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Kunst & KulturBühne › Tradition und Moderne halten sich die Waage

Tradition und Moderne halten sich die Waage

Intendant Laufenberg stellt das Programm für seine zweite Wiesbadener Spielzeit vor      von Britta Steiner-Rinneberg

20.06.15 || altWIESBADEN (20. Juni 2015) - Die Spielzeit 2015/16 wirft auch im Wiesbadener Staatstheater lange Schatten voraus und ermahnt die Interessenten, möglichst rechtzeitig zu buchen, was sie sehen und hören möchten. Die Auswahl an Opern, Schauspielen und Ballettaufführungen ist beachtlich. Sie räumt neben den beliebten Standardwerken des Musiktheaters auch der Moderne den ihr gebührenden Platz ein, den voran die jüngere und mittlere Generation bevorzugen: Janaceks Oper„Katja Kabanova", die Wiederaufnahme von Richard Strauss „Elektra". die Wiesbadener Erstaufführung von Bernd Alois Zimmermanns monumentaler Oper „Die Soldaten" und Helmut Oehrings Musiktheater´"Agota"; ein Werk der 2011 in der Schweiz verstorbenen ungarischen Exilschriftstellerin Agota Kristof, machen schon heute gespannt.

Ansicht des Theaters vom "Warmen Damm" aus. Foto: Staatstheater Wiebaden/ Sven-Helge Czichy

Uwe Eric Laufenbergs zweite Saison als Intendant des Staatstheaters wird in der Oper insgesamt eine Uraufführung, eine Erstaufführung, neun Neuinszenierungen, neun Neueinstudierungen und eine Wiederaufnahme bringen. Im Schauspiel kommen neben acht Uraufführungen, zwei deutschen Erstaufführungen und weiteren Premieren im Kleinen Haus und der Wartburg zu Gehör: Dazu gesellen sich sieben Wiederaufnahmen, manch Interessantes für Kinder und Jugendliche und einige Familienvorstellungen, Im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses finden die obligaten acht Zykluskonzerte statt. Unter GMD Zsolt Hamars Leitung kommen Werke von Reger, Zender, Berlioz, Liszt und Beethoven zur Aufführung, sowie von Bartok, Mussorgski, Mahler, Schumann, Mendelssohn-Bartoldy, Brahms und Wagner: Nicht zu vergessen einige Sonderkonzerte und das traditionelle Neujahrskonzert.

Ein informativer Blick auf den Spielplan


Die Saison wird am 17.September mit Verdis 1887 in Mailand uraufgeführtem Dramma lirico „Otello" mit dem Libretto Arrigo Boitos im Großen Haus des Staatstheaters beginnen. das Intendant Laufenberg selbstinszeniert. Die musikalische Leitung liegt in Händen Leo McFalls; Gisbert Jäkel sorgt für die Ausstattung, Jessica Karge für die Kostüme. In den Hauptpartien wird man Jose Cura als Otello hören, Cristina Pasaroiu als Desdemona. Matias Tosi als Jago und Aaron Cawley als Cassio. Am 2o. September folgt die Wiederaufnahme von Glucks „Orpheus und Eurydike" unter musikalischer Leitung Konrad Junghänels.

Für den 25. September ist die Neueinstudierung von Wagners „Fliegendem Holländer" geplant, die Zsolt Hamar dirigiert. Magdalena Weingut hat die Spielleitung. Gerd Grochowski singt den Holländer, Erika Sunnegardt die Senta, Thor Kristinsson den Daland, - Neu inszeniert wird am 17. Oktober Lehars beliebte Operette „Der Graf von Luxemburg", deren musikalische Leitung Dabiele Muscat inne hat. Robert Lehmeier sorgt für die Einstudierung.

altDer Komplex des Hessischen Staatstheaters. Foto: wikipedia

„Cosi fan tutte", „Irrungen der Liebe" und „Hänsel und Gretel"


Gleichfalls als Neuinszenierung steht für den 1. November Mozarts Oper „Cosi fan tutte" auf dem Spielplan, die Konrad Junghänel leitet und U.E. Laufenberg in Szene setzt. Als Fiordiligi wird man Heather Engebretson erleben, als Dorabella Silvia Hauer, als Ferrando Joan Hotea und als Guglielmo Christopher Bolduc. Den Don Alfonso singt Wolf Matthias Friedrich, de Despina Gloria Rehm. Als weitere Neuinszenierung gibt es am gleichen Tag im Kleinen Haus Scarlattis Pavola pastorale „Die Irrungen der Liebe", die Peer Boysen inszeniert und Christian Rohrbach dirigiert, und zwar mit Sängern und Sängerinnen der Mainzer Hochschule für Musik und Barock Vokal.

