Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

Kunst & KulturBühne › „Wär`n mer nur dehaam geblibbe“

„Wär`n mer nur dehaam geblibbe“

Ulrike Neradt & Friends erzählen von ihren Reisebegegnungen           von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

17.08.20 || DREIEICH-SPRENDLINGEN (17. August  2020) - „Luft und Liebe" - kulturelle Grundversorgung auf der Parkterrasse am Bürgerhaus Dreieich-Sprendlingen - hatte eingeladen, und die Sitzgelegenheiten im Grünen waren voll besetzt, soweit es die Corona-Maßnahmen zuließen. Ein froh gestimmtes Publikum erwartete die Chansonette und Autorin aus Martinsthal, Ulrike Neradt, die aus ihrem Buch „Wär`n mer nur dehaam geblibbe" in Rheingauer Mundart plauderte. Unterstützt wurde sie von dem Sänger Michael Senzig, der begleitet vom Pianisten Jürgen Steck, passende Lieder beisteuerte.

Ulrike Neradt begrüßte zunächst ihr Publikum mit einem aktuell nützlichen Tipp zur Maskenpflicht. Zwei kleine zusätzliche Knoten, selbst an der einfachsten Maske, lassen tatsächlich mehr Luft zum Atmen. Rundum wurde das sofort ausprobiert und mit Applaus belohnt.

altNeradt & Friends auf der Parkterrassenbühne am Bürgerhaus Sprendlingen

In ihrem vortrefflichen Rheingauer Dialekt resümierte die ehemalige deutsche Weinkönigin über Urlaubserfahrungen, Reisen und lustige Begebenheiten, die es ohne Zweifel wert sind, erzählt zu werden.

Ihr erster Campingurlaub, der über den Brenner nach Italien führte, war in ihrer Kindheit ein kleines Abenteuer. Und die kleine Schwester hat schon kurz nach Darmstadt gefragt: „Sin mer bald da, Babba?" Dass beim Campen dann „Aamuzzele" im Zelt krabbelten, war nicht sehr angenehm. Verständlich, denn „Aamuzzele" ist Rheingauerisch und heißt Ameisen. Senzig sang dazu das Sehnsuchtslied der 50-er Jahre „Wenn bei Capri die rote Sonne ..." mit dem Refrain „Bella, bella Marie". Ach ja, bella Italia!

Ulrike Neradt beim beim Singen und erzählen (rechts)

Weiter ging die Plauderei mit der Geschichte von der Oma, die am Lago Maggiore einen Kampf mit einer Wespe ausfochte und nur knapp dem „Ersauf-Tod" entkommen ist.

Selbst nach Südostasien konnte Ulrike Neradt in ihrem Jahr als Weinkönigin auf Einladung des damaligen OB von Mainz, Jockel Fuchs, reisen, um Werbung für den Deutschen Wein in knallrotem Dirndl mit Krönchen auf den blonden Locken zu machen. Die spannende Reise führte auch nach Tokio, wo sich ein japanischer Kinderchor an dem deutschen Lied „Sah ein Knab ein „L"röslein stehn..." versuchte und nach Bangkok , wo die junge Ulrike aus Versehen in einem Thai-Massage-Puff landete.

In späteren Jahren machte sie mit Ihrem Ehemann auch einen Besuch in New York und war sprachlos. Ein Steak kostete schon damals über 80 Dollar, ganz zu schweigen vom Eintritt zu der Oper Tosca in der Met oder der Übernachtung im Hotel Waldorf Astoria für 500 Dollar. Es war eine teure Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Passend dazu sang dann der Tenor Frank Sinatras „New York, New York".

Amüsant war auch, als Ulrike Neradt von ihrer Reise in die Toscana, mit ihrer verschwundenen Handtasche vorlas und ihre sehr unberechtigte Vorurteile gegenüber „diebischen" Italienern eingestand.

Alle beim Schlussapplaus des Publikums.Fotos (4): Karl-Heinz Stier

Eingeladen ins Schmidt-Theater auf der Reeperbahn war Ulrike, um Chansons zum Besten zu geben, was sie als große Chance sah. Vergnüglich war deshalb zu erfahren, was sie auf der Reeperbahn mit einer zerrissenen Strumpfhose erlebte und warum zwei Kondome in ihrer Handtasche landeten.

Weil man nicht nur daheim in Martinsthal bleibt, sondern auch einmal die Kerwe in Rauenthal besucht, amüsierte die Geschichte von den Kerweborsche Herbert, Kall und Schorsch. Beinahe hätten die Besucher beim „Heute blau und morgen blau und übermorgen wieder..." mit geschunkelt.

Weil weitgereiste und kulturbeflissene Menschen auch unbedingt einmal bei den Festspielen in Bregenz sein sollten, endete der bezaubernde Abend mit einer Anekdote von dort. Auf der Seebühne wurde „Turandot" aufgeführt. Michael Senzig versuchte sich dann an „Nessun dorma". Damit war er allerdings überfordert.

Herzlicher, lang anhaltender Beifall belohnte aber nach Ende der Vorstellung Ulrike Neradt, den Sänger und den Pianisten. Der Sommerabend am Bürgerhaus Sprendlingen hatte sich gelohnt.

"Luft und Liebe" sorgt für die kulturelle Grundversorgung  des Sommers          von Ralph Delhees


Bis zum 5. September wurde jetzt die Veranstaltungsreihe "Luft und Liebe" mit einem abwechslungsreichen Programm verlängert, damit wird für eine „kulturelle Grundversorgung Dreieichs" im diesem Sommer gesorgt, nachdem wegen Corona die Burgfestspiele abgesagt wurden.

Insgesamt stehen auf der Parkterrasse am Bürgerhaus 130 Sitzplätze zur Verfügung. Auf die in diesen Zeiten notwendigen Hygienemaßnahmen und Mindestabstände wie 1,5 Meter wird streng geachtet.

Der Eintritt für alle Veranstaltungen beträgt 15 Euro. Karten gibt es beim Ticket Service Dreieich.


Da es auch wegen Corona leider kein Maislabyrinth in Götzenhain gibt, wurde die Reihe „Kultur im Mais" auf die Parkterrasse am Bürgerhaus ins Programm „Luft & Liebe" verlegt.

Neben den angekündigten Veranstaltungen im Zelt am Maislabyrinth stehen eine Krimilesung mit Weinprobe und eine Vorpremiere von Vince Ebert auf dem Programm.

Die Veranstaltungen beginnen alle um 20.15 Uhr. Ausgenommen sind die Lesungen am 23. und 30.8., diese finden um 11 Uhr im Bürgerhaus statt.

Die Eintrittspreise erhöhen sich auf 15 Euro (Lesungen 7 bzw 9,50 Euro). Bereits gekaufte Karten behalten auch für die Parkterrasse ihre Gültigkeit.