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Eine Genderfrage? - „G*tt w/m/d - Geschlechtervielfalt seit biblischen Zeiten“

Mit einer Sonderausstellung ist das Bibelhaus ErlebnisMuseum von der Antike bis in die Gegenwart  auf Spurensuche gegangen           von Ralph Delhees

22.06.21 || FRANKFURT (22.Juni 2021) - Welches Geschlecht hat Gott? Ist Gott weiblich, oder männlich, oder doch etwa ganz anders? Was sagt die Archäologie? Was sagt die Bibel? Die heute vorgestellte Sonderausstellung "G*tt w/m/d - Geschlechtervielfalt seit biblischen Zeiten" im Frankfurter Bibelhaus Erlebnis Museum greift diese Fragen mit rund 80 Exponaten, Interviews und multimedialen Elementen auf. Es geht um archäologische Erkenntnisse aus dem Heiligen Land, Gottesebenbildlichkeit und die Einheit in der Vielfalt. Die Ausstellung, die bis 19. Dezember terminiert ist, wurde mit einem Livestream auf YouTube eröffnet. Die virtuelle Eröffnung lässt sich unter folgendem Link verfolgen: https://youtu.be/03j5lXPRPf8. Schirmherrin der Sonderausstellung ist Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst.

"Die 'Genderfrage' ist nichts Neues", erklärt Museumsdirektor Veit Dinkelaker. „Ein unverstellter Blick in die Bibel offenbart: Auch dort ist Geschlechtervielfalt zu finden." Es sei eine große biblische Vision, dass die Unterschiede aufgehoben sein werden. Das lasse sich in der Ausstellung in Archäologie, Buchkunst und Bibeltext wiederentdecken.

„Ist Gott ein alter weißer Mann mit Rauschebart?"


In einem Grußwort betont die Schirmherrin der Sonderausstellung, Angela Dorn - Ministerin fürWissenschaft und Kunst -, dass die drei Buchstaben „m, w, d" uns immer öfter im Alltag begegnen. Die Erkenntnis, dass die Geschlechter nicht nur binär verteilt sind, dass es viele weitere geschlechtliche Identitäten gibt, macht unsere Gesellschaft offener und vielfältiger. Und auch wer die Bibel aufschlägt, stellt sich die Frage: Ist Gott ein alter weißer Mann mit Rauschebart - das zumindest zeigen viele Ergebnisse bei einer Google-Bildersuche -, „a girl", wie die Bands Groove Coverage und Nightcore singen, „a woman", wie Ariana Grande behauptet? Nichts von dem? Oder alles zusammen? Dem wird die Ausstellung nachgehen."

Ausstellung ist in drei Abschnitte gegliedert


In drei Abschnitten lädt die Ausstellung ein, sich auf eine Spurensuche vom Altertum bis in die Gegenwart zu begeben. Der erste Abschnitt zeigt mit Leihgaben aus internationalen archäologischen Sammlungen die Vielfalt der Gottes- und Menschenbilder seit vorgeschichtlicher Zeit.

Im zweiten Abschnitt sind zum Thema „G*ttes Ebenbild: männlich und weiblich" antike Vorstellungen von einem androgynen Adam, verborgene Spuren auch in Judentum und Islam bis hin zu christlichen Hermaphroditen in der Buchkunst zu entdecken. Der dritte Abschnitt lenkt den Blick unter dem Motto „G*ttes Ziel: Einheit in Vielfalt" mit Interviews und spielerischen Elementen auf die Vielfalt der Geschlechtlichkeit in der Gegenwart.

Zu den archäologischen Objekten gehört zum Beispiel eine sogenannte Pfeilerfigurine aus Tel Lakhish, einer Grabungsstätte südöstlich von Jerusalem. Die Leihgabe der israelischen Antikenbehörde (IAA) entstammt der Eisenzeit. Diese Keramikfigurinen gelten in der Forschung oft als Darstellungen der Göttin Aschera, die als Gottheit der Fruchtbarkeit verehrt wurde.

Den „neuen Adam" als doppelgeschlechtliches Wesen überliefert eine Illustration aus der mittelalterlichen Handschrift „Splendor solis" von 1440. Sie ist ein Sinnbild für den Prozess der Vollendung. In die Gegenwart führt die Kunstfigur Conchita Wurst alias Tom Neuwirth. Zu sehen ist eine Holzskulptur des Künstlers Gerhard Goder, die im Stil einer Heiligenfigur eine schlanke Gestalt im Gewand auf einer Mondsichel zeigt.

Dorn: Herangehensweise zeichnet das Bibelhaus ErlebnisMuseum aus


Zum Schluss ihres Grußwortes betont Schirmherrin Angela Dorn was alle Ausstellungsbesucher nachempfinden werden: „Sie sehen: Die Ausstellung stellt uns viele Fragen und fordert uns heraus, vermeintliche Klarheiten neu zu prüfen. Diese Herangehensweise zeichnet das Bibelhaus ErlebnisMuseum aus - und sie macht es zukunftsfähig, weil es Fragen unserer modernen Gesellschaft in die Museumsarbeit trägt."

Die Kuratoren der Ausstellung


Kuratoren der Ausstellung „G*tt w/m/d - Geschlechtervielfalt seit biblischen Zeiten" sind Museumsdirektor Veit Dinkelaker und der Archäologe und Theologe Dr. Martin Peilstöcker. Beide sind auch Herausgeber des gleichnamigen Katalogs. Veit Dinkelaker ist seit Anfang des Jahres Museumsdirektor des Bibelhaus und Vorstand der Frankfurter Bibelgesellschaft e.V. Im Bibelhaus ist der Diplomtheologe und ordinierte Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau seit 2009 als Theologischer Referent für Religionspädagogik.

Dr. Martin Peilstöcker, der seit 2009 im Bibelhaus tätig ist, ist für die konservatorische Betreuung der archäologischen Objekte in der Ausstellung verantwortlich.

Theaterstück „The Gospel according to Jesus Queen of Heaven" als deutsche Premiere im September


Zum Begleitprogramm gehört ab September die deutsche Premiere des Theaterstücks „The Gospel according to Jesus Queen of Heaven" von Jo Clifford in einer deutschen Bearbeitung von und mit Schauspieler Brix Schaumburg. Brix Schaumburg ist Deutschlands erster offiziell geouteter transgender Schauspieler und Sänger. Das Theaterstück wird online präsentiert. Virtuell wird die Ausstellung unter www.gott-wmd.de erlebbar sein. Gruppenführungen nach den jeweils aktuellen Corona-Bedingungen können telefonisch unter der Hotline 069/66 42 65 25 gebucht werden. Der Katalog zur Ausstellung erscheint bei Nünnerich-Asmus Verlag & Media.

Das Bibelhaus Erlebnis Museum wurde 2003 in einer ehemaligen evangelisch-reformierten Kirche eröffnet. Es zeigt die Überlieferung, Lebenswelt und aktuelle Bedeutung der Bibel mit archäologischen Funden, thematischen Inszenierungen und vielen Mitmach-Elementen. Trägerin ist die Frankfurter Bibelgesellschaft. Die Gesellschaft wurde 1816 als ältester kirchlicher Verein in der Mainstadt gegründet.

Aktuelle Öffnungszeiten Di-Sa 10-17 Uhr So 14-17 Uhr Gebuchte Führungen auch außerhalb der Öffnungszeiten. Bibelhaus Erlebnis Museum Metzlerstraße 19 60594 Frankfurt am Main; Telefon 0 69 / 66 42 65 29 Fax 0 69 / 66 42 65 26; www.bibelhaus-frankfurt.de