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„Höchststrafe - 25 Jahre Flic Flac“: Jubiläumsshow ein Feuerwerk der Superlative

Unbekannte artistische und zirzensische Darbietungen bieten Nervenkitzel pur - Gastspiel bis 29.Mai in Mainz           von Karl-Heinz Stier

23.05.16 || altMAINZ (23. Mai 2016) - Es ist schon nicht einfach, für Auswärtige das Zelt an der Nordmole im Mainzer Zollhafen zu finden, dem Standort, wo Flic Flac sein Domizil bis zum 29. Mai inmitten von Baustellen aufgeschlagen hat. Richtungshinweise für Autofahrer sind so gut wie gar nicht zu finden und wenn man die Zeltgruppe blickmäßig entdeckt hat, fängt die Suche nach einem Parkplatz an. Na ja, das war ja noch zu ertragen. Aber im Vorzelt ging es am Premierentag etwas chaotisch zu. Die Beleuchtung funktionierte zeitweise nicht - es war zehn Minuten vor Beginn. Immerhin fing die Veranstaltung pünktlich an.

Das Zirkuszelt von Flic Flac

Doch für diese Malaisen wurde der Besucher vom Programm her gesehen voll und ganz entschädigt. Die Jubiläumsshow war ein Feuerwerk der Superlative. „Höchststrafe - 25 Jahre Flic Flac" heißt die spektakuläre Show, die den Zuschauer in eine Strafanstalt entführte, wo ein eingespieltes Team von außergewöhnlichen Akrobaten und Extremsportler das Publikum machte atemlos und an den Nerven kitzelte. Insgesamt gehen über 40 Artisten - viele von ihnen international ausgezeichnet - an die Grenze des Machtbaren und bieten artistische und zirzensische Darbietungen, einige davon, die man bisher so noch nicht gesehen hat. „Flic Flac ist eines der größten Zirkusunternehmen in Europa, das mit seinen spektakulären Shows regelmäßig Maßstäbe setzt", so Direktor Benno Kastein, der mit seinem Bruder Lothar in Oberhausen vor einem Vierteljahrhundert Flic Flac aus der Taufe hob und aus konzeptionellen Gründen auf Sägemehl und Tierdressuren verzichtet.

Ein Gefängnishof als erstes Bühnenbild

Das erste Bühnenbild zeigt einen Gefängnishof, die Insassen der Anstalt haben offensichtlich Freigang und werden von Vollzugsbeamten bewacht. Im Hintergrund sieht man Gefängniszellen, beklemmend zeigen sie straffällig gewordenen Männer hinter Gittern eingesperrt. Die Kostüme der Protagonisten sind eine grau-geldbliche einheitliche Gefängniskluft. Auf dem Gefängnishof - einer eingebauten Drehbühne - wirbeln Körper durch die Luft. Es bedarf dazu keiner aufwendigen Geräte. Die „Expendables" vollbringen allein mit ihren Händen, die sie als Sprung - und Schleuderbrett für gewagte Saltos nutzen, Glanzleistungen. Oder die fliegenden Menschen an der russischen Schaukel, die in schwindelerregender Höhe sensationelle Schrauben drehen und außergewöhnliche Pirouetten riskieren. Für weiche Landungen am Boden sorgen Kollegen, die mit der Matratze hin und her spurten, wobei ständig Tempo angesagt ist.

altLarissa mit ihrer Stangenakrobatik

Hard-Rock - Musiker begleiten live mit ihrer provozierenden Musik die waghalsigen Akrobaten, sinnigerweise in den vergitterten Zellen agierend. Man spürt förmlich ihre Gewaltausbrüche und es knistert im Manegenrund von Testosteron, wenn die Männer sich Frauen herbeiträumen. Ästhetische Höhepunkte der Show sind die Darbietungen der beiden Direktorentöchter Larissa und Tatjana. Während die eine sich lasziv und mit perfekt beherrschter Körperkunst an einer senkrechten Stange entlang schlängelt, begeistert die andere mit athletischer, kraftvoller Handstandakrobatik. Furios auch der Auftritt von Laura Miller, die durch die Luft tanzt, in das gläserne Wasserbecken eintaucht und dann eingehüllt in ein Meer aus Farben am geschwungenen Ring zur Kuppel emporschwebt. Selbst das Spiel mit dem Feuer scheut die englische Wassernixe nicht, wenn sie zum Schluss noch mal in das flammende Oberflächenwasser ins Becken eintaucht.

Fans der modernen, unkonventionellen und immer etwas schrägen Show bewundern immer wieder die reichlich Licht - und Lasertechnik, brachiale Rockbeats und jede Menge gewagter Stunts. Das wird an der Schluss-Nummer deutlich. Im „Globe of Speed" rasen die Motoradfahrer in der Stahlkugel rauf, runter, kopfüber, kreuz und quer - erst drei, dann vier, dann sechs und schließlich zu acht zwängen sie sich mit Motorengeheul in der engen Todeskugel, ein Ereignis, das den nahezu 1300 Besuchern nahezu den Atem stockt.

Todeskugel mit den fliegenden Motorradfahrern.  Fotos (4): flic flac

Doch das ist noch nicht alles. Fast unglaublich ist es, wenn die Helldriver durchs Zelt die Rampe hochjagen, um in der Luft im Zeltinnenraum Drehmanöver und Rückwärtssaltos zu springen oder um ihre Motocross-Maschinen im Flug mal eben zur Seite zu drehen. Diese waghalsigen Stunts klingen nicht nur gefährlich, sie sind es auch in der Realität.

Das Finale mit allen Künstlern, die rund um die Todeskugel stehen und den Beifall des begeisterten Publikums entgegen nehmen, während sich der Manegenboden dreht, erinnert an Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art", wenn die Kugel nach oben steigt.

Wenn in der Nacht zum 29.Mai die etwa 100 Mitarbeiter aus 13 Nationen, ein Drittel davon Artisten, nach der letzten Vorstellung bereits mit dem Abbau beginnen - eine Verlängerung des Gastspiels in Mainz ist nicht möglich - , dann geht sofort weiter nach Augsburg, wo am 3.Juni die nächste Premiere beginnt. Innerhalb von drei Tagen muss ab- und wieder aufgebaut werden. Wenn es wieder auf Tour geht, wird das gesamte Material in 62 Transporte verpackt und mit 14 Zugmaschinen von einem zum anderen Gastspielort transportiert. Über 60 PKWs und 40 Wohnwagen folgen dem Tross. Dann sind 600 Tonnen Equipment per Achse unterwegs.

Die Vorstellungszeiten in Mainz bis 29.Mai: Dienstags bis donnerstags 20 Uhr, mittwochs und samstags 16 und 20 Uhr. Sonn- und Feiertags 15 und 19 Uhr. Die Karten kosten zwischen 19 und 49 Euro. Weitere Infos unter www.flicflac.de