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Ausstellung „Jil Sander. Präsens" - zog bisher über 100.000 Besucher an

Wagner K: „Jil Sanders Purismus hat nicht nur die Mode, sondern unsere Vorstellungen von Schönheit und Identität verändert" - Einzigartige Ausstellung nur noch bis 6. Mai           von Ralph Delhees

25.04.18 || altaltFRANKFURT (24. April 2018) - „Jil Sander. Präsens", die seit dem November vergangenen Jahres laufende Ausstellung im Museum Angewandte Kunst (MAK) , ist eine Hommage an das Lebenswerk von Jil Sander in der das Schaffen der Modemacherin aus Hamburg gezeigt wird. Sie gehört zu den einflussreichsten Modedesigner/innen ihrer Generation. Der Direktor des MAK, Matthias Wagner K, hatte vor einigen Jahren die Idee mit und über Jil Sander eine Ausstellung zu kuratieren und dies ist ihm gelungen. Er konnte Jil Sander begeistern und mit ins Boot holen. Daraus ist mit „Jil Sander. Präsens", weltweit die erste Ausstellung erstanden, die sich dem Werk der großen deutschen Modedesignerin widmet. Die Ausstellung am Frankfurter Museumsufer geht in ihre Endphase, noch bis zum 6. Mai ist sie geöffnet. Neben den normalen Öffnungszeiten des MAK kan am Samstag,  5. Mai,  die Ausstellung im Rahmen der „Nacht der Museen" bis 2 Uhr besucht werden. Am letzten Ausstellungstag werden um 11, 14 und 15 Uhr öffentliche Führungen angeboten.

altNur kurze Augenblicke, fast Menschenscheu, kam Jil Sander zu einem Fototermin anlässlich der Ausstellungseröffnung mit Museumsdirektor Matthias Wagner K, der auch Kurator der Ausstellung ist

Direktor Matthias Wagner K hat es sich sicherlich nicht Träumen lassen, dass die Ausstellung bis dato über 100.000 Besucherinnen und Besucher zählte und damit die die bislang erfolgreichste des Museums ist. Kurator Matthias Wagner K sieht dies ganz pragmatisch: „Jil Sanders Purismus hat nicht nur die Mode, sondern unsere Vorstellungen von Schönheit und Identität verändert. Der Erfolg der Ausstellung, gerade auch beim jungen Publikum, macht deutlich, dass ihr Werk bis heute nichts an Aktualität verloren hat".

altDie Ausstellung zeigt die verschiedenen Arbeitsvorgänge, dabei auch den Laufsteg (oberes Bild) und Mode als Kunst und in der Fotografie

„Jil Sander. Präsens" zeigt in raumgreifenden multimedialen Installationen und Tableaus die Auswirkungen von Jil Sanders Gestaltungshaltung auf Ästhetik, Material und Form von Mode- und Produktdesign, Architektur und Gartenkunst. Die Schau, ist keine retrospektive Übersichtsausstellung, sondern ein neues, aktuelles Gesamtwerk, das durch Jil Sanders Präsenz zum ästhetischen Ereignis wird. Sie bespielt das gesamte Museumsgebäude auf rund 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

Zeitströme und Veränderungen erspürt und umgesetzt


Die Präsentation im MAK - an der Jil Sander bis kurz vor der Ausstellungseröffnung im November 2017 selbst Handanlegte - die facettenreicher kaum sein könnte, macht den Erfindungsreichtum und die kreative Kraft einer Gestalterin sichtbar, der es darum geht, die Persönlichkeit eines Menschen hervorzuheben.

Das Atelier

Jil Sanders Bedeutung als Modedesignerin beruht auf der außerordentlichen Sensibilität, mit der sie Zeitströmungen und Veränderungen in der Gesellschaft erspürte und daraus neue, moderne Formen entwickelte. Ihr Purismus veränderte die Vorstellungen von Schönheit und Identität. Ihre Gestaltungsprinzipien - Harmonie der Proportionen, durchdachte Dreidimensionalität der Entwürfe, Understatement und dynamische Eleganz - blieben immer dieselben, und fanden doch in jeder Kollektion einen neuen Ausdruck.

