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Kunst & KulturBühne › Ein flotter Sommerabend im Schlosshof

Ein flotter Sommerabend im Schlosshof

Erstaunen und keinen Moment vor Langeweile - „Das Wirtshaus im Spessart" macht den Heidelberger Festspielbesuchern in der Schlossruine Spaß            von Britta Steiner-Rinneberg

08.08.17 || HEIDELBERG (07. August 2017) - Nach der Wiederaufnahme von „Kiss me,Kate", dem Kinderstück "Froschkönig" und den „Glücklichen Tagen" bringt die Komödie „Das Wirtshaus im Spessart" endlich etwas lustvoll-lebendiges in den Heidelberger Schlosshof und beschert vor allem den Jugendlichen einen flotten Sommerabend vor geschichtsträchtiger Kulisse. Auf der Bühne steht eine märchenähnliche Geschichte, die großes Nachdenken jedem erspart. Amüsiert machen sich die Besucher auf den finsteren Heimweg in die Stadt und können George Isherwoods auf einer Erzählung Wilhelm Hauffs basierendes Lustspiel dabei noch einmal Revue passieren lassen.

Die tollen Verkleidungen sind so recht nach dem Geschmack der Zuschauer, die das lebendige Agieren in Heidelbergs weltberühmten Trümmern sichtlich genießen. Die zweieinhalb Stunden voller Intrigen, Betrügereien und allerlei Kostümwechseln vergehen fast wie im Flug und beschäftigen die erheiterten Gemüter noch lange auf dem kopfsteingepflasterten steilen Heimweg. Können sich Besucher in der Hitze eines Juli-Sommers noch Besseres wünschen?

altSzenenbild der „Räuberbande", des Heidelberger Schlosshof-Stückes „Das Wirtshaus im Spessart". Reprofoto: Theater HD Programmheft/Annemone Taake

Hauffs Märchen haben neben denen von Bechstein, Grimm und Andersen zumindest in der Welt der Kinder noch immer ihren festen Platz und sind allen wohl vertraut. Da traut sich kein Regisseur, ihnen etwas vorzumachen oder gar eigene Wege zu gehen! Thomas Goritzki hat das klar erkannt und das Stück vor allem für die kritischen Jüngsten inszeniert, die Heidelbergs hochsommerliche Ereignisse auf dem Schloss kein Jahr entbehren möchten. Der malerische Hof mit den gigantischen Ruinen ist einfach eine tolle Kulisse, die man erlebt haben muss und in der selbst schwächelnde Einstudierungen auf begeisterten Applaus nicht warten müssen.

Die Erzählung vom verwunschenen Wirtshaus, seinen merkwürdigen Bewohnern und skurrilen Gästen, die einer cleveren Räuberbande in die Finger fallen, erweist sich nach wie vor als Zugnummer, auf die kein ehrlicher Besucher verzichten möchte. Zur Beruhigung Ängstlicher: Zu der vorgesehenen spektakulären Hinrichtung auf dem Marktplatz kommt es im heute friedliebenden Heidelberg natürlich nicht! Dafür aber zu manch anderem, das die Besucher erstaunen und ganz gewiss keinen Moment vor Langeweile gähnen lässt.

Für Tempo und Pfiff auf der Bühne sorgen vor allem Nicole Averkamp als weitgehend die Szene beherrschende, resolute Fischhändlerin und Wirtin und der gewichtige Hans Fleischmann als Partner, sowie Steffen Gangloff und Benedikt Fellmer in ihren verschiedenen Rollen. Aber viel mehr soll lieber nicht verraten werden, um die Neugier potentieller Besucher auf das, was sich im weltabgelegenen Räubernest zuträgt und begeistert, nicht zu dämpfen. Sehen und hören Sie selbst!

Für die Spessart-Kneipe stand in Mespelbrunn das Gasthaus „zur Post" Pate, in dem Hauff 1826 auf seiner Reise nach Frankfurt übernachtete. Kurt Hoffmann machte es 1957 zum Zentrum seines gleichnamigen Spielfilms, der mit Liselotte Pulver in der Rolle der reisenden Gräfin zum Sensationserfolg der 50er Jahre wurde, an den sich heute freilich nur noch wenige erinnern können. Spaß macht die Aufführung trotzdem und lässt dem Publikum die zweieinhalb Stunden im lauschigen Schlosshof fast wie im Flug vergehen.