und ist der französische Ausdruck für Sichtbeton. „Brutalistische Architektur zelebriert das Rohe, die nackte Konstruktion - und ist enorm fotogen", betont Kurator Oliver Elser vom DAM zu Beginn des Rundgangs.

altaltDas linke Bild zeigt  den AFE-Turm  4.23 Minuten vor der Sprengung  am 02. 02.2014 um 11:07:44 Uhr und im rechten Bild die erste Sprengung um11:09.37  Uhr.Foto (2): Screenshot HR-Fernesehen/RMTON-Archiv/rd

Die expressiven Bauten entstanden in einer Zeit der Experimente, des gesellschaftlichen Aufbruchs. Heute droht etlichen der Abriss oder sie wurden schon abgerissen, wie etwa das Historische Museum, das Technische Rathaus oder der AFE-Turm in Frankfurt. „Wir müssen untersuchen, was steckt hinter diesen Bauten", folgert Kurator Elser. Die neue Ausstellung sei die Antwort darauf, dass brutalistische Bauten häufig als hässlich oder technisch veraltet gelten und schneller abgerissen werden als Gebäude aus allgemein akzeptierten Phasen der Architekturgeschichte.

altDer Abriss des Historisches Museum in Frankfurt. Foto: DAM

In ihrer internationalen Bestandaufnahme hat das DAM über 1.000 Bauten aufgelistet. Einen Ausschnitt davon liefert die Ausstellung in 12 Regionen der Welt, ergänzt mit ungewöhnlich großen Modellen und Betongüssen, die an der Technischen Universität Kaiserslautern dafür gebaut wurden, und die den Brutalismus neu bewerten sollen.

altWohnblock in Marseille von Le Corbusier. Foto: DAM

Die Ausstellung beginnt mit dem Vorreiter des Brutalismus - dem Architekten Le Corbusier. Alle seine Bauelemente, bis hin zu den Waschbecken, wird von damaligen Zeitgenossen als „neue Ethik" in der Architektur, eine Ästhetik, ein Stil, eine Modewelle bezeichnet. In den anschließenden Regionen-Abteilen der Exposition sind Bauten aus Japan, Brasilien, dem ehemaligen Jugoslawien, Israel und Großbritannien zu sehen. Asien ist eines der wenigen Länder, in denen der Brutalismus nie angekommen ist. Die anti-individualistische Kulturrevolution gab der Bewegung keine Chance.

altKirche Saint Nikolas. Foto: DAM/Alan Aubry

Im Gegensatz zu den negativen Reaktionen, die viele Bauten zum Zeitpunkt ihrer Entstehung ausgelöst haben, stießen die Kirchenbauten jener Jahre häufig auf positive Resonanz. Ihre Kargheit ist oft als Kommentar zu den Konsumwellen der Wiederaufbaujahre zu verstehen. Bisweilen stehen sie auch in Kontrast zu den wenig anspruchsvollen Siedlungsbauen ihrer Nachbarschaft.

Die Öffnungszeiten im DAM-Museum am Schaumainkai 43 sind Di, Do - So von 11-18 Uhr; MI 11-20 Uhr, Mo geschlossen. Weitere Infos unter www.dam-online.de