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Beliebte Filmreihe "Double Feature" auch in 2015 wieder in der Schirn

Im Programm bis März sind die Filmkünstler Luke Fowler, Marine Hugonnier und Heather Phillipson

25.01.15 || altFRANKFURT (24. Januar 2015) - „Double Feature", die beliebte monatliche Filmreihe der Schirn Kunsthalle Frankfurt, wird auch 2015 mit nationalen und internationalen Filmkünstlerinnen und -künstlern fortgesetzt. Künstler, die dem Publikum bereits bekannt sind, aber auch Neuentdeckungen der Szene stellen ihre eigene aktuelle Produktion vor und zeigen im Anschluss ihren persönlichen Lieblingsfilm: Weiter geht es im jeweils für diesen Anlass eingerichteten Kinosaal der Schirn am 28. Januar mit Luke Fowler, am 25. Februar mit Marine Hugonnier und am 18. März 2015 mit Heather Phillipson.

Luke Fowler zeigt „To the editor of Amateur Photographer" und „Paris is burning"


Mittwoch, 28. Januar 2015, Einlass 19.00 Uhr, Beginn 19.30 Uhr - Schirn Kunsthalle Frankfurt, Eintritt frei, ohne Anmeldung - Der Künstler ist anwesend.

Der in Glasgow lebende Luke Fowler (*1978) ist bekannt für seine filmischen Porträts berühmter Persönlichkeiten, etwa des marxistischen Historikers und Mitbegründers der „Cultural Studies" Edward Palmer Thompson oder des schottischen Psychiaters und Schizophrenie-Forschers Ronald D. Laing. Für die Arbeit zu Laing wurde Fowler 2012 für den Turner-Preis nominiert. Fowler kombiniert in seinen Filmen sowohl eigene Aufnahmen als auch dokumentarisches Material, wie etwa Interviews und Fotografien. Somit stehen seine Werke in der Tradition des Dokumentarfilms, wobei sie zugleich die Grenzen dieses Genres sprengen.

altPortrait des Künstlers Luke Fowler.Foto: © Alan Dimmick/courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln

In der Schirn zeigt er eine Co-Produktion mit dem interdisziplinären Soundkünstler Mark Fell (*1966): „To the editor of Amateur Photographer" (2014, 70 Min.) arbeitet anhand von historischen Fragmenten und Zeugnissen die komplexe und umstrittene Geschichte des ersten Britischen Zentrums für Weibliche Fotografie auf, dem „Pavilion" in Leeds. Indem Fowler und Fell die Problematik, Historie anhand von Archivmaterial und persönlichen Erinnerungen zu beleuchten, in den Vordergrund stellen, untersuchen sie eine radikale inhaltliche Verschiebung im Medium Fotografie an sich.

Auch Sound spielt in „To the editor of Amateur Photographer" eine zentrale Rolle und wird genauso analytisch und hermeneutisch wie das Bildmaterial eingesetzt. Im Anschluss wird der Lieblingsfilm des Künstlers „Paris is burning" (1990, 76 Min) gezeigt. Das unter der Regie von Jennie Livingston in den 1980er-Jahren gedrehte Werk zeichnet die damaligen Communities diverser Minderheiten in New York City, wie Afro-Amerikaner, Latino oder Homosexuellen nach. Der Film gilt als einer der wichtigsten Dokumentationen über das Ende des „Goldenen Zeitalters" der Stadt und wird bis heute als intensive Betrachtung der damaligen Problematiken zu Rasse, Klasse, Geschlecht und Sexualität in den U.S.A. gewürdigt.

Marine Hugonnier kommt mit der Produktion „Apicula Enigma" („Das Geheimnis der Biene") und ihrem Lieblingswerk „Honors of the Knights


Mittwoch, 25. Februar 2015, Einlass 19.00 Uhr, Beginn 19.30 Uhr - Schirn Kunsthalle Frankfurt, Eintritt frei, ohne Anmeldung - Die Künstlerin ist anwesend.

„Ich sehe Landschaft als eine Art kulturelle Vermittlung, als einen sozialen Kontrast und ich versuche zu verstehen wie diese die Geschichte geformt und beeinflusst hat," so Marine Hugonnier. Die Werke der 1969 in Paris geborenen und heute in London lebenden Künstlerin sind Manifestationen sozialer Veränderungen. Geprägt durch einen anthropologischen und philosophischen Hintergrund vertritt sie die These, dass sowohl Film als auch Fotografie seit dem 19. Jahrhundert eine spezifisch ideologische Wahrnehmung darstellen, die oft neue Formen der Auseinandersetzung und Wiedergabe einer durchaus expansionistischen Tendenz widerspiegeln. Aufgrund dieser Annahme suchte Hugonnier weit entfernte oder entlegene Länder beziehungsweise Landschaften, wie etwa Afghanistan, die Schweizer Alpen und Brasilien, für ihre Filmaufnahmen auf, umso eine Diskussion über unterschiedliche Rezeptionen anzustoßen. Was soll einem Publikum vermittelt, was vorenthalten werden?

