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Kunst & KulturFilm › Filmfestival Transito. Elvira Notari verspricht einzigartige Kinoerlebnisse

Filmfestival Transito. Elvira Notari verspricht einzigartige Kinoerlebnisse

Kinothek Asta Nielsen e.V. - Kino der Passage - 14.-17. Dezember Festival mit italienischem Flair mit Live-Musik, Vorträgen und Diskussion           von Renate Feyerbacher

13.12.17 || altFRANKFURT (12. Dezember 2017) - Die Kinothek Asta Nielsen hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1999 zu einer anerkannten Institution in der Welt der Filmkunst entwickelt. Das Expertenwissen ihrer Mitbegründerinnen Karola Gramann und Heide Schlüpmann ist europaweit gefragt. Eine Leistung, die auch der Stadt Frankfurt am Main Glanz verleiht. Die Kinothek in der Frankfurter Stiftstrasse 2 schreibt Filmgeschichte und knüpft dabei „an die losen Enden der Filmarbeit der neueren Frauenbewegung in Theorie und Praxis an." Den Mitbegründerinnen dieser einmaligen Einrichtung, Karola Gramann und Heide Schlüpmann, wurde in diesem Jahr der Binding Kulturpreis, dotiert mit 50.000 Euro, im Römer verliehen.

Die Kinothek Asta Nielsen leiste mit all diesen Aktivitäten einen unschätzbaren Beitrag zur Errettung des Filmerbes und werde deshalb in diesem Jahr mit dem Binding-Kulturpreis ausgezeichnet, so die Jurybegründung unter dem Vorsitzenden Professor Dr. Felix Semmelroth. Die feierliche Laudatio hielt Verena Lueken, Film- und Literaturkritikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Das Kino ist eine Kunstform und gleichzeitig eine Kulturtechnik. Sie nicht verloren zu geben in der Welt der digitalen Bilderfülle, in der wir leben, wie es die Kinothek Asta Nielsen tut, das ist keineswegs eine rückwärtsgewandte Sehnsucht, sondern neben der Lust auch ein Stück Widerstand. Es ist eine Haltung, die für eine bestimmte Qualität von Publikumserfahrung eintritt." Oberbürgermeister Feldmann bezeichnete die Arbeit der Kinothek Asta Nielsen als „hervorragendes Beispiel, wie vernetzte Kulturarbeit funktioniert und was man Großartiges auf die Beine stellen kann", wenn man Synergien nutze.

Der Binding Kulturpreis 2017, dotiert mit 50.000 Euro, wurde während einer Feierstunde  im Frankfurter Römer am 2. September überreicht. Das Bild zeigt von links Otto Völker (Vorstand der Binding-Brauerei), Rosely Schweizer (Vertreterin der Unternehmerfamilie Oetker), Karola Gramann und Heide Schlüpmann - verdeckt - (Kinothek Asta Nielsen e.V) und Oberbürgermeister Peter Feldmann. Foto: Stadt Frankfurt/Rüffer

Keine Filmrollen-Dosen in der Kinothek, dafür Treff der Hobbyfilmer am Home Movie Day


Das Kunstwort Kinothek setzt sich aus den Worten Kino und Bibliothek zusammen. Unter dem Namen Kinothek sammelte der italienische Filmkomponist, Dirigent, Schauspieler und Krimiautor Giuseppe Becce (1877- 1973) verschiedene Musikstücke, die sich für typische Szenen der Stummfilme eigneten. Ein Schatz früher Filmgeschichte für die Musik, nicht aber für die alten Zelloloidfilme.

