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Die Diven: „Spatz und Engel“

Wir bereuen nichts! No je regrette rien! - Ein sehr lohnender Theaterabend - Schauspiel mit Live-Musik im Fritz-Remond-Theater           von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

08.11.17 || altFRANKFURT (08. November 2017) - Edith Piaf und Marlene Dietrich - die zwei Diven des 20.Jahrhunderts überhaupt, ihre Freundschaft und Liebschaft und ihre Charaktere auf der Bühne des Fritz-Remond-Theaters im Zoo zu erleben, begeisterte das Publikum. Dies ist natürlich dem Ensemble geschuldet, und in erster Linie den beiden Protagonistinnen Susanne Rader als Marlene und der hinreißenden Heleen Joor als Edith.

Die kaum bekannte Geschichte von der erotischen Liebe und der Freundschaft zwischen den so unterschiedlichen Frauen, die sich in New York kennen- und lieben lernen, zog das Publikum sofort in ihren Bann. Die in einem Bordell aufgewachsene Piaf und die preußische Offizierstochter Dietrich konnten unterschiedlicher nicht sein, waren aber über eine lange Zeit in Höhen und Tiefen einander zutiefst zugetan.

altHeleen Joor (Edith Piaf), Susanne Rader (Marlene Dietrich) beim gemeinsamen Bühnenauftritt

Mit einfachsten Requisiten gestalten die mitspielenden Mimen Arzu Ermen und Steffen Wilhelm erstaunlich schnell immer wieder neue Örtlichkeiten. Erst Garderoben - 1960, in denen sich in Baden-Baden die Dietrich und in Straßburg die Piaf zornig an die gemeinsame Zeit in New York erinnern. Aus weißen Quadern, Türen, Tischelementen bauen sie Toiletten, ein Kettenkarussell, sogar die Matratzengruft der Marlene Dietrich, in die sie sich in Paris bis zu ihrem Tod zurückgezogen hatte. Hinreißende Fotografien - klug eingespielt - zeigen die Originalszenen aus der gemeinsamen Zeit der Diven: die nonchalante, überirdisch schöne Marlene Dietrich und die koboldhafte Edith. Auch beim Küssen, wobei man sieht, dass es ihnen völlig egal ist, was die Welt davon hält.

Für die Kostüme zeichnet Ulla Röhrs, der es geglückt ist, den Glamour der Deutschen und die einfachen Kleidchen der Gassengöre aus Paris jeder der beiden auf den Leib zu schneidern. Den beiden Autoren Boymann und Kahry gelingt es, in Rückblenden, kurz aufeinander folgenden Sequenzen und mit Überspringen von Zeit und Raum die Geschichte der beiden so unterschiedlichen Frauen und ihrer Freundschaft zu erzählen. Dabei singen Susanne Rader und Heleen Joor die jeweils bekanntesten Chansons von „The Boys in the Backroom" bis „Sag mir, wo die Blumen sind" und von „Mylord „ bis „No je regrette rien", wobei immer wieder beide Zwischenbeifall erhielten. Hier aber ganz besonders Heleen Joor, die eine überzeugende, quirlige, freche Piaf spielte. Aber auch Susanne Rader wusste den coolen Glamour und die Unnahbarkeit der Dietrich überzeugend darzustellen. Begleitet werden die beiden live von Cordula Hacke am Klavier und von Vassily Dück am Akkordeon. Arzu Ermen und Steffen Wilhelm agieren in verschiedenen Rollen und füllen jede aus mit großer Präsenz.

altBeide als verliebtes Paar. Fotos: Helmut Seuffert

In der Matratzengruft zum Ende der Vorstellung besucht die ja schon mit 47 Jahren von Morphium, Alkohol und Krankheit zerstörte und verstorbene Edith Piaf die fast neunzigjährige blonde Diva. Und sie stellen fest: Wir bereuen nichts! No je regrette rien!

Es war ein berührender, ergreifender, sehr lohnender Theaterabend. Das Publikum applaudierte, bis es eine Zugabe von jeder der beiden bekam.

Regie führt Daniel Große Boymann, für die Bühne war Tom Grasshof verantwortlich.

Bis zum 26. November ist das Stück zu sehen. Di.-Sa. 20 Uhr, So. 18.Uhr. Mehr unter www.fritzremond.de , Kartentelefon 069 - 43 51 66