Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

Kunst & KulturMusik › Countertenor Jaroussky begeistert in der Basilika

Countertenor Jaroussky begeistert in der Basilika

Chorgesang aus der Schweiz, Unterhaltsames auf vier Flügeln und ein Mendelsson-Wochenende beim Rheingau Musik Festival - RMF Teil V           von Britta Steiner-Rinneberg

28.07.16 || altKLOSTER EBERBACH/WIESBADEN (28. Juli 2016) - Wenn Philippe Jaroussky, der berühmte franzöische Countertenor, nach langer Pause zu einem Konzert des RMF in die Basilika von Kloster Eberbach einlädt, um die Hörer mit seiner in kaum glaubliche Höhen reichenden Stimme zu fesseln, nimmt es nicht Wunder, wenn das Publikum bis in die hintersten Reihen hinein andächtig lauscht. Das diesem Ausnahmesänger adäquate Ensemble Artaserse, das er einst mitbegründete und in Eberbach seine Arien mit instrumentalen Zwischenspielen verband, sorgte dafür, dass selbst die leisesten Töne der Klage bis ans Ende der weiten Halle drangen. Es wurde einmal mehr deutlich, dass Volkstümliches und musikalisch Hochrangiges zu jener Zeit in Italien keine unvereinbaren Gegensätze darstellten, sondern in der Musik des 17. Jahrhunderts gekonnt miteinander verbunden wurden.

Der Countertenor Phillippe Jaroussky und das Ensemble Artarserse

Das ohne einen Dirigenten spielende Ensemble war mit der Musik ebenso vertraut wie mit Jarousskys besonderer Stimme, brachte Werke von Monteverdi, Cavalli, Cesti und Legrenzi zu Gehör und ließ mit diesen Schätzen der frühen Oper das Publikum einen Konzertabend genießen, der zum Schluss mit stehenden Ovationen lange gefeiert wurde. Sie galten den fabelhaften Musikern, aber mehr noch der in sagenhafte Höhen reichenden Stimme Jarousskys. die dafür wie maßgeschneidert erschien. Die schlichtweg hingerissenen, Zuhörer erhoben sich spontan von den Sitzen, um für den zierlichen Ausnahmegeiger wie das ihn zuverlässig begleitende Ensemble Artaserse in hellen Jubel auszubrechen.

Eindrucksstarker Chor aus der französischen Schweiz


Auf das Gastspiel des Ensembles Vocal de Lausanne, das unter dem Titel „Romantische Chornacht" in der Wiesbadener Lutherkirche Werke von Bach, Brahms, Rheinberger und Reger aufführte, waren speziell die Liebhaber exzellenten Chorgesangs gespannt und wurden reich belohnt. Daniel Reuss, der bis 2006 als Chefdirigent des RIAS- Kammerchors fungierte und seit 2009 künstlerischer Leiter des Esthnischen Philharmonischen Kammerchors Tullin ist, hat mit dem Ensemble inzwischen ein breitgefächertes Oeuvre erarbeitet, mit dem er viel im Ausland eingeladen wird. Im November kann man ihn mit der „Vespro della beata Virgine" von Monteverdi in Lausanne erleben und im Januar darauf mit den „Sieben letzten Worten des Erlösers" von Haydn.

Romantische Chornacht in der Wiesbadener Lutherkirche

Für die Chornacht in der Kirche, die er mit Bach eröffnete, hatten die mit perfekter Artikulation beglückenden Sänger die Fest- und Gedenksprüche von Brahms ausgewählt, Chöre Max Regers und acht geistliche Gesänge, denen sie Motetten und ein Werk Rheinbergers als Abschluss folgen ließen. Die jungen Sänger aus der französischen Schweiz nahmen mit ihrer Kraft des Ausdrucks und großen Flexibilität sofort für sich ein und wurden erst nach langem Applaus der Zuhörer für dies der reinen Sangeskunst gewidmete Konzert in einen Sommerabend entlassen, über dem sich dunkle Gewitterwolken ballten.

Unterhaltsames auf vier Flügeln


Wenn vier Pianisten auf vier Flügeln im Wiesbadener Kurhaus Gershwins Musik arrangieren, wenn sie improvisieren und gekonnt beliebte Songs wie „Rhapsodie im blue" erklingen lassen, war das ungewöhnlich und versprach einen Abend, den zumindest ein Teil der Besucher voll genoss. Das 2006 gegründete Gershwin Piano Quartet, das inzwischen in ganz Europa, in Südamerika, China und im Nahen Osten, im Schleswig Holstein Festival, in Luzern, Athen und Sao Paolo erfolgreich für abwechslungsreiche Abende sorgt, war nun auch im RMF zu erleben und gestaltete mit sattem Pianosound im Kurhaus-Saal zwei höchst unterhaltsame Stunden.

An vier Flügeln: Das Gershwin Piano Quartett im Kurhaus Wiesbaden. Fotos (3): RMF/Ansgar Klostermann

Die jungen Pianisten Mischa Cheuzng, Benjamin Engel, Andre Desponds und Stefan Wirth , die zum drittenmal den Spielplan des Festivals bereicherten, begannen mit Tschaikowskys „Nussknackersuite". Jeder der vier Pianisten präsentierte in einem Solostück seinen ganz eigenen Stil. Gemeinsam präsentierten dann alle vier
sattsam Bekanntes, das die Besucher zwar auf neue Weise hörten, die allerdings nicht jedermanns Sache war. Ihre Darbietungen, denen eine Fülle von Ideen zugrunde liegt, haben dem Vernehmen nach manchen Zuhörer sich fragen lassen, was diese „Jonglage auf vier Klavieren" letztlich bringen soll? Wer das mitgeschnittene Konzert ein zweites Mal erleben möchte, hat am 15.Oktober dazu Gelegenheit, wenn es um 20 Uhr in hr 2 noch einmal zu hören ist.

Im Zeichen Mendelssons


Die Mendelsson - Bartholdy gewidmeten und im Metternich-Saal von Schloss Johannisberg zu hörenden Konzertabende hatten Hunderte von Musikfreunden auf die Höhe gelockt, um der sengenden Hitze im Tal zu entfliehen und sich gleichzeitig erlesene Kunstgenüsse nicht entgehen zu lassen. Der gut belüftete Saal machte es Künstlern wie Gästen einigermaßen erträglich und bescherte den meisten trotz Gewitterstimmung schöne Stunden auf dem Berg. Unter Mitwirkung des bekannten Schauspielers Dominique Horwitz kamen am 1.Abend die Klavierquartette Nr, 2 f-Moll und h-Moll zu Gehör, mit denen das Faure-Quartett brillierte. Ausführende des letzteren, das Mendelsson im Alter von 15 Jahren komponierte, waren die Geigerin Erika Geldsetzer, Sascha Frömbling (Viola), Konstantin Heidrich (Cello) und Dirk Mommertz (Klavier), die vom fast ausverkauftem Saal stark gefeiert wurden.

Am nächsten Tag gastierte hier das Sitkovetsky Piano Trio, in dem der bekannte Geiger, der Cellist Richard Harwood und der Pianist Wu Qian neben
Mendelssohns im Zentrum stehenden Klaviertrios noch Haydns Trio G-Dur und Rachmaninows „Elegiaque" zu Gehör brachten und der Temperatur zum Trotz das Publikum bannten: Allesamt vorzügliche Darbietungen, die die Besucher für die heiße Fahrt auf den Berg reich entschädigten und in der kühlerem Abendluft beglückt die langen Heimwege antreten ließen.