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Kunst & KulturBühne › Als geheilt entlassen

Als geheilt entlassen

„Der eingebildete Doktor" in der Komödie           von Karl-Heinz Stier und Ingeborg Fischer

20.12.15 || altFRANKFURT (19. Dezember 2015) - Falls Psychiater oder Versicherungsagenten im Publikum gewesen sein sollten, fragt man sich, ob sie sich über die Aufführung amüsiert hätten? Nun das Stück „Der eingebildete Doktor" stammt von dem 1991 verstorbenen Satiriker und Literaturkritiker Hans Weigel, dem man nachgesagt hat, er sei vom Range Reich-Ranickis. Die Kalauer über Psychoanalytiker, die immer selbst einen leichten Tick hätten, kennt man, und auch dass Versicherungsvertreter redegewandt sind, weiß man.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Versicherungsagent Otto (Dirk Waanders) will seine Policen verkaufen, platzt hinein in die Familie des Ingenieurs Müller-Hagenau (Erwin Geisler) und wird für den Psychoanalytiker Professor Eisler (Jans Hajek)gehalten, der den seelisch kranken Sohn Andi (Nico Venjacob) behandeln soll. Eine kluge Tochter Brigitte (Carolin Freund), die ein wenig von der Psychoanalyse zu verstehen glaubt und die leicht gelangweilte Dame des Hauses und besorgte Mutter, Lisa (Michaela Klarwein) fügen sich ein in den Verwechslungsreigen. Erfrischend die Hausgehilfin Draga mit slawischem Akzent (Ines Arndt) die den falschen Doktor anhimmelt. Weil Versicherungsvertreter gut zuhören und Menschen auch gut einschätzen können, gewinnt Otto erst das Vertrauen der Eltern und dann auch das Andis. Abgründe tun sich auf, als ihm erst Lisa und dann der Ehemann gestehen, dass sie ihren Partner am liebsten umbringen würden. Die Rollen fordern den Schauspielern nicht all zu viel ab, werden aber mit Charme und Routine gemeistert. Nico Venjacob spielt jedoch den scheinbar trotteligen Sohn, der eigentlich ganz clever ist, vergnüglich gut. Sein wechselnder Gesichtsausdruck von blöde zu gewitzt ist verblüffend. Auch der echte Professor Eichler taucht folgerichtig später auf und wird für irre gehalten. Fazit des Autors ist wohl, dass gesunder Menschenverstand und Einfühlungsvermögen jeden Seelendoktor ersetzen kann, denn alle gelten zum Schluss als „geheilt entlassen".

Das Szenenbild zeigt v.l.n.r.: Erwin Geisler, Dirk Waanders und Michaele Klarwein. Foto:Helmut Seuffert

Nun denn! Messerscharfe Satire war das nicht, eher Bedienung eines Klischees. Vielleicht kann ein zufällig anwesender Psychotherapeut oder Versicherungsagent als Besucher damit einig gehen.

Obwohl die Monologe - besonders zu Beginn des Stückes - sehr gut formuliert sind, ermüdeten sie die Zuschauer durch ihre Länge. Regisseur Udo Schürmer hätte kürzen, straffen sollen. Bewundernswert ist die Leistung von Dirk Waanders als Otto, der seine Texte ohne zu stocken beherrschte und den falschen Doktor mit Spielfreude mimte. Es war in der Tat zuweilen auch deshalb anstrengend für den Theaterfreund, weil nicht jeder sofort ein Aha-Erlebnis bei den Begriffen „Widerstandshaltung" oder „Libidoablehnung" hat.

Zu sehen ist „Der eingebildete Doktor" noch bis zum 7.Februar 2016.

Information unter www.diekomoedie.de - Kasse: Telefon 0 69 - 28 45 80