Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

Kunst & KulturMusik › Der 13. „Wiesbadener Musikherbst“ steht vor der Tür

Der 13. „Wiesbadener Musikherbst“ steht vor der Tür

Wird Martin Lutz` kleines Festival das letzte sein? Die große Fan-Gemeinde dürfte mit Sicherheit noch weiter von ihm hören und ihm auch weiter die Treue halten           von Britta Steiner-Rinneberg

31.10.16 || altWIESBADEN ( 30. Oktober 2016) - Der vor vierundvierzig Jahren von Kantor Martin Lutz und Scot Weir ins Leben gerufene und seitdem im Zweijahresturnus veranstaltete „Wiesbadener „Musikherbst" geht im November in seine 13. Runde. Sie wird hoffentlich nicht die letzte sein, wünschen alle Besucher inständig. Der mit Ende des Jahres 2017 in den Ruhestand tretende Kantor, Leiter des Bachchores und Initiator dieses kleinen Festivals, das so unendlich vielen Musikbegeisterten Freude und Anregung brachte, sorgte mit ebensoviel profunder Kenntnis wie Begeisterung dafür, oft gänzlich unbekannte oder längst vergessene Werke aufzuspüren, zu gestalten und sie sprachlich zu begleiten: Unzählige in Erinnerung gebliebene Abende, die man als musikalische Bereicherung mit nach Hause nahm.

altProfessor Martin Lutz Initiator und Leiter des "Musikherbst" . Foto: Neuheller

Im Bach-Ensemble, im Barock-Ensemble Parnassi musici und in einer stattlichen Reihe ausgewählter Sängerinnen und Sänger hatte Martin Lutz viele adäquate Mitstreiter gewonnen, denen selbst zusätzliche Proben nie zuviel waren. Sie waren selbst begeistert und ließen die Konzertabende deshalb zu Erlebnissen werden. Die Initiative ging weit über seine Aufgaben und Pflichten als Kantor der Schiersteiner Gemeinde und rühriger Dirigent des unter ihm neu aufblühenden Bach-Chores hinaus. Neben der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und sonstigen kirchlichen Feste war sie ihm ein Anliegen, dem er mit reichen Ideen und Feingefühl, mit Kunstsinn und nie erlahmender Tatkraft vorbildlich gerecht wurde und seinem Publikum damit eine besondere Welt erschloss

Ab 1.Januar 2018 wird Martin Lutz sein Kantorenamt beenden und an einen heute noch nicht festsstehenden Kollegen weitergeben. Das heißt freilich nicht, dass der Dirigent, der auch in Mainz eine Professur bekleidet, dann in ungewohntem Ruhestand verharren, die Hände in den Schoß legen und sich aufs Faulbett werfen wird! Die Weichen für seine Zukunft sind heute noch nicht exakt gestellt. Aber die große Fan-Gemeinde dürfte mit Sicherheit noch weiter von ihm hören und dem beliebten Organisten und Musikforscher nach 44 Jahren auch weiter die Treue halten.

Das vom 12. November bis zum 4. Dezember reichende Programm seines 13. „Wiesbadener Musikherbstes" liegt vor und macht wiederneugierig. Die Hörer werden sich wohl kaum eine der Veranstaltungen entgehen lassen, die mit Mendelssohns großem Oratorium „Elias" am Anfang der Reihe steht und in diesem Jahr unter dem Titel „Leidenschaft" firmiert. Das 1846 uraufgeführte Werk, das kraftvollen Chorstil mit Elementen der Romantik glänzend vereint, dürfte unter Lutz profunder Leitung für viele wieder ein großes musikalisches Erlebnis werden. Nächst Kantorei und Bach-Ensemble werden erfahrene Solisten wie die oratorienerprobte Sopranistin Kateryna Kasper, die Altistin Melinda Paulsen, der Tenor Bernhard Berchthold und der Bassist Berthold Possemeyer von der Partie sein, der allen Hörern seit über zwanzig Jahren bestens bekannt ist.

Mit „Duft und Wahnsinn" ist das Konzert am 15.11. betitelt, in dem führende Interpreten englische „Wad songs" und italienische Madrigale des Frühbarock zur Aufführung bringen: Die Sopranistin Dorothee Mields, die Gambistin Hille Perl und der aus Florida stammende Lautenist und Komponist Lee Santana, er einst als Rock-und Jazzmusiker begann, bestreiten diesen Abend und werden in der Schiersteiner Christophoruskirche unter anderem Werke von Purcell, John Dowland, Barbara Strozzi und Girolamo Kapsberger zu Gehör bringen.

Das Wiesbadener Bach-Ensemble. Foto: Repro aus dem Katalog

Am 18. November ist das European Union Baroque Orchestra im „Musikherbst" zu Gast. Es wird im Friedrich-August-Saal mit Werken von Torelli, Purcell, Cordali, Vivaldi und Muffat verwöhnen. Für die Wiesbadener dürfte das eine Wiederbegegnung mit diesen engagierten jungen Musikern sein, die mit den von Margaret Faultless geleiteten, frisch und lebendig dargebotenen Highlights der Barockmusik erneut begeistern dürften. -Am 24.. November will die in Frankfurt engagierte und als Mozart-Interpretin gelobte Sopranistin Katherina Kasper das Publikum mit Opernarien und Orchesterwerken erfreuen.

Für „Shakespeare" als Abschluss der Musikherbst-Reihe sorgen am 4. Dezember in der Christophoruskirche der Schauspieler Thomas Sarbacher und das Ensemble Parnassi musici. Mit Martin Lutz am Cembalo, Margaret MacDuffie und Matthias Fischer (Barockviolinen) und Stefan Schrader (Barovk cello) ist das bekannte Ensemble vielleicht zum letzten Mal gemeinsam im „Musikherbst" zu erleben. Sarbacher, der Anfang der 90er Jahre als Star zum Ensemble der Bremer Shakespeare-Compagnie gehörte. aber erst durch seine Fernsehproduktionen einem breiteren Publikum bekannt wurde, ist manchem vielleicht auch durch die Verfilmung von Ibsens „Baumeister Solness" in Erinnerung. Die Zuhörer werden auf das schnell ausverkaufte, beliebte kleine Festival sehr gespannt sein und inständig hoffen, dass es nicht das letzte sein wird!

Karten gibt es über Homepage: www.musikherbst- wiesbaden.de