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Kunst & KulturBühne › Eine Satire: Die Illusion vom ewigen Glück

Eine Satire: Die Illusion vom ewigen Glück

„Alles über Liebe" das neue Bühnenstück der Komödie ist aus dem Leben gegriffen           von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

13.02.18 || altFRANKFURT (13. Februar 21018) - Es mag sein, dass sich manche Besucher der Komödie in Stefan Eckels satirischem Stück „Alles über Liebe" wieder erkannt haben und dass bestimmte Verhaltensweisen bekannt vorkommen. Aber eigentlich weiß man doch, dass wirkliche Eheprobleme anders aussehen. Auf der weißen Couch der Psychologin Mayer-Wölk (Renan Demirkan) sitzen Anna und Carlos (Tanja Schumann und Giovanni Arvaneh), um sich beraten zu lassen, wie ihre vermeintlich zerrüttete Ehe zu retten sei. Zuweilen ist das vergnüglich, manchmal auch etwas anstrengend. Die teilweise langen Dialoge machen die Inszenierung leider oft etwas zäh.

Aber die Schauspieler auf der Bühne retten vieles durch ihr pointiertes Spiel. Allen voran Renan Demirkan als Psychologin, eine geschiedene Eheberaterin, die ständig bewaffnet mit Kleenex-Tüchern und einem Papierkorb ihrem Reinlichkeitsfimmel auslebt. Sie huscht durch die Szenen, immer verständnisvoll („wir wollen uns erst einmal umarmen"), bis sie dann doch irgendwann die Contenance verliert.

Das Szenenbild zeigt v.l.n.r.: Ehemann Carlos Lima ( Giovanni Arvaneh), Therapeutin Edeltraut Mayer-Wolk( Renan Demirkan), Ehefrau Anna Lima (Tanja Schumann) Foto: Komödie/Bernd Böhner

Das Ehepaar indes wirft sich vieles vor. Anna fühlt sich gestresst durch ihre beiden Kinder - 4 und 11 Jahre alt - die sie offenbar als „Helikopter-Mutter" betreut, zu Spiel, Sport, Schule und Kindergarten fährt und als perfekte Mama allem gerecht werden will. Außerdem glaubt sie, dass ihr Carlos eine Affäre mit seiner Praktikantin hat und fühlt sich ungeliebt, unverstanden und überfordert. Carlos hat als Architekt berufliche Probleme mit seinem Chef, befürchtet, dass die Firma in Insolvenz gehen wird und hat all das seiner Frau nicht anvertraut. Dass er jetzt in einer Paarberatung sitzt, versteht er nicht und hat in seiner 14-jährigen Ehe verlernt, seiner Frau zuzuhören.

Im Therapiezimmer beschimpfen sie sich lauthals, jeder unterbricht den anderen und mit Wonne schlagen sie sich Kissen um die Ohren, die ihnen für den Stressabbau zur Verfügung gestellt worden sind. Tanja Schumann und Giovanni Arvaneh bringen all die Gefühle vom Kuss bis zum einander Anbrüllen überzeugend hinüber zu den Zuschauern. Renan Demirkan als Therapeutin mit Macken, die offensichtlich selbst Hilfe nötig hätte, bedient mit viel Witz das Klischee vom Psychologen, der leicht unterbelichtet ist.

Wenn Anna und Carlos zu Ende des Stücks entdecken, dass sie doch noch tiefe Gefühle für einander hegen, kann der Zuschauer zufrieden sein. Probleme gelöst? Ja? Nun, es ist eine Satire!

Regie führt Jörg Schlachter, für Bühne und Kostüme ist Mark Späth zuständig.

Zu sehen ist „Alles über Liebe" bis zum 18.März 2018 - Theaterkasse Telefon 0 69 284 580 - Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.