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Kunst & KulturAusstellungen › Historisches Museum: 100 Jahre Kampf um Frauenrechte

Historisches Museum: 100 Jahre Kampf um Frauenrechte

Die Novemberrevolution 1918 machte den Weg frei für die politische Gleichstellung von Frauen und Männern - Ausstellung zu Frauenwahlrecht nur noch bis 20. Januar           von Karl-Heinz Stier

10.01.19 || altFRANKFURT (10. Januar 2019) - Am 19.Januar 1919 war es soweit! Frauen konnten in Deutschland zum ersten Mal wählen und sich wählen lassen. Kurz nach dem Ende des ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Wilhelminischen Kaiserreichs hatte der Beschluss des Rates der Volksbeauftragten am 12.November 1918 die volle Beteiligung von Frauen am politischen Leben durchgesetzt. Alle Frauen und Männer ab 20 Jahren konnten nun durch gleiche geheime und direkte Wahl ihre Politiker/Innen in die Weimarer Nationalversammlung wählen.

1. Begleitbuch zur Ausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht"

„Wenn wir nun das Jubiläum des Frauenwahlrechtes feiern, schauen wir stolz zurück auf das, was sich Frauen seitdem erkämpft haben. Aber wir schauen auch nach vorn. Heute streiten wir für die gleiche Teilhabe von Frauen in der Politik und Wirtschaft, um für gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit zu streiten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um die Aufwertung der sozialen Berufe und um den Schutz vor Gewalt", so Dr. Franziska Giffrey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und zugleich Schirmherrn der Ausstellung bei der Eröffnung am 28. August 2018 im Sonnemann-Saal des Historischen Museum. Die einzigartige Ausstellung, die bundesweit viel Beachtung fand geht am 20. Januar zu Ende.

Jubiläumsausstellung macht erstmals Aufmerksamkeit auf die Frauen, die das Frauenwahlrecht in der Weimarer Republik durchsetzten


Mit der Novemberrevolution wurde in Deutschland der Weg frei für die Demokratie und für die politische Gleichstellung von Frauen und Männern. 1918 und 1919 sind somit Jahre, deren Erinnerung und Würdigung lohnt - so Museumsdirektor Jan Gerchow. Das Historische Museum lenkt mit der großen, ganz Deutschland in den Blick nehmenden Jubiläumsausstellung erstmals die Aufmerksamkeit auf die Frauen, die zur Entstehung der Weimarer Republik und zur Einführung des Frauenwahlrechtes in Deutschland beitrugen.

Auf rund 900 Quadratmetern werden die historischen Ereignisse und die mit ihnen verbundenen Protagonisten von der Jahrhundertwende an über die Jubiläumsjahre 1918/19 bis in die Weimarer Republik hinein präsentiert.

2. Pressekonferenz im Historischen Museum (v.l.n.r.): Museumsdirektor Jan Gerchow, Dezernentin Rosemarie Heilig, Gabriele Werner, Frauenbeauftragte der Stadt Frankfurt und Dorothea Linnemann, Kuratorin der Ausstellung. Fotos : Karl-Heinz Stier

„Insgesamt 450 Objekte, Bilder und Exponate zeigt die Ausstellung in fünf Themenschwerpunkte gegliedert, so der Frauenalltag und -bilder im Kaiserreich (es gab damals um 1900 quasi wissenschaftliche Abhandlungen „über den physiologischen Schwachsinn des Weibes"), die erste Deutsche Frauenbewegung und ihre Forderungen, die Frauenbewegung im Ersten Weltkrieg und in der Revolution, Erste freie Wahlen der Weimarer Republik 1919 und die Politikerinnen der Nationalversammlung sowie ein Ausblick auf Frauenpolitik und Frauenrechte in der Weimarer Zeit („Aufruf an die Frauen Frankfurts gegen das Anwesen der Animierkneipen und Bars vorzugehen").

Gleichberechtigung in Bildung, Arbeit, sexuelle Selbstbestimmung und politischer Teilhabe waren zentrale Forderungen der Frauenbewegung. Teilweise sind sie heute noch aktuell.

Zerstörung der Frauenbewegung in der NS-Zeit - Gleichberechtigung wurde ins Grundgesetz aufgenommen durch vier Frauen


Zwei Ausblicke thematisieren die abrupte und massive Zerstörung der Frauenbewegung im Nationalsozialismus. In der NS-Zeit war das passive Wahlrecht für Frauen praktisch abgeschafft, die Mehrzahl der Politikerinnen und Frauenrechtlerinnen wurden verfolgt, ins Exil gezwungen oder ermordet, viele Vereine der Deutschen Frauenbewegung als staatsfeindliche Institutionen aufgelöst.

3. Frauenarbeit um 1900: Spulenentwicklerei in Frankfurt (Ausstellungsfoto)

Den jüngsten zeitlichen Ausblick bietet die Zeit nach 1945 und die Schaffung des Grundgesetzes 1949 mit der Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Helene Weber, Elisabeth Selbert, Frieda Nadig und Helene Wessel waren die vier „Mütter des Grundgesetzes" und erreichten durch ihr Engagement die Aufnahme der Gleichberechtigung von Mann und Frau in das Grundgesetz. Auch die sozialistische Frauenbewegung in der DDR begründete sich wieder. Die Forderung nach, die Diskussion um sowie die Umsetzung von Frauenrechten und Gleichberechtigung setzt sich in Deutschland bis heute fort (Gleicher Lohn für Mann und Frau, Verschiebung auf soziale Berufe und die mangelnde Präsens von Frauen in Führungspositionen). „Wir sind noch lange nicht am Ziel, Frankfurt bleibt ein Ort feministischer Bewegung", sagte die Dezernentin für Frauen und Umwelt, Rosemarie Heilig.

In der Ausstellung wird mit einer Vielzahl von Audio - und Filmquellen gearbeitet, um den Zeitzeugen, ihren politischen Reden, Diskussionen und Positionen Stimmen und Gesichter zu geben. Ein vielfältiges Begleitprogramm mit Filmen, Diskussionsveranstaltungen und künstlerischen und partizipativen Projekten wird ebenfalls zur Diskussion anregen.

Zur Ausstellung ist ein reich bebildertes Begleitbuch mit 25 Essays renommierter Expertinnen erschienen. Kosten 30 Euro. Außerdem gibt es Unterrichtsbegleithefte für den Schulunterricht. Die Ausstellung endet am 20.Januar 2019.
Nähere Infos: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. oder Telefon: 069 - 212 35599