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Kunst & KulturMusik › Tönende Geburtstagsgrüße für Antonin Dvorak

Tönende Geburtstagsgrüße für Antonin Dvorak

Enoch zu Guttenberg und Yannick Nezet-Seguin feierten seinen 175. Geburtstag - RMF Teil II           von Britta Steiner-Rinneberg

05.07.16 || altKLOSTER EBERBACH/WIESBADEN (04. Juli 2016) - Mit der Aufführung von Dvoraks Ende des 19.Jahrhunderts in Birmingham heraus gekommenem „Requiem", dem Gipfel seiner geistigen Vokalmusik, sorgten unter straffer Leitung Enoch zu Guttenbergs das Orchester der KlangVerwaltung und die Chorgemeinschaft Neubeuern in Kloster Eberbach für einen zweiten, herausragenden Abend. Er war mitreißend, verstörte und bannte zugleich und wurde zum Schluss mit stehenden Ovationen bedankt.

Die von innerem Sturm gejagte Aufführung des divergierenden, immer wieder von abrupten Bewusstseinszuständen geprägten, dramatischen Werks, das mit seinen Passagen des Innehaltens und der Stille bezwang, brachte die Hörer zu Einkehr und Besinnung. Das den Gipfel von Dvoraks geistiger Vokalmusik darstellende „Requiem" ließ mit der vom Dirigenten betonten Wucht der Interpretation. in der sich aufkeimende Freude und tiefe Versunkenheit als rettende Inseln der Ruhe und Geborgenheit erwiesen. bis zum Schluss angespannt folgen. Zu den Höhepunkten des „Requiems" gehörte vor allem das „Lacrymosa" des ersten Teils mit dem subtil ausbalancierten, vierstimmigen Chor „Wenn laut die Posaune erklang und durch der Erde Gräber drang".

altSzene aus dem Dvorak-Requiems unter Leitung von Enoch zu Guttenberg mit den vier Solisten, dem Orchester KlangVerwaltung und der Chorgemeinschaft Neubeuern

Eine mit zwingender Kraft und trotz aller Härte des Ausdrucks faszinierende Aufführung, die das Publikum aufwühlte. Kaum ein Ende nehmender, begeisterter Beifall war der Dank der Zuhörer, der gleichermaßen dem grandiosen Münchner Chor, dem vorzüglich begleitenden Orchester unter Guttenbergs an Sänger und Musiker höchste Ansprüche stellender, präziser Stabführung galt und den glänzenden Solisten. Das Publikum wird den Abend fest im Gedächtnis behalten: Den Bassisten Felix Speer, der mit prominenten Dirigenten seit längerem auf Festivals zusammen arbeitet, den Tenor Attilio Glaser, der vorwiegend Messen von Mozart, Schubert und Bach singt, die aus München stammende, als Opern- wie Liedsängerin gefeierte Sopranistin Susanne Bernhard und die Altistin Julia Faylenbogen, die ihre Ausbildung in Odessa begann und seit dieser Saison dem Mannheimer Nationaltheater angehört.

Guttenbergs keine Halbheiten duldende, straffe und vitale Präsentation des Werks wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen für den im Rheingau bestens bekannten Dirigenten lebhaft gefeiert, desgleichen die von ihm ausgewählten Sängerinnen und Sänger und das bestgeschulte Orchester der KlangVerwaltung. Der Beifall galt nicht minder Dvoraks ebenso stürmischen wie zauberhaft-ätherischen Klängen seines berühmten Werks, das man im Festival zwar nicht zum ersten Mal erlebte, aber in des Dirigenten klug durchdachter Ausdeutung besonders mahnend und packend. Langer, reicher Beifall für den Dirigenten, seinen präzis geführten Chor und das ganz vorzügliche Orchester!

Berliner Philharmoniker erstmals beim RMF


Um den 175. Geburtstag des tschechischen Komponisten ein weiteres Mal gemeinsam zu feiern. war ein großes Publikum auch ins Wiesbadener Kurhaus geeilt, wo es zu Beginn Smetanas aus der Sammlung „Mein Vaterland" stammenden „Lauf der Moldau" genießen konnte. Die nach über 40 Jahren erstmals wieder in der Region und nun beim RMF gastierenden Berliner Philharmoniker wurden vom hoch erfreuten Auditorium für diese lange vergeblich erhoffte Wiederbegegnung ausgiebig gefeiert. Vor vier Jahrzehnten war es der nicht nur in Wiesbaden unvergessene Herbert von Karajan, der im Wiesbadener Kurhaus Smetanas bekanntes Werk dirigierte. Diesmal nahm der Kanadier Yannick Nezet-Seguin seinen Platz ein. Er faszinierte mit Klarheit des Ausdrucks, sparsamer Bewegung und punktgenauer Stabführung und machte in jeder Phase die hohe Qualität dieses weltberühmten Klangkörpers sicht- und hörbar.

altDer Dirigent Yannick Nezet-Seguin und die Berliner Philharmoniker im Kurhaus Wiesbaden. Fotos (2): RMF/ Ansgar Klostermann

Das Publikum war gebannt und lauschte aufmerksam dem virtuosen Spiel der Musiker, die ja eine wechselvolle Geschichte hinter sich haben. Yannick Nezet- Seguin hatte den großen Klangkörper fest im Griff und gab auch der ganz ihrem Spiel hingegebenen, hochbegabten jungen Geigerin Lisa Batiashvili, die auf einer ihr leihweise zur Verfügung gestellten Joseph Guarneri-Violine spielte, genügend Raum zur Entfaltung ihres Könnens.

Dem reizvollem Fließen und Strömen des von Heimatverbundenheit, Sehnsucht und Liebe zur Scholle durchzogenen Werk Smetanas folgte an diesem „tschechischen Abend" im Kurhaus Dvoraks Violinkonzert Nr. 6 D-Dur, das die Georgierin ebenso feinsinnig wie ausdrucksstark und sicher darbot und die Zuhörer mitriss. Als Zugabe brachte die Solistin, die mit dem London Philharmonic Orchestra ,dem Orchestra de Paris und den Wiener Philharmonikern zusammen arbeitet, ein folkloristisches, georgisches Werk ihres bei uns weithin unbekannten Komponisten und Landsmanns Aleksei Matscharawiani zu Ohren, das die Hörer vor allem wegen seiner perfekt dargebotenen Doppelgriffe interessierte und gespannt zuhören ließ.

Der Dvorak- Festivalabend machte einmal mehr deutlich, wie stark der Komponist seiner tschechischen Heimat, ihren Tänzen und ihrer Musik verhaftet war und diese enge Beziehung selbst in seiner Sinfonie temperamentvoll und in starken Farben zum Ausdruck brachte. Das große Publikum, das sich dies lang und vergeblich erhoffte Wiedersehen mit den Philharmonikern nicht hatte entgehen lassen, dankte den Musikern und dem Dirigenten zum Schluss mit anhaltend- stürmischem Beifall und vielen Bravos.