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Kunst & KulturBühne › Friedliche Koexistenz aller Religionen

Friedliche Koexistenz aller Religionen

Lessings dramatisches Gedicht „Nathan der Weise" im Theater Heidelberg - Starker Applaus für Regisseur und Schauspieler           von Britta Steiner-Rinneberg

25.10.16 || altHEIDELBERG (24. Oktober 2016) - Gotthold Ephraim Lessings 1783 in Berlin uraufgeführtes Dramatisches Gedicht „Nathan der Weise" steht in eigenwilliger Inszenierung Philip Tiedemanns im Heidelberger Theater auf der Bühne. Regisseur Stephan von Wedel lässt auf einer drehbaren Scheibe spielen, die rundum von Scheinwerfern begrenzt und sonst vollkommen leer ist. In dem allein des Dichters Gedanken gewidmeten und rund um das Thema Toleranz kreisenden Gesprächen begegnen sich religiöse und theologische Anschauungen einander aufs stärkste..

Lessings wohl durchdachte Worte beherrschen zweieinhalb Stunden lang die Szene bannen und lassen die Zuschauer nicht los. Wer um Nathans Geschichte weiß, der gerade in heutiger Zeit besondere Bedeutung zukommt, weil sie die Gleichberechtigung der drei monotheistischen Religionen zum Inhalt hat, verfolgt die im ersten Teil zwar noch etwas zähflüssige, aber wortgewaltige Einstudierung mit wachsendem Interesse. Nach der Pause gewinnt das Stück jedoch nicht nur an Tempo, sondern vor allem an Inhalt, wenn der altersschwache, zitternde Klosterbruder mit dem dreimal wiederholten „Der Jude wirf verbrannt" seinen abgrundtiefen Hass zum Ausdruck bringt.

altSzenenbild aus der Heidelberger Inszenierung des Nathan: Nathan/Hans Fleischmann und seine Ziehtochter Recha/ Nanettre Waidmann. Foto (1): Staatstheater Wiesbaden/Annemone Taake

Der Inhalt der dramatischen Szenen ist schon von der Schulzeit her jedem bekannt: Nathan, der von erfolgreicher Geschäftsreise heimkehrende Kaufmann, der durch ein Feuer sein Haus verloren hat, schließt seine an Kindes statt angenommene und durch einen beherzten jungen Tempelritter gerettete Ziehtochter Recha glücklich in die Arme, Dankbar für Gottes Güte, die ihn nach dem zurück liegenden furchtbaren Verlust der gesamten Familie vor einem weiteren Schlag bewahrte, will der Vater sich kniefällig bei dem mutigen Lebensretter bedanken, doch der Stolze hat nur seine menschliche Pflicht getan und wehrt zunächst ab. Nicht lange allerdings, denn er hat sich Hals über Kopf in das jüdische Mädchen verliebt. In der ihm bewussten, klaren Erkenntnis der Unmöglichkeit einer ehelichen Verbindung eines Kreuzritters mit einer Frau mosaischen Glaubens sucht er Zuflucht und Hilfe beim Patriarchen. Vergeblich.

Im Zentrum des Stückes steht freilich die Zwiesprache zwischen dem sich gerade in Geldnöten befindlichen Sultan Saladin und dem um Hilfe ersuchten, reichen Kaufmann. Dessen Klugheit, Beredsamkeit und Toleranz offenbart sich dem Herrscher mit der eindrucksstark und überzeugend erzählten Geschichte von den drei Ringen, die den Sultan belehrt. Ein Zwiegespräch, das aufklärt, aber der problematischen Beziehung der jungen Leute, für die Lessing eine andere Lösung findet, nicht weiter hilft.

Der junge Ritter stellt sich am Ende als Neffe des Sultans heraus und das in einem jüdischen Haus erzogene christliche Mädchen Recha als seine eigene Schwester. Dinge kommen ans Tageslicht, von denen keiner wusste und alle Betroffenen durcheinander wirbeln. Doch die Wahrheit hat gesiegt und lässt alles trotz Nathan märchenhaft klingenden Enthüllungen, die Bruder und Schwester wieder zusammen führen, in Frieden und Eintracht enden. Das junge Paar geht zwar keiner gemeinsamen Zukunft entgegen, aber als neu und beglückt empfundener geschwisterlicher Liebe.

Die anfangs noch etwas spröde Inszenierung, in der Hans Fleischmann den nicht nur vorzüglich spielenden, sondern auch hervorragend sprechenden klugen Nathan gibt, Andreas Seifert den geifernden Klosterbruder und Raphael Gehrmann den mutigren Lebensretter und verliebten jungen Tempelritter und mutigen Lebensretter. Starker Applaus des Publikums für die gedankliche Auseinandersetzung des Regisseurs mit Lessings Parabel und Beifall für Nanette Waidmann als Recha, Christina Rubruck in der Rolle der Haushälterin Daja, Olaf Weißenberg als Klosterbruder und Steffen Gangloff als etwas zu umtriebigen Al Hafi.

Die nächsten Aufführungen finden am 25., 29.10., 5. ,17.und 24.11. statt. Karten über Telefon 0 62 21 - 58 20 000 (11 - 18 Uhr)