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Kunst & KulturMusik › Alma und Gustav Mahler setzten den Schlusspunkt

Alma und Gustav Mahler setzten den Schlusspunkt

Zum Abschied bewegende Klänge unter Leitung Yannick Nezet-Seguins in Kloster Eberbach Rheingau Musik Festival Teil XI - Schluss            von Britta Steiner-Rinneberg

31.08.16 || altKLOSTER EBERBACH (30. August 2016) - Mit Werken Alma und Gustav Mahlers ging das 29. Rheingau Musik Festival zu Ende. Die 152 höchst unterschiedlichen Veranstaltungen hatten trotz des anfangs schlechten Wetters auch dies Jahr wieder 111ooo Zuhörer in die Basilika, ins Wiesbadener Kurhaus und nach Johannisberg gelockt, Sie scheuten die langen Wege und die Dunkelheit auf der Rückfahrt nicht, sondern nahmen die Vielfalt des Angebots und die Begegnung mit den Künstlern mit Genuss und Freude wahr.

Das erhoffte Debüt der Berliner Philharmoniker unter Yannick Nezet-Seguins Dirigat, das hinreißende Konzert des Pianisten Daniil Trifonov, Antoni Dvoraks fesselndes „Requiem", Carl Orffs begeisternde „Carmina burana", der Choir Robert Kings, das Jubiläumskonzert des LandesJugendSinfonieOrchesters Hessen und last but not least das Robert und Alma Mahler gewidmete Abschlusskonzert bildeten Höhepunkte des Veranstaltungsreigens und wurden vom Publikum mit Standing Ovations gefeiert.

Der Dirigent des Abschlusskonzerts Yannick Nézet-Séguin

Nach dem WDR- Sinfoniekonzert unter Yucca-Pecca Saraste und der Tschechischen Philharmonie, die Werke von Dvorak und Mozart aufführte, setzte das Rotterdam Philharmonic Orchestra mit Kompositionen von Alma und Gustav Mahler den eindrucksstarken Schlusspunkt unter das zwei Monate währende Festival, das Abend für Abend die Säle füllte, aus der Rheingau-Landschaft einfach nicht mehr wegzudenken ist und die Besucher mit Freude schon an das bevorstehende mit dem 3o, Geburtstag denken ließ

Mahler-Musik in den Mauern der Zisterzienser-Abtei


Die sechs Lieder Almas, die zwischen 1906 und 1910 entstanden, kamen mit Gustavs unvollendet gebliebener Sinfonie Nr. 10 Fis-Dur in der mehrfach bearbeiteten Fassung des britischen Musikwissenschaftlers Deryck Cookes in der Basilika zu Gehör. Der imposante mittelalterliche Bau, an dem sich klangliche Extreme wie die fast schmerzhaft dröhnenden und drohenden Schläge der großen Trommel sich nach allen Seiten voll ausbreiten konnten und die gespannt zuhörenden Konzertbesucher schier überwältigten.

Sara Connolly, Sängerin der Sieben Lieder von Alma Mahler, mit dem Rotterdam
Philharmonic Orchestra unter Yannick Nézet-Séguin. Fotos (2): RMF/A. Klostermann

Yannick Nezet-Seguin, der Rotterdamer Chefdirigent und Fokus-Künstler des Festivals, stellte die Extreme stark heraus, sorgte für ein fantastisches Aufblühen der Musik und ließ das mitreißende Flötensolo im Finale mit solcher Innigkeit und Zartheit erklingen, das alle in der totenstillen Basilia wie auf Kommando den Atem anhielten. Die voll auf ihren Chef konzentrierten Musiker überzeugten mit Intensität und einer Klanggewalt, die das Gemäuer der sturmerprobten Basilika fast zum Erzittern gebracht hätte.

Späte Einsicht und Reue


In einer Zeit, in der es um Mahlers Seelenleben besonders schlecht bestellt war, entstanden auch die Lieder seiner Frau, denen sich die englische Mezzosopranistin Sarah Connolly mit Hingabe widmete. Der Komponist hatte das Können seiner Ehefrau und Zemlinsky-Schülerin bisher bewusst ignoriert, weil er es als sinnlos. kaum bemerkenswert und seiner eigenen Arbeit irgendwie im Wege stehend betrachtete. Erst nach problembeladenen Arbeitswochen am Toblacher See begann er, um Alma nicht gänzlich zu verlieren, deren Schöpfungen einige Aufmerksamkeit zu widmen. Doch es war bereits zu spät. Verkannt und vom Gatten bewusst in den Hintergrund verbannt, hatte sie sich innerlich längst von ihm entfernt und einen anderen Weg eingeschlagen, auf dem sie seines gnädigen Duldens nicht mehr bedurfte.

Almas sieben Lieder hatten im Abschlusskonzert des Festivals neben der Fragment gebliebenen Sinfonie ihres Mannes entschieden den Vorrang. Sie ließen Mahlers Beteuerungen und späten Versuche, sich ihr irgendwie wieder zu nähern, im Sand verlaufen. Sie hatte sich inzwischen anders orientiert, weil sie einem Mann weder folgen konnte noch wollte, der glaubte, sie nach seinen Vorstellungen formen und dirigieren zu können, um der eigenen Arbeit „dienlich" zu sein. Gustav erkannte den Ernst der Situation erst, als es zu spät und nichts mehr zu retten war

Die von der stimmstarken und souverän agierenden englischen Solistin gesungenen und vom vorzüglichen Orchester begleiteten Lieder „Licht in der Nacht" „Waldseligkeit" und „Erntelied" fesselten die Mahler-Liebhaber mit einer Musik, die in spätromantischer Sinnlichkeit und Farbenfreude und spendeten einen Beifallssturm, der kaum ein Ende nehmen wollte und damit einen Schlusspunkt hinter das Rheingau Musik Festival 2016 setzte, das allen Besuchern in bester Erinnerung bleiben dürfte.