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„Rubens. Kraft der Verwandlung“

Ein großes künstlerisches Talent im Städel - Sonderausstellung zeigt noch bis zum 3. Juni „Rubens. Kraft der Verwandlung" - Der Barockmaler zog bisher über 120.000 Besucher an           von Karl-Heinz Stier und Ralph Delhees

21.05.18 || altaltFRANKFURT (21. Mai 2018) - Die Rubens-Ausstellung lockt derzeit Besucher aus allen Kontinenten nach Frankfurt, seit der Eröffnung am 8. Februar haben über 120.000 Besucher die einzigartige Sonderausstellung im Städel Museum besucht. Nun besteht die letzte Möglichkeit, nach Verlängerung, die Werke des Malers mit flämischer Herkunft, der auch Diplomat der spanisch-habsburgischen Krone war, noch bis 3. Juni zu sehen. Die Ausstellung unter dem Titel „Rubens. Kraft der Verwandlung" beleuchtet die kreative Schaffenskraft des weltbekannten Maler Peter Paul Rubens der am 26. Juni 1577 in Siegen geboren wurde und am 30. Mai 1640 in Antwerpen in Belgien starb. Sein großes künstlerisches Talent machte ihn bereits zu Lebzeiten zum Star. Aufgrund der hohen Besucherzahl und dem anhaltenden Interesse am Vermittlungsangebot, mit Führungen, Vorträgen und Kursen, verlängert das Städel Museum seine erfolgreiche Schau.

Das rechts Bild zeigt Peter Paul Rubens - Selbstportrait ca, 1638 - Öl auf Leinwand - Leihgabe aus dem Kunsthistorischen Museum, Gemäldegalerie Wien

"Ecco Homo"  - wohl mit eines der bekanntesten Bilder, es ziert auch das Cover des Ausstellungskataloges -  entstanden nicht später als 1612 - Öl auf Holz - Leihgabe aus dem Hermitage Museum, Sankt Petersburg

„Die Idee, Rubens‘ kreativen Umgang mit seinen Vorgängern in all seiner Bandbreite und über alle Gattungen hinweg erstmalig in einer groß angelegten Sonderausstellung zu thematisieren, ist voll aufgegangen. Über das besondere Interesse sowie die durchweg positive Resonanz bei Besuchern und in Fachkreisen freuen wir uns sehr", sagt Städel Direktor Philipp Demandt.

Demandt: „Die Genialität eines außergewöhnlichen Künstlers wird in all seinen Facetten präsentiert"


Wenn der Maler Peter Paul Rubens erwähnt wird, denkt man zunächst an seine Bilder und Skulpturen von üppigen Frauen („Rubens-Figuren") und an seine vor Muskeln strotzenden Mannsbilder oder an die leidenden Christusfiguren. Derlei Ausstellungen hat es allerdings schon viele gegeben. Das Frankfurter Städel Museum arbeitete erstmals in einer großen Sonderausstellung unter dem Titel „Rubens. Kraft der Verwandlung" den bisher nur wenig beachteten Aspekt im Schaffensprozess des weltbekannten Meisters  heraus. Sie will anhand von etwa 100 Arbeiten - darunter 31 Gemälde und 23 Zeichnungen - zeigen, wie tief Rubens in den Dialog mit Kunstwerken berühmter Vorgänger und Zeitgenommen eintrat und wie dies sein fünfzigjähriges Schaffen prägte. In der Ausstellung werden die Einflüsse antiker Skulpturen ebenso deutlich wie jene späterer Kunst aus Italien und nördlich der Alpen, von den Meistern des ausgehenden 15. Jahrhunderts bis zu seinen Zeitgenossen.

Städel-Direktor Philipp Demandt (rechts) und Kurator Jochen Sander präsentierten die Rubens-Sonderausstellung, die jetzt um zwei Wochen bis zum 3. Juni verlängert wurde

„Mit dieser groß angelegten Ausstellung können wir dem Publikum die Genialität eines außergewöhnlichen Künstlers in all seinen Facetten präsentieren", betonte Städeldirektor Philipp Demandt. Und Jochen Sander, der Kurator der Ausstellung und stellvertretender Städel-Direktor meint: „ Wir haben Rubens über die Schulter geguckt und nicht nur festgestellt, dass er zahlreiche nachfolgende Künstlergenerationen beeinflusste, sondern auch selbst verschiedene Quellen für seine Bilderfindungen in sich förmlich einsaugte. In unserer Ausstellung kann man diesen kreativen und schöpferischen Prozess direkt nachvollziehen."

altVenus Frigida - Öl auf Holz - 1614  - © Königliches Museum der Schönen Künste Antwerpen/www.lukasweb.be - Art in Flanders vzw