Der große, kühle Raum der Kinothek in der Stiftstrasse direkt unter dem Dach beherbergt keine Filmrollen-Dosen. Die alten Filme lagern im gekühlten Archivraum der Goethe-Universität, den seinerzeit Professorin e.m. Dr. Heide Schlüpmann initiierte. In der Stiftstrasse mitten in der Innenstadt ist das Papier-Archiv und gelegentlich der Treff der Hobbyfilmer mit ihren Schmalfilmen und Super 8 Filmen, wenn der Home Movie Day stattfindet. „Da sind alle eingeladen, ihre 8 mm und Super 8 Filme, die sie schon lange nicht mehr gesehen haben, einzupacken und von Fachleuten technisch und filmisch kenntnisreich anschauen und projizieren zu lassen.„Was uns interessiert, sind: Familiengeschichte, Geschlechterverhältnisse, Taufen, Hochzeiten, Einschulungen. Da sind diese Filme so aufschlussreich, einfach toll", schwärmt Karola Gramann, die Mitte der 80er Jahre das Internationale Kurzfilmfestival Oberhausen leitete und ein Dozentur an der Goethe Universität hatte.

altAm Schreibtisch die Mitbegründerinnen der Kinothek Asta Nielsen (v.lks.) Heide Schlüpmann und Karola Gramann

Alte Spiel- und Dokumentarfilme werden immer wieder im Mal Seh'n Kino, im Filmmuseum und im Unikino Pupille, um nur einige zu nennen, gezeigt, denn die Kinothek Asta Nielsen hat kein eignes Kino.

Im Gespräch erzählten die Filmhistorikerinnen, wie es zu der Namensgebung des Vereins kam. Es sei keine leichte Entscheidung gewesen, einen Namen zu finden für einen Verein, der bestimmte Ziele verfolge. Verschiedene Aspekte gab es dann, den Verein nach dem großen Star der Stummfilmzeit Asta Nielsen (1881- 1972) zu benennen, wie Karola Gramann betont: „Sie verkörpert für uns die Möglichkeit, die Frauen vor allem in der Frühzeit des Kinos hatten, sich eben nicht nur vor der Kamera zu realisieren, sondern Einfluss zu nehmen auf die gesamte Filmproduktion bis in die Regie, bis in die Technik, in die Kostümgestaltung. [..] Wir wollten eine Frau von ihrer Stärke, von ihrem Glanz nehmen. Wir haben sie unseren Fixstern genannt."

Karola Gramann und Heide Schlüpmann, die sich seit 1978 kennen, befreundet sind und seitdem ununterbrochen zusammen arbeiten, sind filmhistorische Entdeckerinnen, Bewahrerinnen, Autorinnen und Initiatorinnen. Das zweibändige, opulente Werk über Asta Nielsen wurde bei der Binding Preisverleihung im Römer am 2. September besonders erwähnt. ( „Asta Nielsen 1 - Unmögliche Liebe. Asta Nielsen, ihr Kino" und „Nachtfalter - Asta Nielsen, ihe Filme" Verlag Filmarchiv Austria" 2009).

Das Plakat zum Filmfestival, dass am Donnerstag beginnt und bis Sonntag andauert

Ein einmaliges Ereignis ab Donnerstag:TRANSITO. ELVIRA NOTARI - KINO DER PASSAGE


Unermüdlich planen die beiden Frauen Projekte. Nun steht ab Donnerstag, den 14. Dezember, ein einmaliges Ereignis bevor: TRANSITO. ELVIRA NOTARI - KINO DER PASSAGE. Es ist eine mehrtägige Hommage für die erste italienische Filmregisseurin, eine Annäherung an das fragmentarische Erbe dieser Film-Pionierin, eine Hommage für frühe, weibliche Filmarbeit. Regisseurin, Schauspielerin, Drehbuchautorin, Produzentin und Verleiherin - das war Elvira Notari, genannt „der General". In der nach ihrer jüngsten Tochter benannten Dora Filmproduktion in Neapel arbeitete sie mit ihrem Ehemann, der die Kameraarbeit verantwortete, und ihrem Sohn Edoardo, der in ihren Filmen den Jungen „Gennariello" spielte. Ein Familienunternehmen. In 25 Jahren drehte sie 60 - 70 Spielfilme und hunderte von Kurzfilmen und Aktualitäten, von denen nur wenige erhalten sind. Immer führte sie Regie. Sie machte Filme für Neapolitaner. Es waren „vor allem kleinbürgerliche Frauen, die entsprechend voller kultureller Referenzen und vertrauter sozialer Situationen waren." (Zitat aus Beitrag Kim Tomadjoglou aus der Broschüre, die anlässlich des Filmfestival von der Kinothek herausgegeben wird.)

