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Kunst & KulturBühne › Machtgier, Hass, Verrat und blutige Vergeltung

Machtgier, Hass, Verrat und blutige Vergeltung

Schillers berühmtes Trauerspiel " Maria Stuart" im Heidelberger Theater von Britta Steiner-Rinneberg

26.03.15 || HEIDELBERG (25.März 2015) - Auf der Bühne vor trister grauer Gefängniswand nichts als ein verschlossener Gitterkäfig, in dem die gefangen gehaltene Königin von Schottland wie ein der Freiheit beraubter Vogel rastlos zwischen Pritsche und Waschbecken hin und her flattert. Im zweiten Bild beherrscht nur ein Prunkbett die Szene, in dem Elisabeth, die englische Regentin, in Gesellschaft ihres Buhlen Leicester über das Schicksal ihrer unter schwerer Anklage stehenden Widersacherin nachdenkt.

Szenebild aus der eindrucksstarken Heidelberger Inszenierung von "Maria Stuart". Auf dem Bild Maria Stuart/Nicole Averkamp in ihrem "Kerker"

Was braucht es mehr für Schillers vor allem vom Wort her lebendes, berühmtes Trauerspiel, das 1800 durch Goethe im Weimarer Hoftheater uraufgeführt wurde? Dieses Wort ist so stark und treffend, dass alles daneben nur verblassend wirken kann. Die Regie verzichtete darauf: Kein aufwändiger, prächtiger Thronsaal, in dem über Leben oder Tod der Gefangenen entscheidet, keine glänzende Hofgesellschaft, kein lichtdurchfluteter Park von Fotheringhay, in dem die des Sonnenlichts entwöhnte Maria die "neu gewonnene Freiheit" mit ausgebreiteten Amen genießt?

Das von Ingo Berk und Ausstatter Damian Hitz im Heidelberger Theater auf die Bühne gebrachte, ganz aufs Wesentliche konzentrierte und darstellerisch hervorragend besetzte Trauerspiel wurde bei der Premiere zurecht mit Riesenapplaus bedacht, den es auch bei den folgenden Aufführungen gab. Es geht um Macht, Intrige und Verfolgung, um Todesfurcht, verratene Liebe und blutige Vergeltung. Schauplatz ist der königliche Palast, in dessen finsteren Gewölben die des Hochverrats bezichtigte und von18jähriger Haft gezeichnete schottische Königin schmachtet. Einzige Ansprechpartnerin Marias und ihre Vertraute ist Hanna Kennedy, die das Leid mit ihr teilt und sie auch auf ihrem letzten Gang begleitet.

Während die zu Beginn noch stark und streitbar wirkende Gefangene gegen Schluss vor dem, was kommt, zittert und auf dem Gang zum Schafott zusammenbricht, wälzt sich die Unsicherheit zeigende, vielleicht vom Gewissen geplagte Regentin unruhvoll im Bett und kann die Bestätigung des vollzogenen Urteils, gegen dessen Unterschreibung sie sich sträubte, kaum erwarten. Doch von Genugtuung oder gar Freude kann keine Rede sein. Auf der Bühne steht eine Frau, die von der Rechtmäßigkeit des vom Hof erzwungenen Urteils durchaus nicht voll überzeugt scheint. Sie wird von ihren "Getreuen" bald verlassen wird weiß nur zu gut, wie einsam sie jetzt ist.

altElisabeth/Christiane Rubruck mit ihrem Hofstaat: Burleigh/Stefan Reck; Leicester/Hendrik Richter; Shrewsbury/ Hans Fleischmann; Mortimer /Martin Wißmer; Paulet/Andreas Seifert. Fotos (2) Theater Heidelberg/Annemone Taake

Im Fokus der Tragödie steht das im "Park" arrangierte und Maria vollkommen überraschende, unheilvolle Zusammentreffen mit der königlichen Schwester, das einen Eklat herauf beschwört und ihr den Todesstoß versetzt: Für einen kurzen Augenblick lässt Elisabeth der demutsvoll vor ihr im Staube Liegenden und um Gnade Flehenden gegenüber so etwas wie Mitleid erkennen. Doch dann gerät die tief Gedemütigte und Stolze Maria in wilde Raserei, lässt im Beisein des Hofes ihrem lange angestauten Hass und ihrer Verachtung ungehinderten Lauf und liefert sich damit selbst ans Messer. Denn: Den "Bastard" kann die an ihrer verwundbarsten Stelle schmerzhaft getroffene Elisabeth nie und nimmer verzeihen! Maria muss sterben! Und der falsche Leicester, der um die Gunst beider Königinnen buhlte, ist verdammt, der Hinrichtung beizuwohnen!

Großer Beifall des gebannt zuhörenden Publikums für diese fesselnde Interpretation und die ganz vorzüglich sprechenden Protagonisten: Nicole Averkamp als um ihr Leben kämpfende, bewegende und darstellerisch besonders im zweiten Teil anrührende schottische Königin, die nach schwerem inneren Kampf und Absolution standhaft in den Tod geht. Christina Rubruck besticht als ebenso machtbewusste wie verunsicherte und in ihrem Stolz tief verletzte Regentin Elisabeth, Heinz Fleischmann als mit Stimme und Spiel den Raum beherrschender, altersweiser und mitfühlender Graf Shrewsbury, Stefan Reck als kühl kalkulierender Großschatzmeister Burleigh. Hendrik Richter gibt Leicester, dem doppelzüngigen, windigen Karrieristen und Günstling beider Königinnen starkes Profil, Steffen Gangloff überzeugt als Staatssekretar Davidon, Dietmar Nieder als Graf Aubespine, Andreas Seifert als Ritter´Paulet und Martin Wissner als dessen draufgängerischer Neffe Mortimer, der Maria verehrt und begehrt. Alle Protagonisten gehören dem Heidelberger Ensemble an. Bis auf Karin Nenneman, die auch als Schauspieldozentin einen Namen hat, manchem Besucher vielleicht von Darmstädter oder Kasseler Theater her bekannt ist und als treue Hanna der Todeskandidatin bis zuletzt Halt und Trost gibt.

Weitere Aufführungen am 27.3. am 15., 16. und 19. April - Karten über Tel. 0 62 21 - 58 20 000