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Wenn Träume in Schäume zerstieben

Peter Hacks göttliche Liebesaffaire „Amphitryon" als letzter Wiesbadener Schauspielbeitrag der Saison           von Britta Steiner-Rinneberg

17.04.14 || altWIESBADEN (16. April 2014) - Jupiter, der olympische Frauenheld und Genussmensch braucht Alkmene, der von ihm verführten Gattin des Feldherrn Amphitryon, nach gehabtem Spaß nicht erst zu erklären „Es war kein Sterblicher, der Dir erschien! Es war Zeus selbst. der Dich besuchte!" Sie hat es von Anfang an gewusst und das göttliche Liebesabenteuer in vollen Zügen genossen! Am Ende ist nicht das „Schreckens-Ach" einer halb Ohnmächtigen zu hören, sondern das hilflose eines enttäuschten Ehepaares, das nicht weiß, wie es nun weitergehen soll und wohl ahnt, dass alles beim alten bleiben wird.

Peter Hacks 1986 uraufgeführte dreiaktige Komödie „Amphitryon" mit dem zuerst von Plautus, dann von Moliere, Dryden und Kleist dramatisierten, berühmten Mythos ist als letzte und hoch bejubelte Schauspielproduktion der Ära von Intendant Manfred Beilharz noch bis Ende Juni im Hessischen Staatstheater zu sehen. Die Inszenierung ist ist auch Caroline Stolzes letzte Inszenierung, für die Jan Hendrik Neidert und Lorena Diaz Stephens das amüsante Wolkenkuckucksheim-Bühnenbild und die hübschen Kostüme entwarfen. Sie kreist um die Frage: Was passiert: wenn ein sich langweilender Gott aus Überdruss am olympischen Einerlei. aus Lust auf Abwechslung, Neugier und Appetit auf eine ihm ins Auge stechende, reizende irdische Frau kurz entschlossen menschliche Gestalt annimmt und sich in Begleitung seines Dieners im schaumgepolsterten himmlischen Reisemobil auf die Fahrt nach unten begibt?

Das nebenstehende Bild aus der aktuellen Aufführung von Amphitryon zeigt zeigt v.l.n.r. Jupiter/ Nils Kreutinger, Amphitryon/Michael Günther Bard und Alkmene/Magdalena Höfner. Foto: Staatstheater Wiesbaden/Martin Kaufhold

Alkmene, die ihren aus dem Krieg heimkehrenden Gatten Amphitryon erwartet, ist noch allein und die Zeit für ein weiteres Abenteuer günstig. Jupiters Verkleidung war nicht einmal notwendig, denn Alkmene durchschaut die Sache schnell und geht mit Freuden auf das göttliche Scharmützel ein, in dem der Gast sich hundertprozentig als genau der Mann erweist, den sie sich immer wünschte, aber eben nicht bekam. Dass der göttliche Liebhaber, der eine lange stürmische Nacht mit ihr verbrachte, am Ende genug hat und schnell wieder abhaut, mag die Glückliche freilich nicht bedacht haben. Immerhin findet er zum Abschied noch freundlich-tröstende Worte und mahnt auch den inzwischen heimgekehrten und völlig konsternierten Ehemann zu „Nachsicht" und „verständnisvollem Für- und Miteinander" und entschwebt als Lichtgestalt wieder nach oben. Auf Erden bleiben zwei ratlose Menschen und ein Scherbenhäuflein zurück, das es nun zu bewältigen gilt.

In Peter Hacks von Schaumwolken und tanzenden Flocken beherrschter Verwandlungskomödie, die nicht nur dem „Liebespaar", sondern auch den unentbehrlichen Trabanten ihrer Herren ideale Lagerstätten und Schlupfwinkel bietet, nimmt das komische Element in Gestalt der beiden Diener einen breiten Raum ein. Fabian Stromberger begeistert als in den Fußstapfen seines Herrn wandelnder und ihn bei seinen zahllosen Seitensprüngen zuverlässig begleitender, blitzgeschwinder, raffinierter Helfer Merkur, der sich seiner Unentbehrlichkeit voll bewusst ist. Wolfgang Böhm gibt Amphitryons handfestem,, vor allem schlafbedürftigem Burschen Sosias, der die zahllosen Püffe und Tritte seines ungehobelten Herrn ungerührt in Kauf nimmt, ebensoviel Trägheit und Pfiffigkeit wie komödiantischen Witz.

Magdalena Höfner spielt die unbefriedigte Alkmene, die ihrem nur von Krieg und Sieg beherrschtem, unsensiblem, heldischem Ehemann den draufgängerischen Gott vorzieht, der ihr nur schmeichelt und nichts als Flausen in den Kopf setzt. Am Ende erkennt sie, dass solche Träume eben nichts als Schäume sind: Seifenblasen, die schnell wieder vergehen. Nils Kreutinger glänzt als selbstgewisser, wandlungsfähiger Jupiter, der sich als Gott keinerlei Gedanken über das macht, was er für eine Nacht voller Seligkeit auf Erden anrichtet. Brillant Michael Günther Bard als nur in Schlachtenbildern denkender, grob geschnitzter und etwas begriffsstutziger Ehemann und Verlierer Amphitryon, der sich von diesem göttlichen „Hausbesuch"" dennoch keineswegs geadelt fühlt und mit dem erprobtem Mut des Helden vor einer „Aussprache" mit Jupiter nicht zurückschreckt. Viel hilft sie angesichts der ungleichen Ebenen freilich nicht. Der Kontrabassist Nicholas Baldock bildet das sechste Rad am Bühnenwagen: Abseits der aus zwei Himmelskanonen schießenden und in alle Gräben und Nischen eindringenden Schaumwolken, lässt er Blitze zucken und olympi schen Donner grollen und begleitet die komödiantischen Machenschaften und Turbulenzen im Himmel wie auf Erden mit sublimem Bogenstrich.

Nächste Aufführungen am 19. April,10., 22. und 24. Mai - Karten unter Telefon 06 11 - 13 23 25