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Kunst & KulturMusik › Giuliettas und Romeos Tod im Kurfürstlichen Schloss

Giuliettas und Romeos Tod im Kurfürstlichen Schloss

Das Heidelberger Theater eröffnete mit dem „Winter in Schwetzingen" den jährlichen Treffpunkt der Musikliebhaber           von Britta Steiner-Rinneberg

01.12.16 || altSCHWETZINGEN (30.November 2016) - Nicht nur für die Heidelberger ist der „Winter in Schwetzingen" zum jährlichen Treffpunkt der Musikliebhaber geworden, die sich die Vorstellung verschollener oder längst vergessener, alter musikdramatischer Werke nicht entgehen lassen wollen. Dramaturg Heribert Germeshausen spürte auch diesmal mit sicherem Gespür unbekannte oder lang verschollen gebliebene Werke aus, die vor 300 Jahren einst die Herzen berührten und dann einfach verschwanden. Im Kurfürstlichen Schloss präsentiert er sie seit Jahren einer wissbegierigen Hörerschar, die sich keinen dieser Kunstgenüsse entgehen lassen will.

Sieben Abende umfasst Germeshausens Zyklus, dessen vorletztes musikdramatisches Werk „Giulietta e Romeo" ist: Eine „ Tragedia per musica" von Niccolo Antonio Zingarelli. Mit Sachverstand und feinem Gefühl nahm er sich der längst vergessenen alten Werke an, bahnte ihnen einen Weg ins Heute und verstand es glänzend, die Besucher zu überraschen und zwei Stunden lang zu bannen.

Der Eingangsbereich des Rokoko-Theaters Schwetzingen. Foto: Steiner

In dieser Saison stand eine der zahlreichen Versionen von Shakespeares hinlänglich bekannter Tragödie des berühmten Liebespaares auf dem Plan: Germeshausen präsentierte das Werk, das stets aufs neue fesselt, als deutsche Erstaufführung, die speziell für Heidelberg erarbeitet wurde, Die traurige Geschichte fesselt stets aufs neue, auch damals in Neapel, wo Tommaso Traetta, Johann Adolf Haase und Niccolo Jommeli zwischen 1740 und 1760 tonangebend wirkten.

Im „Schwetzinger Winter" 2016/ 17 steht sie nach Scarlattis „Attilio Regolo", Porparas „Polifemo", Traettas „Ifigenia in Tauride", Jommellis „Fetonte" und Händels „Didone Abbadonata" nun auf dem Festsspielplan und macht die Besucher neugierig. „Giulietta e Romeo", Antonio Zingarellis Tragedia per musica, die 1796 im Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführt wurde, verschwand nach weiteren Aufführungen von der Bühne und wurde dann rasch vergessen. Als sechster Beitrag stand sie mit mehrfach verändertem Libretto unter Leitung Felice Venanzonis nun auf der kleinen Bühne des Schlosses, um sozusagen ein zweites mal aus der Taufe gehoben zu werden, obgleich von der ursprünglichen Musik nur wenig erhalten blieb.

Szenenbild mit Romeo/Kangmin Justin Kim und Giuletta/Emilie Renard. Foto : Theater Heidelberg

Der Inhalt mit der mehrfach veränderten Liebes- und Leidensgeschichte des jungen Paares und Romeos großer Arie im dritten Akt fesselt vor allem musikalisch, was in sonderheit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg und dem Chor des Theaters zu verdanken ist. Teile aus weiteren Werken des Komponisten und musikalisches Material anderer Tonschöpfer machen deutlich, dass Collagen damals gang und gäbe waren. Die Texte von Giuseppe Foppa enthalten Teile aus von ihm selbst oder von anderen Autoren stammenden Werken. Einer der wichtigsten Teile der Oper, das Gebet Romeos, stellt einen dramaturgischen Topoi dieser Zeit dar. Gesang, Orchestrierung, Arrangement, Stil und Gestaltung wurden jedoch dem Wandel der Zeit angepasst.

Theobaldo und Giulietta stehen vor ihrer Vermählung. Doch Giulietta, die Romeo liebt, weicht aus und bittet den Vater um Aufschub des Festes, worauf Theobald Romeo mit Beleidigungen herausfordert. Romeo zieht das Schwert und verwundet den Rivalen tödlich. Nach dem Plan seines Freundes Gilberto soll das Paar noch in der gleichen Nacht getraut werden. Der Beruhigungstrank, den er der aufgeregten Braut reicht, versetzt sie in einen todähnlichen Zustand. Als der ahnungslose Romeo die vermeintlich Tote sieht, nimmt er in Verzweiflung Gift, um wenigstens im Jenseits mit der Geliebten vereint zu sein. Doch Giulietta erwacht. Mit bitteren Vorwürfen für den harten Vater beklagt sie den Tod des Geliebten und beschließt, mit ihm zu sterben.

Dies der traurige Inhalt der Liebes- und Leidensgeschichte dieser „Königskinder", die im Leben nicht zusammen kommen konnten und deshalb im Tod Glück und Erlösung suchen. Die musikalische Leitung liegt in Händen des vorbildlich führenden Felice Venanzoni, die nicht immer überzeugende Spielleitung bei Nadja Loschky. Giulietta und Romeo sind bei der ergreifend wehmütigen Sopranistin Emilie Renard und dem bravourös singenden Kangmin Justin Min, der mit starkem Profil und Stimme besticht, in besten Händen. Zachary Wilder gibt dem unbarmherzigen Vater Everardo deutliche Züge, und Terry Wey besticht als zweiter Countertenor und Freund Gilberto. Rinnat Moriah gefällt als Giuliettas Vertraute und Freundin. Starker, langer Beifall und Bravos belohnten diese Wiederentdeckung eines neu vorgestellten alten Opernwerks, an dessen Gestaltung der Herrenchor und das vorzüglich begleitende Philharmonische Orchester ihren Anteil haben.

Weitere Vorstellungen, für die man sich zeitig Karten besorgen sollte, finden am 9., 15., 19. und 27. Dezember statt sowie am 15. und 21. Januar 2017