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Kunst & KulturMusik › Mendelssohns Oratorium „Elias“ als Höhepunkt des Musikherbstes

Mendelssohns Oratorium „Elias“ als Höhepunkt des Musikherbstes

Dirigent, Kantorei und Bach-Ensemble begeistern in der Marktkirche - Ergriffenen Hörer dankten mit langem, starkem Beifall von Britta Steiner-Rinneberg

17.11.16 || altWIESBADEN (16. November 2016) - Mit „Elias", Mendelssohns 1846 in Birmingham uraufgeführtem, wirkungsmächtigem Oratorium, das Kantor Martin Lutz zur Eröffnung seines 13. und hoffentlich nicht letzten Wiesbadener „Musikherbstes" in der Marktkirche aufführte, überreichte er seinen Hörern zugleich ein großes Geschenk. Mit seiner Bedeutung und Wirkung, der sich wohl keiner entziehen konnte, wird es allen fest in Erinnerung bleiben.

„ELIAS" ist das zweite Oratorium, in dem der Komponist nach seinem Erstling „Paulus" Romantik und kraftvollen Chorstil zu einem Werk vereinte und das Alte Testament und den Propheten im Mittelpunkt stehen ließ. Der eifernde Elias und große Widersacher der Baalspriester, den der Komponist als ebenso stark, zornig und finster, wie von Engelsflügeln getragen sah, ist nicht etwa Mittelpunkt eines Tongemäldes, sondern einer höchst anschaulichen, dramatischen Handlung mit ihm als Mahner und Richter. Das kommt besonders in der zentrale Szene mit der Schilderung des Gottesurteils auf dem Berg Karmel zum Ausdruck, in den leisen und stillen Höhepunkten des Verzagenden und seinem qualvoll hervorgestoßenen „Es ist genug", in dem sich für Kenner deutlich die Nähe zu Bachs „Johannespassion" abzeichnet.

altProfessor Martin Lutz der Dirigent des "Elias". Foto: Axel Sawer

Der Komponist zieht seine Hörer gleich mitten ins Geschehen, in dem er Elias dem vom Glauben abgewichenen Volk erbarmungslos Dürre und grausame Hungersnot weissagt. Erst jetzt folgt die Ouverture, in der Mendelssohn die Verzweiflung des hungernden Volkes schildert und die Antipoden sich gegenüber stehen lässt: Die phönizischen Anhänger des Fruchtbarkeitsgottes Baal und den zürnenden Mahner Auf dem Berg Karmel vollbringt Elias das Regenwunder, bei demi der Komponist den großen Chor als Mit- beziehungsweise Gegenspieler auftreten lässt,.

Der zweite Teil des Oratoriums handelt von Flucht, Resignation und der durch den hilfreichen Engel erfolgten Stärkung des Propheten und seinem erneuten öffentlichen Eintreten für den rechten Glauben: Im Verweilen am Berg Horeb und dem mit tonmalerischer Gestaltung vom Brausen des Meeres im Sturm, vom Beben der Erde und der großen Feuersbrunst erzählendem Bericht fordert Lutz alle klanglichen Möglichkeiten seines Orchesters bis ins Letzte heraus. Die groß angelegten und effektvollen Chöre führen das Werk dann zur Schlussapotheose.

altDie Schiersteiner Kantorei in der Wiesbadener Marktkirche. Foto: Hans-Christian Richter

Mendelssohns psychologische Durchzeichnung der Charaktere und abwechselnden Situationen ließen ein Werk von großer Wahrhaftigkeit, von menschlichen Schwächen und Stärken entstehen, das die Zuhörer packt und bannt. Das erkennbar stark berührte Publikum dankte dem mit Leib und Seele die Wucht des Oratoriums zum Ausdruck bringenden Dirigenten, seinem wie immer kraftvoll und farbenreich singenden Riesenchor und dem mit Subtilität begleitenden Orchester mit lang anhaltendem, starkem Beifall: Für einen überzeugenden Konzertabend, den es in dieser Kraft und Aussage so bald nicht wieder erleben dürfte!

Kateryna Kasper als einzige wirkliche Gegenspielerin, eine dem phönizischen Kulturkreis angehörende Frau, wirkte im Oratorium weit stärker und bestimmter als ihr im entscheidenden Moment sogar stumm bleibender Gemahl. Der Bassist Berthold Possemeyer gab mit gewohnter Zuverlässigkeit, mit aufs Feinste abschattierender und zu Herzen gehender Stimme und großer Überzeugungskraft den Propheten, dessen Wort "wie eine Fackel brannte" und der „im feurigen Wagen und mit feurigen Pferden im Wetter gen Himmel fuhr". Hervorragend auch die Altistin Melinda Paulsen und der präzis singende Tenor Bernhard Berchtold, der in dieser Partie zu atmen und zu leben schien. Ein mitreißender Abend in der ausverkauften Marktkirche, für den sich die ergriffenen Hörer mit langem, starkem Beifall für den mitreißenden Dirigenten, seine prächtige Schiersteiner Kantorei und das Bach-Ensemble Wiesbaden aufs Herzlichste bedankten.