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Mit Musette- -und Tangofreuden durch den Abend

Bachs wunderbare Klangwelt in St. Gallus und eine italienische Nacht im Kreuzgang - RMF Teil VII von Britta Steiner-Rinneberg

09.08.16 || altWIESBADEN/FLÖRSHEIM/KLOSTER EBERBACH (08, August 2016) - Zu einem mit Musette- und Tangofreuden überraschenden Abend hatten der weltbekannte französische Akkordeonspieler Richard Galliano und das Stuttgarter Kammerorchester unter Leitung des Violinisten Meesun Hong Coleman ins Kurhaus eingeladen. Galliano, der bereits mit vier Jahren auf diesem Instrument zu lernen begann, heute zu den weltbesten seiner Zunft zählt und pro Jahr an die 30 Konzerte gibt, war schon vor zwei Jahren im Musik Festival zu erleben, als er mit Arabella Steinbacher im Kurhaus gastierte. In den letzten Jahren erregte er besonderes Aufsehen durch Konzerte. In denen er die Musette mit modernem Jazz verband und damit speziell das jüngere Publikum begeisterte.

Richard Galliano und das Stuttgarter Kammerorchester mit "Musette- und Tangofreuden"

Das 1945 gegründete Kammerorchester, das heute zu den bekanntesten Ensembles zählt, wird seit zwei Jahren von Matthias Foremny geführt, der die Nachfolge von Michael Hofstetter antrat. Unter Karl Münchingers früherer Leitung wurde das Repertoire um Werke des 20.Jahrhunderts erweitert. Unter den zahlreichen prominenten Solisten, mit denen das Ensemble konzertiert, sind vor allem Fabio Biondi, Fazil Say, die Brüder Capucon, Anne Sophie Mutter und Jörg Widmann zu nennen, die mit den Musikern nicht nur in Frankreich und Spanien, sondern auch in China, Japan, in Österreich, den Niederlanden und in Südkorea gastieren. Das vom Land Baden-Württemberg, von der Stadt Stuttgart und der Robert-Bosch-GmbH geförderte Orchester wurde 1998 für sein außergewöhnliches Engagement mit dem Europäischen Kammermusikpreis ausgezeichnet.

Der in Cannes geborene Galliano begann in Wiesbaden mit Bartoks melodischen „Rumänischen Volkstänzen" für Orchester, ließ Georg Breinschmids „Musette für Elisabeth", folgen und überraschte die Hörer schließlich mit eigenen Werken: „La Habanerondo" und „La petite suite francaise". Was das Publikum offenbar besonders ansprach, war der zweite Teil des Abends mit dem „Gebet des Torero" von Joaquin Turina und Piazzolas „Adios nonino" und dessen Konzert für Bandoneon, Schlagzeug und Streicher "Aconcagua", dem die Hörer an diesem rundum erfreulichen Abend besonders starken Beifall spendeten

Eine Reise in Bachs Klangwelt


In der Flörsheimer St.Galluskirche fesselte die Geigerin Isabelle Faust, die dies Jahr als Artist in Residence fungiert, mit I.S. Bachs Partiten und Sonaten für Violine solo und ließ die Zuhörer die Umwelt darüber fast vergessen. Der Künstlerin mit dem bekannt - kraftvollen, ebenso feinsinnigen wie energiegeladenen Ton folgten die Besucher im ausverkauften Gotteshaus mit Andacht und Bewunderung auf ihrer ungewöhnlichen „Reise" durch die Klangwelt des Komponisten. Nach der Pause ließ sie die E-Dur Partita, die C-Dur-Sonate und die d-Moll-Partital folgen und beschloss den Abend mit der berühmten Chaconne.

Bach-Abend mit Isabelle Faust (Violine) in St. Gallus

Die buchstäblich von den Stühlen gerissenen Hörer feierten der Geigerin Interpretation des einzig in Bachs Handschrift überlieferten Textes mit großem Genuss und brachen nach Sekunden des Schweigens in anhaltend-starkem Beifall aus. Er galt in erster Linie natürlich dem ebenso ausdrucksstarken wie sensiblen, virtuosen Spiel Isabelle Fausts, die auf „Dornröschen", einer über 300 Jahre alten Stradivari, die Hörer beglückte. Wer diesen Abend in der Kirche versäumt hat. kann der Künstlerin am 17. August noch einmal begegnen: Dann wird sie, zusammen mit der Sopranistin Anu Komsi, in Johannisberg den Liederzyklus „Kafka-Fragmente" von György Kurtag vorstellen: Einen als Huldigung gedachten Abend, mit dem die Künstlerinnen den Dichter zu ehren gedenken.

Italienische Nacht im Kreuzgang


Eine zwar recht kühle, aber immerhin trockene „Hochsommernacht" hatte die mit Decken, Kissen und Schirmen bewaffneten Besucher in den Kreuzgang von Kloster Eberbach gelockt, um dem Münchner Kammerorchester zu lauschen, das unter Leitung Alexander Liebreichs mit den beliebtesten Werken Rossinis, Donizettis und Bellinis magisch angezogen hatte. Alle waren gespannt auf den jungen Tenor Martin Mitterrutzner, der zur Zeit in Frankfurt engagiert ist. Mit der „Diebischen Elster", der „Italienerin in Algier" und den „ Capuleti e Montecchi" hatte er Genüsse versprochen, die nicht nur wohlbekannt sind, sondern insgeheim von allen mitgesungen werden können.

Die "Italienische Nacht" im Kreuzgang von Kloster Eberbach. Fotos (3): RMF/A. Klostermann

Hatte Mitterrutzer im ersten Teil noch gewisse Probleme mit der Stimme, die den freien Raum nicht gewöhnt ist, kam er im zweiten weit besser zurecht und söhnte die Hörer wieder aus. Heiter, beschwingt, leidenschaftlich und virtuos begeisterten vor allem Rossinis berühmte Arien, von denen das insgeheim mitsingende Publikum gar nicht genug kriegen konnte! Eigentlich schade, dass sich nach des Tenors Auftritten nicht auch die Zuschauer etwas in die „Italienische Nacht" einschalteten: Es hätte dem ganzen Konzert möglicherweise etwas mehr Lebendigkeit und Farbe verliehen. Aber die Hörer waren`s auch so zufrieden, sparten nicht mit lautstarkem Beifall und hartnäckigem Verlangen nach mehr.