Wie aus einer Antikenfigur ein leidender Christus wurde


Beim Rundgang durch die Ausstellung wird gleich zu Beginn Rubens‘ kreativer Arbeitsprozess anhand seiner Darstellung Christi als Ecce homo (um 1620) deutlich. Mittels dreier Exponate wird die metamorphische Verwandlung der antiken Skulptur eines Kentauren zu dem einer Zuschauermenge vorgeführten Christus veranschaulicht. Von der antiken Skulptur fertigte Rubens zunächst mehrere Zeichnungen an, die er anschließend in dem Gemälde weiterentwickelte. In einer Neubestimmung verwandelte er das antike Vorbild als ungezügelten, animalischen Kentauren in eine Darstellung des leidenden Christus. „Mit Rückgriff auf die Antike wird der Leib Christi so auf überraschende Weise inszeniert und mit seinem athletisch gebildeten Oberkörper regelrecht zur Schau gestellt", so der Kurator.

Ein weiteres Beispiel ist die antike römische Skulptur einer kauernden Venus, die sich auf ein Bad vorbereitet. Rubens verwandelt sie mit identischer Haltung, aber einem völlig anderem Gemütszustand nicht nur in eine frierende Venus, die Venus Frigida (1614), sondern auch in die ihren toten Geliebten Adonis beklagende Liebesgöttin (Venus um Adonis trauernd, um 1614).

"Das Urtel des Paris" - Öl auf Leinwand - ca.1639 - Museo  Nacional del Prado, Madrid. Fotos (5): Ralph Delhees

Rubens war Ideengeber, der Bildideen erfindet


Es gibt noch mehr Beispiele, in der mittels des direkten Vergleichs von Vorbildern und Rubens-Werken die Ausstellung einen faszinierenden Einblick in die Arbeits- und Denkweise des Künstlers gewährt, in seine geistreichen Bildgenesen und überraschenden Motivverwandlungen, aber auch in sein Ringen um das richtige Format und die rechte Form. Seine Schöpfungen sind oft modern anmutende dynamische Erscheinungen. „Bei seinen Techniken ging es nicht um ein simples Kopieren, sondern darum, die Vorbilder wirklich zu studieren, geistig zu erfassen und damit etwas vollkommen Neues, Anderes und Eigenes zu machen. Sei Name war eine Marke".

Er war Ideengeber, der Bildideen erfindet. Ausgeführt wurden diese dann oft durch Mitarbeiter. „Rubens hat mit einigen Pinselstrichen noch den letzten Schliff gegeben", erläutert der Kurator. Alles was aus seiner Werkstatt in Antwerpen kam, war autorisiert. Werke für hochkarätige Auftraggeber hat er eigenhändig ausgeführt. „Er selbst war ein grandioser Maler und hat auch Werke nur für sich gemalt, die zu seinen Lebzeiten nie verkauft wurden.

Die Sonderausstellung des Städel ist eine Kooperation zwischen dem Städel Museum und dem Kunsthistorischen Museum in Wien, aus dessen umfassenden Rubens-Beständen alleine fünf Werke nach Frankfurt reisten. Auch Rubens-Werke aus dem Städel sind in die Ausstellung eingebunden, darunter die Ölskizze „Die Mystische Vermählung der heiligen Katharina (ca. 1628). Die meisten Gemälde kommen von Leihgebern aus aller Welt, wie das Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Antwerpen, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, aus Museen in Florenz, Jerusalem, London, Los Angeles, Madrid, New York St. Petersburg und Washington.

Die Ausstellung ist DI, Mi, Sa, So und Feiertage von 10 bis 18 Uhr, Do und Fr von 10 bis 21 geöffnet, montags geschlossen Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Kartenvorverkauf unter tickets.staedelmuseum.de.

Städel dankt den Leihgebern


Alle Leihgeber der Rubens-Werke - darunter viele bedeutende Museen aus aller Welt (wie bereits erwähnt)  - haben der zweiwöchigen Verlängerung der Ausstellung kurzfristig zugestimmt.

„Es zeigt die besondere Wertschätzung unserer Arbeit, dass alle wichtigen Museen genehmigt haben, großartige Rubens-Hauptwerke aus ihren Sammlungen zwei Wochen länger an das Städel auszuleihen. So haben noch mehr Besucher die einzigartige Gelegenheit in Frankfurt, Rubens‘ spannenden Schaffensprozess anhand vieler großer Meisterwerke nachzuvollziehen.

Wir danken allen Leihgebern und unserem Kooperationspartner, dem Kunsthistorischen Museum in Wien, dem wir alleine fünf ihrer Rubens-Werke in der Schau verdanken", so Jochen Sander, stellvertretender Direktor und Kurator der Ausstellung.

Das umfassende Begleitprogramm mit täglich zwei Überblicksführungen ist im Kalender auf www.staedelmuseum.de einsehbar.
Das umfangreiche Rahmenprogramm ist ebenfalls unter www.staedelmuseum.de abrufbar