Vierzehn Tage später kommt unter Stabführung Michael Helmraths und in Einstudierung Beka Savics Humperdincks Märchenspiel „Hänsel und Gretel" auf die Bühne des Großen Hauses. um die Jüngsten Theaterbesucher dann den ganzen Dezember über zu verzaubern.

Katja Kabanova", „Madama Butterfly", „Elektra" und „Boris Godunov"


Das neue Jahr beginnt mit Janaceks von GMD Zsolt Hamar dirigierter Oper „Katja Kabanova", die Matthew Wild am 16. Januar inszeniert. Singen werden Sabina Cvilac als Katja, Dalia Schaechter als Kabanicha, Mirko Roschkowski als Boris und Aaron Cawley als Tichon.

Für den 28. Januar steht unter Hamars Dirigat Strauss‚ "Elektra" auf dem Plan, die Rebecca Horn neu einstudiert hat. In der Titelpartie erlebt man Caterine Foster, als Klytämnestra Dalia Schaechter, als Orest Young Doo Park und in der Partie der Chrysothemis Erika Sunnegärdh.

Eine weitere Neueinstudierung ist Puccinis „Madama Butterfly". Die von Intendant John Dew gestaltete Produktion des Staatstheaters Darmstadt hat am 18.Februar Premiere. Auf der von Heinz Balthes entworfenen, zauberhaften Bühne singt Elisa Cho die Titelpartie, Martha Wryck die Suzuki und Richard Fuhrmann den Pinkerton. Die musikalische Leitung hat Albert Horne.

altInnenansicht des attraktiven Foyer. Foto: Staatstheater Wiesbaden/Sven-Helge Czich

Am 25. März dürfen sich die Musikfreunde auf Mussorgskis Oper „Boris Godunow" freuen, die Christian Sedelmeier eínstudiert und Hamar dirigiert; Eine Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt, in der man Shavleg Armasi als Boris hören wird, Stella An als Xenia, Alexander Fedin als Schuiski und Richard Furmann als Dimitrij. - Als weitere Neuinszenierung steht Händels Dramma per musica „Alcina" auf dem Spielplan, das Junghänel am 9. April dirigieren und Ingo Kerkhof auf die Bühne bringen wird. In der Titelpartie ist Heather Engebretson zu hören.

Zimmermanns Antikriegsoper „Die Soldaten"; °Agota" und „Falstaff"


Am 30. April werden dann die Internationalen Maifestspiele 2016 mit Bernd Alois Zimmermanns auf dem Libretto von Jakob Michael Lenz basierender expressionistischer Antikriegsoper „Die Soldaten" beginnen: Eine Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt, die Vasily Barkhatov einstudiert und GMD Hamar leitet. In den Hauptpartien hört man Franz Grundheber (Wesener) und Gloria Rehm als Marie. - Am 4. Mai feiert dann „Agota" (Die Analphabetin) als Kompositionsauftrag der Maifestspiele im Kleinen Haus Premiere, die Peter Rundel dirigiert und Ingo Kerkhof inszeniert. Auf die Schlusslichter der Opernsaison werden sich alle Besucher freuen, die das Traditionelle und Bekannte bevorzugen: Am 22. Mai gibt es Verdis von Ingo Karaman inszenierte „Macht des Schicksals", die Christoph Stiller leitet, am 16. Juni Donizettis Melodramma „Liebestrank", das Jim Lucassen auf die Bühne bringt und David Kram musikalisch betreut und am 25. Juni die Neueinstudierung von Verdis Commedia lirica „Falstaff ". Christian Spuck inszeniert, Leo McFall hat die musikalische Leitung, und in der begehrten Partie des Sir John ist kein geringerer als der für die Bombenrolle geradezu prädestinierte David Cecconi zu bewundern.