Ausstellung gliedert sich in elf Bereiche


altAccessoires, wie z.B. Hanttaschen oder auch Schuhe und die Vielfalt an Kosmetika gehören auch zu den Ausstellungdetails

In der Vorbereitung der Ausstellung hat sich Jil Sander erstmals der Vergangenheit zugewendet. Das ist für sie, deren Interesse immer dem galt, was noch kommt, eine neue Erfahrung. Das Ergebnis von mehr als anderthalb Jahren intensiver Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten einer Ausstellung zeigt sich im Zusammenwirken von Architektur, Farbe, Licht, Film, Klang, Text, Fotografie, Mode und Kunst in dynamischen Raumkompositionen. Entstanden ist keine retrospektive Übersichtsausstellung, sondern ein neues, aktuelles Gesamtwerk, das durch Jil Sanders Präsenz zum ästhetischen Ereignis wird.

Thematisch gliedert sich Ausstellung in die Bereiche Laufsteg, Backstage, Atelier, Modekollektionen, Accessoires, Kosmetik, Modefotografie und Kampagnen, Mode und Kunst, Architektur und Gartenkunst.

Talk und erfolgreiche Projekttage mit Schülern rund um das Thema "Mode"


Rund um die Ausstellung „Jil Sander. Präsens", zu der spezielle Führungen bisher einluden, gab es auch ein Rahmenprogramm. Unter anderem fand im März ein Gespräch Michel Friedmans mit der Literaturwissenschaftlerin und Autorin Barbara Vinken über Ästhetik statt. Insbesondere ging es um Ästhetik als Spiegelbild zwischen Mensch und Mode und deren Präsentation.

altSehr intensiv beschäftigte sich Jil Sander auch mit Architektur, Licht und Landschaft, wie unsere Collage zeigt

Sehr gut angenommen wurde der Mitte April stattgefundene zweiteilige Projekttag Making of ... Fashion", der vielfältige Einblicke in die Welt der Mode gewährt und Besucher und Akteure aus dem Modebereich zusammenbrachte und bei dem gesellschaftliche Bedingungen und Auswirkungen von Mode reflektiert wurden.

Der erste Teil mit „Create Fashion" richtete sich an Jugendliche und begann mit einer Kurzführungen durch die Ausstellung „Jil Sander. Präsens" . Hier wurde besonders daraufhinwiesen wie eine Modekollektion entsteht, was Designer inspiriert oder wie eine Marke aufgebaut wird. Danach verrieten verschiedene Kreative in einer Talkrunde, wie man Mode gekonnt in Szene setzt, gaben Einblicke in ihren beruflichen Alltag und stellen sich den Fragen. Im Anschluss wurden mit Modenschau und Ausstellung die Ergebnisse der Schulprojekte Create Fashion und Auf Tuchfühlung präsentiert, in denen Schüler in den vergangenen Monaten unter professioneller Anleitung im Museum eigene Kollektionen und Lookbooks erstellt hatten.

altEine der eigenen Kollektionen aus dem Schulprojekt zeigt hie eine der Schülerrinnen beim Projekttag „Making ... of Fashion", es trägt den Titel „ Frisch Beutel.Foto: MAKl Christopf Klutsch

„Fashion Talks: Power Dressing. Mode und Macht" hieß es im zweiten Teil in der die Konferenzreihe in dem der weibliche Dresscode in der Berufswelt betrachtet wurde. Zunächst zeichnete Diana Weis in einer multimedialen Lecture die Geschichte des Power Dressing nach - inklusive Reformsäcken, Schulterpolster-Exzessen und Zehen-Dekolletés. Anschließend diskutierten Mahret Kupka und Florian Müller über Power Cross Dressing. Christiane Frohmann zeigte in ihrem Vortrag auf, wie Jil Sander den Look von Frauen in Machtpositionen beeinflusst hat, hinterfragt, ob Mode tatsächlich zum Akt der Emanzipation werden kann und wie Empowerment im Zeitalter der Digitalisierung aussieht. Anschließend sprachen Diana Weis und Eckhart Nickel über Mode zwischen Zwang und Haltung, bevor in der Abschlussdiskussion alle Gäste des Abends mit dem Publikum ins Gespräch kamen.

