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Kunst & KulturLiteratur › Hübsch, freundlich und gemütlich

Hübsch, freundlich und gemütlich

Die Lyrikerin Olga Martynova erzählt über Frankfurt

02.02.09 || FRANKFURT (2. Februar 2009) - In der vom Institut für Stadtgeschichte veranstalteten literarischen Reihe "Frankfurt-er-lesen" wird am Montag, 9. Februar, um 19 Uhr Olga Martynova - unter Mitwirkung von Oleg Jurjew - im Archäologischen Museum, Karmelitergasse 1, "über Frankfurt über Gedichte über Frankfurt" erzählen.

Die 1962 geborene Lyrikerin ist in Leningrad aufgewachsen und lebt seit 1991 in Deutschland. Olga Martynova über sich: "Vor vielen, vielen Jahren lag ich - ein Kind damals - in einem Leningrader Krankenhaus und blätterte in einem Bilderbuch.

Das Buch erzählte kleinen russischen Kindern von dem großen deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Ach nein, das reaktionäre "von" hat man uns damals vorenthalten. Die Zensur, verstehen Sie... Von dem großen deutschen Dichter Johann Wolfgang Goethe also. Am meisten beeindruckte mich, wie man nach den Regeln der russischen Grammatik den Namen seiner Geburtsstadt schrieb, mit zwei Bindestrichen, beidseitig am "am": Frankfurt-am-Main. Seither fühlte ich mich dieser Stadt mit diesen Bindestrichen ein wenig verbunden und war später recht enttäuscht, dass ich diese Bindestriche in der deutschen Schreibweise entbehren musste.

Seit abermals vielen Jahren lebe ich nun in Frankfurt, es hat sich so ergeben. Die Brücken über den Main ersetzten mir meine russischen Bindestriche. Ich bin zwischen "innen" und "außen" geraten - die unsichtbaren Bindestriche um mich zeigen in die beiden Richtungen. Von innen betrachtet ist Frankfurt ein kleines nettes Städtchens mit dem Flair einer schicken Großstadt, die ihren Bewohnern großzügig Freiheit zumisst (Leningrad/Petersburg, in dem ich aufgewachsen bin, ist eine schicke Großstadt mit dem Charakter eines engen Städtchen, das dich nie ganz frei von sich lässt).

Von außen: meistens kennen unsere Nicht-Frankfurter-Freunde den Bahnhof, den Flughafen und die Buchmesse. Und sie haben ein seltsames, verzerrtes Bild von Frankfurt. Wenn sie in der Stadt sind und etwas Zeit haben, sehen wir es als unsere Aufgabe an, ihnen vorzuführen, dass Frankfurt hübsch, freundlich und gemütlich ist. Und klein - ein Spielzeugstädtchen unter den blank geputzten Legotürmen. Und bis jetzt ist uns das immer gelungen, meinen wir."

Olga Martynova hat vier Lyrikbände veröffentlicht, zuletzt erschien in deutscher Sprache der Gedichtband "Rom liegt irgendwo in Russland" (zusammen mit Jelena Schwarz) in der edition per procura, Wien. Sie publiziert Gedichte, Essays und schreibt Buchrezensionen für mehrere deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften.

"Frankfurt von außen" ist die Lyrikseite im Kulturmagazin 069, von Olga Martynova konzipiert und geführt. Oleg Jurjew, geb. 1959 in Leningrad, lebt seit 1991 in Deutschland, und hat Lyrik, Prosa und Theaterstücke veröffentlicht.

In deutscher Übersetzung erscheinen seine Bücher im Suhrkamp Verlag, zuletzt: "Zwanzig Facetten der russischen Natur", Insel-Bücherei 2008. Ende Februar 2009 kommt sein neuer Roman "Die russische Fracht" heraus. Der Eintritt zu der Veranstaltung kostet vier Euro. (pia)