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Kunst & KulturBühne › Ein Leben zwischen Wunschtraum und Realität

Ein Leben zwischen Wunschtraum und Realität

Samuel Koch als Kleists "Prinz von Homburg" am Staatstheater Darmstadt           von Britta Steiner-Rinneberg

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13.01.15 || DARMSTADT (12. Januar 2014) - Heinrich von Kleists zur Zeit häufig gegebenes, während des preußisch-schwedischen Krieges spielendes Drama mit dem somnambulen Prinzen Friedrich von Homburg im Zentrum, der wegen Befehlsverweigerung und eigenmächtigen Handelns vom Kurfürsten und Onkel Friedrich Wilhelm zum Tode bestraft und später begnadigt wird, bewegt in Einstudierung und Bühnenbild Juliane Kanns nicht ohne Grund derzeit im Staatstheater Darmstadt die Gemüter.

Das Szenenbilöd zeigt Samuel Koch/Prinz von Homburg zu "Pferd" und Mathias Znidarec /Hohenzollern

Die Regisseurin ging das Wagnis ein, das umfangreiche Vielpersonenstück, in dem es um Recht und Unrecht, um Pflichtversetzung, Ungehorsam und die Eitelkeit eines nach Siegerkranz, Glanz und Gloria dürstenden jungen Reitergenerals geht, auf pausenlose 100 Minuten Aufführungsdauer als Kammerspiel für fünf handelnde Personen zu reduzieren. Ihre durchdachte Inszenierung bewies, dass dies möglich war. Die starken Striche ließen den Literaturkenner zwar vieles vermissen, aber vom Eigentlichen nichts Wesentliches entbehren, da Form und Interpretation ganz auf die bedauernswerte körperliche Verfassung der Hauptperson ausgerichtet waren.

In der Darmstadter Einstudierung steht der Prinz nicht, wie gewohnt, als strammer, eitler Kavallerieoffizier im Mittelpunkt, sondern als ein vom Schicksal schwer geschlagener, gelähmter junger Mensch, der als Sportler vielleicht zu hoch hinauswollte und tief abstürzte. Das tragische Schicksal des Kunstturners und potentiellen Hochleistungssportlers Samuel Koch, für den vor vier Jahren in der Sendung "Wetten, dass " eine Welt zusammenbrach, ist hinlänglich bekannt. Sie warf ihn unbarmherzig zurück und beschränkte ihn bei lebendigem Geist und Empfinden nur auf ganz minimales Bewegen der Arme und des Kopfes, den er nicht mal drehen kann. Für alle sonstigen Betätigungen braucht Koch, der nun als Schauspieler auf einer anderen Bühne sein "Glück" versucht, die stetige Hilfe und tatkräftige Assistenz seines "Schattens" , die für ihn ganz unentbehrlich ist: Ihn stützt, dreht, bewegt, aufs Pferd hebt und wieder hinauf hilft, ihn in den Rollstuhl setzt und dabei so unauffällig wie möglich seine Haltung korrigiert.

altEine der Darmstädter Szenen: Frank Albrecht/Kurfürst, Tim Wiebus/Homburgs "Schatten", Mathias Znidarec/Hohenzollern und Katharina Hintzen/Nathalia. Fotos (2): Staatstheater Darmstadt/Lena Obst

Koch, dessen erste Hauptrolle am Staatstheater es ist, schafft die Partie mit dem eisernen Willen, durchzuhalten und bewundernswerter Energie! Rein gestalterisch wirkt er in seinem Bemühen, als Prinz sprachlich und mimisch zu überzeugen, trotz erkennbarer Anstrengung einförmig und nur wenig ausdrucksvoll. Ein Defizit, dem die Theaterbesucher freilich mit großem Respekt und Nachsicht begegnen. Die Mitspieler und verständnisvollen Kollegen suchen es durch Aktivität auszugleichen. Dennoch ist das Marionet- tenhafte, das sich auch in Kleidung und Gehabe widerspiegelt, nicht zu übersehen..

Frank Albrecht gibt mit hervorragender Aussprache dem Kurfürsten, dem die Staatsraison unantastbares Evangelium ist, starkes Profil .Ein zu Beginn skrupelloser Mächtiger, der erst im letzten Moment und unter der Bedingung, seinen schweren Fehler voll einzugestehen, für den Prinzen Gnade vor Recht ergehen lässt. Nicolas Fethi Türksever brilliert als fanatischer Obrist Kottwitz, Mathias Znidarec ist ein überbezeugender Graf Hohenzollern, Tim Wiebus des Prinzen unentbehrliches Alter Ego, das alles für und mit ihm tut und Katharina Hintzen eine reizende Nathalie, die der dem Prinzen als Braut zugedachten Oranierprinzessin neben Spielfreude und glaubhafter Zurückhaltung am Ende kühnen Mut und Entschlossenheit verleiht. Die letzte Szene im Stück versetzt die Zuschauer wieder in den „Schlossgarten", in dem der inzwischen aus dem Halbschlaf Erwachte als Prinz wie als Samuel Koch noch benommen die um ihn Stehenden wie das danach stark applaudierende Publikum fragt: „Ist es ein Traum ?"

Ein Traum - was auch sonst.

Nächste Aufführung am 16. Januar 2014 - Kartentelefon 0651 - 28 11 600