Das Buch zur Ausstellung und weitere Besucherinformationen


Im Prestel-Verlag erscheint zur Ausstellung ein hochwertiges Buch mit Texten von Matthias Wagner K und Ingeborg Harms, gestaltet von Jasmin Kress. Die 263-seitige Publikation ist im Buchhandel für 49 Euro erhältlich. An der Museumskasse kostet sie 39 Euro.

Kurator der Ausstellung „Jil Sander. Präsens" ist der Direktor des MAK, Matthias Wagner K, in Zusammenarbeit mit Jil Sander.

Ort der Ausstellung: Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main

Information unter Telefon +49 69 212 31286, Fax +49 69 212 30703 und www.museumangewandtekunst.de

Öffnungszeiten Di, Do - So 10 - 18 Uhr, Mi 10 - 20 Uhr

Eintritt, 12 Euro, ermäßigt 6 Euro Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Studierende der Goethe - Universität und der Städelschule frei

Die Veränderung der Gesellschaft gespürt

Was man über Jil Sander und ihr Lebenswerk wissen sollte - Zusammengestellt vom Museum Angewandte Kunst anlässlich der Ausstellung „Jil Sander. Präsens"


Jil Sander, mit bürgerlichem Namen Heidemarie Jiline Sander, wird am 27. November 1943 im schleswig-holsteinischen Wesselburen geboren. Nach der Mittleren Reife beginnt sie ein Textilingenieur-Studium an der Staatlichen Ingenieurschule für Textilwesen in Krefeld. 1964 geht sie als Austauschstudentin nach Los Angeles, um 1965 nach Hamburg zurückzukehren und als Moderedakteurin für verschiedene Frauenzeitschriften zu arbeiten.

Was sie sieht, entspricht nicht ihren Vorstellungen von Mode und auch nicht dem, was sie seismografisch an ästhetischen Erwartungen in einer sich verändernden Gesellschaft erspürt. So beginnt sie selbst Mode zu entwerfen und präsentiert diese von dezenter Farbigkeit und formaler Strenge geprägten Kreationen erstmals 1973 in ihrem fünf Jahre zuvor eröffneten Prêt-à-porter-Geschäft im Hamburger Stadtteil Pöseldorf. Mit Jil Sander Woman Pure und Jil Sander Man Pure überträgt die Designerin 1979 ihre Ästhetik erstmals auf die Parfumgestaltung und entwickelt ihre eigenen Duft- und Pflegeprodukte. Die Düfte werden zu Klassikern, allen voran der zehn Jahre später lancierte Duft Jil Sander Sun.

Inspiration zur Neuen Sachlichkeit


Jil Sander beruft sich, durchaus in Spannung zu Paris, auf ihre eigene, deutsche Kultur. Nicht nur die Bauhaus-Philosophie der aufgeklärten Serialität und Prototyp-Kunst, der Transparenz, der schnell begreiflichen Struktur, der avantgardistischen Handwerkskunst und Teamarbeit fließt in ihr OEuvre ein. Auch frühere, dem protestantischen Norden abgewonnene Tugenden reflektieren sich darin. Was Goethe in Unterscheidung von einfacher Nachahmung und Manierismus als „Stil" bezeichnete, kehrt in Jil Sanders Konzept des Purismus zurück. In ihrer Kampagnenfotografie ist sie von der Modernität der Neuen Sachlichkeit inspiriert.