Zwei musikalische Uraufführungen


Edoardos schöne, sinnliche Mathematik-Lehrerin Rosè Angione war oft in der Rolle der femme fatale eingesetzt. Sie ist die Hauptdarstellerin im Film ‚`A Santanotte‘ (1922), der am Eröffnungsabend am Donnerstag gezeigt wird. Der 61 minütige, restaurierte Film (35 mm) wird mit Sologesang von Lucilla Galleazzi aus Rom, eine der profiliertesten Sängerinnen der neuen italienischen Volksmusik, präsentiert. Michael Riessler, Komponist und Klarinettist, der sich zwischen Jazz und moderner Musik bewegt, der die Sängerin schon lange kennt, hat im Auftrag von ZDF / ARTE die Musik zum Film komponiert und arrangiert - eine Uraufführung also.

Und noch eine musikalische Uraufführung gibt es am Samstag, den 16.12., beim Film „E‘ Piccerella" von Elvira Notari (1922). Die Komponisten sind Enrico Melozzi (Rom) und Lorenzo Riessler (London), die live dabei sind. Live-Performences präsentieren die Sängerin und Akkordeonspielerin Dolores Melodia zusammen mit Michele Signore, Violine und Mandoline. Noch eine dritte Uraufführung, ein Auftragswerk von der Kinothek Asta Nielsen, kommt von Federico Odling aus Neapel. Der Cellist und die Stummfilmmusikerin Maud Melissen.begleiten den Film „Vedi Napoli e po‘ mori" (1924) von Eugenio Perego. 15 Kurz- und Lang-Filme, Fragmente sowie eine Vielzahl von Vorträgen und Gesprächsrunden und ein Workshop gehören zum Programm.

altFrankfurt wird mehrere Tage vom italienischen Flair erfüllt sein. Von links:  Medienprofessor Martin Loiperdinger, Heide Schlüpmann, Karola Gramann, unterstützt von Gaby Babić, bisherige Leiterin von goEast -Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden und ab Januar 2018 Ko-Leiterin der Kinothek Asta Nielsen, haben ein außergewöhnliches Film- und Musikereignis organisiert. Fotos (3): Renate Feyerbacher

Die Wiener Filmemacherin Ruth Beckermann wird mit ihrem Beitrag „Those Who Go Those
Who Stay", der vom Unterwegssein erzählt, am Sonntagvormittag den Abschluss machen.
„Ein Aspekt des Gesamtprogramms ist die Migration. Neapel war ein großer Migrationshafen und Notari selber hat ihre Filme immer nach Übersee geschickt auch mit Musikern.

Die italienischen Communities waren natürlich scharf auf Bilder aus der Heimat und haben sie beauftragt, Filme in der Heimat zu drehen", erläutert Heide Schlüpmann. Die Zensur blieb nicht aus als Benito Mussolini 1922 an die Macht kam. Dennoch gelang es Notari, diese auszutricksen.

Und wer noch mehr informiert werden will über Elvira Notaris Cinema und über neapolitanische Kultur, der begibt sich ins Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Goethe Universität. Dort findet von 17. bis 19.12 ein internationales Symposium statt - allerdings in Englisch.

Es wird spannende Tage im Uni-Kino Pupille, Studierendenhaus Campus Bockenheim, Mertonstr.26-28, dem Festivalort geben.

http://www.kinothek-asta-nielsen.de/Notari/presse.html
http://www.elviranotarisyposium.de