altPorträt der Künstlerin Marine Hugonnier. Foto: © Marine Hugonnier

In der Reihe „Double Feature" zeigt Hugonnier die Produktion „Apicula Enigma" (dt.: „Das Geheimnis der Biene") (2013, 26 Min.), der sie in die Koschuta Bergregion zwischen Österreich und Slowien führt. Eine Tierdokumentation anderer Art: Der Bienenstock wird zur Black Box und die Welt als großes Ganzes gezeigt. Dem Betrachter wird das Filmset nicht vorenthalten, sondern im Gegenteil mit dem Objekt des Films, den Bienen, offensichtlich in Beziehung gesetzt. Hugonnier thematisiert hierdurch sowohl die Instrumentalisierung von Tieren als auch die Vergleichbarkeit eines Bienenstaates mit der politischen Ordnung einer Gesellschaft.

Eine urtümlich, unberührte Landschaft ist die Szenerie des Lieblingswerks Hugonniers, das im Anschluss an „Apicula Enigma" in der Schirn gezeigt wird. „Honors of the Knights (org. „Honor de cavalleria") des spanischen Regisseurs Albert Serra ist eine minimalistische Adaption der berühmten Don Quixote-Geschichte, in der allerdings alle Objekte, wie etwa Windmühlen, aus einer surreal anmutenden Natur entfernt wurden und die sich nur auf die Beziehung der Protagonisten mit derselben konzentriert.

Heather Phillipson wird sich ihrem Publikum stellen im „Double Feature"-Format und mit einem Lieblingsfilm


Mittwoch, 18. März 2015, Einlass 19.00 Uhr, Beginn 19.30 Uhr - Schirn Kunsthalle Frankfurt, Eintritt frei, ohne Anmeldung - Die Künstlerin ist anwesend.

Markant sind die visuell ansprechenden, farbenfrohen Welten, die Heather Phillipson (*1978) in ihrer Kunst kreiert: Sichtbar montierte Collagen, von heterogenen Dingen. Der Betrachter wird einem Zu- viel der Eindrücke - einem Exzess gleich ausgesetzt. Ihm begegnet ein Smash-Up kultureller Referenzen aus der digitalen Welt. Phillipson sucht nach der maximalen Spannung zwischen den Dingen, um eine Dynamik zu entwickeln und bricht dabei etablierte Ordnungsschemen. So ist der wichtigste Arbeitsschritt der in London geborenen Künstlerin auch das Editieren beziehungsweise Schneiden eines Films. Ihr Filmmaterial bezieht sie schlicht aus dem Internet oder dreht selbst kurze Filmsequenzen mit der Handkamera.

altPorträt der Künstlerin Heather Phillipson: Foto: © Jamie Hawkesworth

Neben dem visuellen Element komplementieren Sound und Sprache ihre Videos. Phillipson, die auch als mehrfach ausgezeichnete Literatin arbeitet, hält sich jedoch auch in ihren Texten nicht an sprachliche Regeln, sondern versucht diese gerade im Gegenteil zu unterwandern und lässt dadurch eine ganz besondere Poesie entstehen. Sie steigert die Absurdität in dem sich Bild, Sound und Text ebenfalls nicht sofort fassbar aufeinander beziehen. Es gibt keinen Plot oder eine Erzählung, anstatt ihre Arbeit auf eine Essenz zu komprimieren, möchte sie sie lieber so offen halten, dass dem Betrachter eine Vielfalt an Erkenntnismöglichkeiten geboten wird.

Heather Phillipson, die ab dem 20. November 2015 in einer Einzelpräsentation in der Schirn zu sehen ist, wird sich im „Double Feature"-Format zwischen ihrem eigenen Film und einem von ihr ausgewählten Lieblingsfilm den Fragen des Publikums stellen. (ab/skhf)

Ort: Schirm Kunsthalle Frankfurt, Römerberg, 60311 Frankfurt
Datum: Jeder letzte Mittwoch im Monat, Einlass 19.00 Uhr, Beginn 19.30 Uhr
Eintritt: frei, ohne Anmeldung
Kuratoren: Katharina Dohm, Katharina Knacker, Matthias Ulrich
Information:www.schirn.de E-MAIL Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
Telefon:(+49-69) 29 98 82-0; Fax(+49-69) 29 98 82-240; Online-Magazin: www.schirn-magazin.de