Schauspiel: Im Mittelpunkt die Familie


Im Sprechtheater wird das Thema Familie in der neuen Saison eine größere Rolle spielen, aber auch Liebe und Hass, Glück, Unglück, Schrecken, Gewalt und Konflikte aller Art, wie sie in jeder menschlichen Gemeinschaft zu finden sind und nicht geleugnet werden können. Gespielt wird in beiden Häusern, in der Wartburg, im Studio und im Schlachthof

.Am Beginn steht Shakespeares „Hamlet", den Nicolas Brieger am 6. September im Großen Haus heraus bringt. Stephan Heyne sorgt für das Bühnenbild und Andrea Schmidt-Futterer für die Kostüme: Fremd geworden im eigenen Land, entwurzelt und verstört, wird der von der Universität zurück kehrende Dänenprinz zum Beobacter einer Gesellschaft, die zwar die seine ist, zu der er aber längst nicht mehr gehört.

Am 24. September folgen (im Kleinen Haus) als Theaterfassung die Kurzgeschichten der Nobelpreisträgerin Alice Munro, die Johanna Wehner inszeniert. Realitätsnah und unsentimental spiegeln sie die Schicksale zweier Frauen wieder, die alles verloren haben und nach einem gangbaren Weg zurück ins Leben suchen. - Im gleichen Haus wird Ingo Kerkhof am 30. Oktober Tracy Letttas Stück „Eine Famlie" inszenieren, das im Bühnenbild Anne Neusers und mit großem Ensemble zur Aufführung kommt.

Nach „Kafka" ,einem von Philipp Gloger betrauten Theaterprojekt (31. Oktober) und der Uraufführung „Sechs Jahre" (14. November), die nach einem Buch von Charlotte Link entstand ( beide in der Wartburg) ,bringt Carsten Kochan am 12. Dezember im Kleinen Haus Curt Goetz berühmte Komödie "Dr. med. Hiob Praetorius" heraus, auf die sich viele Besucher heute schon freuen können. - Am 5. Dezember setzt Ulrike Arnold im Studio „Das Leben in Fragen und Ausrufen" in Szene, das auf Anton Tschechows humorvollem „Zettelkasten" basiert, und am 20. Dezember bringt am gleichen Ort Felicitas Braun das Stück „Der Findling" heraus, das nach Heinrich von Kleists Novelle entstand.

Die Theater-Kolonaden während einer Theaterpause. Foto: Staatstheater Wiesbaden/Kaufhold

"Mutter Courage", "Judas" und "Kaspar"


Das neue Jahr wird am 30. Januar 2016 mit "Mutter Courage", Brechts Chronik aus dem 30- jährigen Krieg, beglücken, die sehr lange in Wiesbaden nicht gespielt wurdse. Thorleifur Örn Anarsson führt Regie, Josef Halldorsson kümmert sich um das Bühnenbild.

Im gleichen Monat wird in Kooperation mit dem Konzerttheater Bern, der Evangelischen Akademie und der Katholischen Kirche in Wiesbadener Gotteshäusern auch Lot Vegemans Stück "Judas" zur Aufführung kommen.

Ayad Akhtars Stück "Geächtet" hat unter Regie Bernd Mottls am 27. Februar im Kleinen Haus Premiere und am 8. März "Kaspar" von Peter Handke, das Gloger in Szene setzen wird.

Am 31. März wird Uwe Eric Laufenberg Ibsens "Hedda Gabler inszenieren. - Die Theaterfassung von Stefan Zweigs "Ungeduld des Herzens", die Thomas Jonigk zu einem Kammerspiel verdichtete, ist unter Leitung Tina Laniks am 26.Juni zu erleben.

Die "Satanischen Verse" von Salman Rushdie werden am 12. 5. in einer Fassung des Hessischen Staatstheaters unter Leitung Anarssons in der Wartburg zu Gehör kommen.

Im Ballet ist als Premiere am 1. Oktober der Abend "Weltenwanderer" zu erwarten, am 14. November die Uraufführung "Transparent Cloud" und am 4. März "Kaspar Hauser". Für den 25. Mai ist "Grenzgänger" und für den 3. Juli "Odyssee 21" angekündigt. Wieder aufgenommen werden das reizvolle Märchenspiel "Aschenputtel" und "Spannweiten".