Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

Kunst & KulturBühne › Mit Rückenproblemen festsitzend schafft erhebliche Turbulenzen

Mit Rückenproblemen festsitzend schafft erhebliche Turbulenzen

Vergnügliche Turbulenzen verspricht der „Hexenschuss" in der Komödie Frankfurt           von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

06.11.17 || altFRANKFURT (05. November 2017) - Ein Hexenschuss - auch Bandscheibenvorfall genannt - ist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Es setzt die Betroffenen meist außer Gefecht. Wenn es dabei einen Mann erwischt, der vom Fernsehen - sprich BBC - sehr bekannt ist und als Sittenwächter der Nation gilt, dies in der Wohnung seiner Geliebten und ausgerechnet in der Sitzbadewanne, dann ergeben sich zunehmend Verwicklungen und Verwechselungen. Diese Turbulenzen können die Zuschauer in der Komödie Frankfurt miterleben, und das ist vergnüglich.

Sally Hills (Elisabeth Ebner) ist Sängerin und will ins Fernsehen. Zum Schäferstündchen in vermutlich „sturmfreier Bude" hat sie den Fernseh-Moderator Peter Raven (André Vetters) gebeten und erhofft sich ein Casting im BBC-TV. Ihr Ehemann Leonhard (Dirk Waanders) ist Pilot und vermeintlich auf dem Flug nach New York. Doch alles kommt anders. Peter erleidet einen Hexenschuss in der Badewanne und sitzt dort schmerzgeplagt fest. Das Fiasko beginnt: ein blinder Klavierstimmer (Wolff von Lindenau), dessen Termin Sally vergessen hatte, taucht auf, der Ehemann kann wegen eines Bodenpersonal-Streiks nicht fliegen und kommt unerwartet nach Hause. Ein von Sally eiligst bestellter Notarzt ist zur Stelle, eine australische Stewardess (Ulla Schlegelberger) und die Managerin Jocelyn von Peter (Ines Arndt) erscheinen ebenfalls aus unterschiedlichen Gründen in der Wohnung des Ehepaars Raven. Und im Bad sitzt nach wie vor Peter!

altDas Szenenbild zeigt v.lks.n.r.: Sängerin Hills (Elisabeth Ebner), TV-Moderator Ravens (Andree Vetters), blinder Klavierstimmer Phips (Wolff von Lindenau). Foto: Helmut Seuffert

Autor John Graham lässt Sally, ihr hysterisches Versteckspiel, ihre absurden Ausreden von Wasserschaden und Klempner, ein wenig überdreht zur Darstellung kommen. Der Klavierstimmer, der Ehemann, der Notarzt, die Stewardess und die PR-Managerin rotieren, wundern sich und verwechseln alle und alles, und im Bad sitzt immer noch Peter! Großmütter-Weisheiten werden bemüht: "Mit einem Hexenschuss mein Herz vergisst Du jeden andern Schmerz!"

Bis zuletzt in der Wanne


Das Bühnenbild von Tom Grasshof hat viele Türen, die oft genutzt werden. 2 Stufen sind für den blinden Klavierstimmer Mr.Phips für seine „running gags" stets ein Hindernis. Er stolpert immer wieder und stürzt beinahe. "Dinner for one" lässt grüßen. In der angedeuteten Diele oben steht ein schwarzes, altmodisches Wähltelefon, das das Geschehen in die achtziger Jahre zurückversetzt, links das Klavier, in der Mitte Couch und Tisch und rechts die Nasszelle mit Klosett, Sitzbadewanne und Duschvorhang, der von Sally je nach Situation hektisch auf- und zugezogen wird. Hier muss André Vetter alias Peter Raven bis zum Ende der Komödie ausharren - und das mit nacktem Oberkörper. Alles andere ist von der Badewanne verborgen.

Die Dialoge sind teilweise amüsant, manchmal sogar kreischend komisch. Das Publikum jedenfalls hatte durchaus großen Spaß an dem Verwechselungsspiel. Und die Mimen auf der Bühne machten es ihm leicht, den verdienten Schlussapplaus zu spenden.

Fazit: Das Stück ist eine Farce, die zum Ende zwar zunehmend jede Komik überzieht und die Handlung immer absurder werden lässt. Aber es hat fast allen im Theatersaal gefallen. Regie führt Udo Schirmer. Für die Kostüme ist Petra Freimuth-Panosch verantwortlich.

Tipps im Programmheft zum Lumbagoumgang


Besonders instruktiv ist es von den Verantwortlichen der Komödie, dass im Programmheft Tipps stehen, wie man mit einem Lumbago umgehen soll: da raten Experten beim Hexenschuss sich auf eine Stuhlkante zusetzen, ein dickes Buch zwischen die Knie zu stecken, die Beine zusammenzudrücken und die Spannung einige Sekunden zu halten. Bei manchen soll es sogar geholfen haben.

Bis zum 10.Dezember 2017 (Di-Sa um 20 Uhr, So 18 Uhr, montags spielfrei) - Mehr unter: www.diekomödie.de - Kartentelefon 069 - 28 45 80