altMit ihrem Willen zur Gestaltung entfaltet sie eine erfinderische Begabung, die über neue Schnitt-, Web-, Verarbeitungs- und Fertigungstechniken zu einer neuen Formensprache in der Mode führt. Sie tritt als Reformerin an, unbeeindruckt von Modediktaten und den Zwängen von Prêt-à-porter und Couture. Stets ist es das Material, dem ihre ganze Aufmerksamkeit gilt. Jil Sander widmet sich intensiv der Stoffrecherche, importiert avantgardistische Hightech-Gewebe aus Japan und arbeitet mit italienischen Produzenten an der Entwicklung von neuen Stoffen mit skulpturaler Formbarkeit. Was es an Materialien und Handwerkstechniken in Europa nicht gibt, muss erst erfunden werden oder wird an manchmal weit entfernten Orten in der Welt aufgespürt. Seit den 1980er Jahren präsentiert Jil Sander ihre Kollektionen zweimal im Jahr auf der Mailänder Modewoche (Milan Fashion Week). Überaus erfolgreich, wandelt sie 1989 ihre GmbH in eine Aktiengesellschaft um und führt ihr Unternehmen an die Frankfurter Börse.

„Wer JIL SANDER trägt", so sagt sie einmal selbst, „ist nicht modisch, sondern modern"


Jil Sander eröffnet den Frauen die Möglichkeit, sich vom Dekorativen zu befreien. Opulenz findet bei ihr in der Dreidimensionalität der Schnitte, im ausgesucht erlesenen Handwerk und im Material statt. Das Äußere aber bleibt puristisch. Für Männer hält sie ab 1997 eine Mode bereit, die mit innovativen Stoffen und völlig neuen Schneiderkonstruktionen der Rosshaar- und Canvas-Einlagen die natürliche Figur betont. „Wer JIL SANDER trägt", so sagt sie einmal selbst, „ist nicht modisch, sondern modern".
Eine international erfolgreiche Luxusmarke braucht ein starkes Team. Immer wieder gelingt es ihr, andere für ihre Gestaltungsvorstellungen zu begeistern. Früh arbeitet sie mit Jürgen Scholz und seiner Agentur Scholz & Friends zusammen, mit Peter Schmidt entwickelt sie neben Flakons ihr ikonisches Markenlogo.

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altAlle Fotos incl. der  Collagen  und Schriftreproduktionen (3 ): © Ralph Delhees

Die in der Mode so wichtige Kampagnenfotografie verwirklicht sie mit Fotografen wie Peter Lindbergh und Irving Penn, David Sims, Nick Knight, Craig McDean, Mario Sorrenti und Jean-François Lepage. Für ihre Defilees engagiert sie ab Herbst 1991 den französischen Komponisten und Klangkünstler Frédéric Sanchez, in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Architekten Michael Gabellini baut sie 1993 an der Pariser Avenue Montaigne Nummer 50 mit bisher nicht gekanntem Aufwand ihren ersten

1.000 Quadratmeter großen Flagship-Store, der für die ganze Branche zukunftsweisend ist. Es folgen Niederlassungen in großen Städten wie New York, Paris, London und Tokio. Mit den Shop-in-Shops werden es mehr als hundert weltweit.

Nach dem Übergang ihrer Marke an das italienische Unternehmen Prada schreibt Jil Sander mit ihren +J-Kollektionen für die weltweit agierende japanische Bekleidungskette Uniqlo abermals Geschichte. Das Motto ihrer Linie heißt „Luxury in simplicity, purity in design, beauty and comfort for all". Mit ihrer federleichten Daunenverarbeitung stößt sie einen Trend an.

2012 kehrt Jil Sander erneut als Kreativdirektorin zu der gleichnamigen Marke zurück, eine Position, die sie zwei Jahre darauf aus privaten Gründen aufgibt. Inzwischen befindet sich JIL SANDER im Besitz der japanischen Firma Onward Holdings Co. Ltd.