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Kunst & KulturBühne › Seine Erinnerungen und sein Repertoire sind die wahren Schätze

Seine Erinnerungen und sein Repertoire sind die wahren Schätze

Walter Renneisen vom Bauernbuben zum Ausnahme-Schauspieler - Er spielt Schlagzeug wie ein junger Drummer - Eine Plauderei mitten aus seinem Leben beim RMF           von Karl-Heinz Stier und Ingeborg Fischer

17.08.18 || altRAUENTHAL/BAIKEN (16. August 2018) - „Aus dem Leben eines Taugenichts" heißt Walter Renneisens Solo-Programm , mit dem er im Zelt der Domäne Rauenthal im Baiken auf der Bühne stand. Wie in jedem Jahr erfreut er im Rahmen des Rheingau Musik Festival das Publikum, und seine Vorstellung war wieder ausverkauft. Und selbstverständlich ist klar: Mit dem Titel straft sich der beliebte hessische Mime selbst Lügen. Denn er ist alles andere als ein Taugenichts. Er ist ein Ausnahmekünstler und in ganz Deutschland beliebt und sehr erfolgreich. Er hat Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie studiert und ist hoch geehrt mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Hessischen Verdienstorden, dem Rheingau-Musik-Preis und dem Bundesverdienstkreuz am Bande.

Foto: RMF/Ansgar Klostermann

Als er Heinz Erhardt mit den Zeilen zitierte: „Nicht jeder, der die Bretter, die die Welt bedeuten betritt, merkt, dass er auf dem Holzweg ist.." waren sich seine Zuschauer einig, dass Renneisen da ganz sicher nicht gelandet ist.

Es war sehr aufschlussreich, was er über seine Vergangenheit zu erzählen hatte, und dabei gab er viel von sich preis. 1940 geboren und aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof in der Nähe von Mainz, lebte er mit seinen Eltern unter ärmlichsten Verhältnissen. „De Klo" war ein Häuschen mit Herz, einem Brett mit Loch und einem Nagel an der Wand, an dem zugeschnittenes Zeitungspapier hing. Er erzählte von Leib- und Seelhosen, kratzenden Strümpfen mit Strumpfbändern und auch von der Demütigung und den Schlägen durch prügelnde Lehrer in der Schulzeit. Er musste im Gymnasium eine Klasse wiederholen und wurde vom Pädagogen angeherrscht: „Hockebleiwer uffstehn!"

Die Nachkriegszeit mit „Kippe-Stechen", Kartenspielen „Zuban, Mokri, Overstolz" aus weg geworfenen Zigarettenschachteln und Klickerspielen lebte wieder auf. Und dann sang er. „Mit laafe barfuß uff de Gass erum unn kaue Schuing-Gum (chewing gum) - was sin die Leut so dumm!" Die „Amis" waren in sein Dorf eingezogen.

"When the saints go marching in" bläst Walter Renneisen immer noch gekonnt auf der Trompete. Und er singt und spielt Satchmos „What e wonderful world" und trommelt auf seinem Schlagzeug aus den 1960ern mit seinen 78 Jahren wie ein junger Drummer. Seine Liebe zu Benny Goodman, Glenn Miller, Bill Haley und Louis Armstrong ist ihm geblieben. Rock around the clock, Blueberry Hill, Tutti Frutti, bei diesen Erinnerungen klatschte das Publikum begeistert. Auch sein Original-Rennrad - 1953 erstanden - hatte er mitgebracht. Dafür hat er zwei Jahre nebenbei in einer Fabrik geschuftet.

Im zweiten Teil plaudert er von seinen Anfängen als Schauspieler, erzählt Anekdoten rund ums Theater, aus seinem Leben als Film- und Fernsehkünstler und entlarvt die Welt des Showbusiness als gar nicht so glitzernd Er erinnert sich an große und kleine Schauspiel-Kollegen und Kolleginnen, ihre kleinen Macken, an Gemeinheiten und Freundlichkeiten, an Souffleusen, lustige Versprecher auf der Bühne und Rollen, die er gespielt hat.

Ein wenig verfranst er sich da, greift zu Kalauern, die jeder kennt und eigentlich völlig unnötig waren. Er wirkt leicht unkonzentriert und wiederholt sich auch. Doch seine Erinnerungen und sein Repertoire als Schauspieler sind die wahren Schätze des Walter Renneisen, und daran ließ er die Menschen an diesem Abend teilhaben.

„Applaus ist eines der wenigen Dinge, die heute noch mit der Hand gemacht werden" sagte er seinem Publikum. Und die Menschen im Zelt im Baiken standen auf und applaudierten ihm mit vollem Herzen.