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Kunst & KulturMusik › Wotans letzter Auftritt

Wotans letzter Auftritt

Gerd Grochowskis beklemmende Interpretation der Titelpartie - Die „Walküre" der zweite Teil des Ring im Staatstheater Wiesbaden           von Britta Steiner-Rinneberg

27.01.17 || altWIESBADEN (26. Januar 2017) - Die „Walküre", der zweite Teil von Richard Wagners Ring, der in den Maifestspielen den Schwerpunkt bilden wird, steht in U. E. Laufenbergs Einstudierung und im Bühnenbild Gisbert Jäkels jetzt auf dem Spielplan des Staatstheaters und wird alle ins Haus locken, die auf die Tetralogie neugierig, im Mai aber an einem Besuch gehindert sind.

Die Inszenierung thematisiert Brünnhildes Bestrafung wegen ihres Ungehorsams. Wotan nimmt berührenden Abschied von der Lieblingstochter, die er in einem stählernen Gefängnis einschließen lässt, das von einem Feuerkreis umrundet ist. Hier soll sie das unbotmäßige selbständige Durchkreuzen des väterlichen Plans büßen und zugleich ihren Status als Göttin verlieren. Ein hartes Urteil für die ungehorsame Walküre, von der Vater Wotan dennoch berührenden Abschied nimmt, ehe er sie ihrem Schicksal überlässt: Starke Dialoge, die ihre Wirkung aufs Publikum nicht verfehlen!

altWotan (Gerd Gruchowski) und Brünnhilde (Sabina Cvilak)

Die Zuschauer werden zunächst in Hundings schäbige Wohnung geführt, dessen Mitte der mächtige Eschenstamm beherrscht. Siegmund und Sieglinde treffen hier unverhofft zusammen und erkennen einander als Geschwister. Als Hundings Weib setzt Sieglinde dem Flüchtigen Speis und Trank vor und bereitet dem verhassten Ehemann, der den ungebetenen Gast rasch erkannt hat, einen starken Schlaftrunk, der ihnen ermöglicht, die anbrechende Nacht ungestört für ihre kühnen Pläne zu nutzen. Als lauschender und zugleich beschützender „Engel" schaut Brünnhilde durch die Fenster in die niedere Stube, hört und sieht alles. Statt Wotans Willen und den herrschenden Gesetzen zu gehorchen, fasst sie augenblicklich den festen Entschluss, beiden zu helfen.

Versagen und nahendes Ende


Im ersten und dritten Aufzug stehen starke Dialoge im Zentrum, die das Publikum gespannt verfolgt. Wotan will, von Brünnhilde über das Geschehen in der Hütte unterrichtet, am nächsten Morgen für Siegmunds Sieg über Hunding sorgen, doch Fricka vereitelt seinen Plan, den er den Gesetzen opfern muss. Die Szene mündet in tragisches Versagen und erfüllt den Erniedrigten nur noch mit dem Wunsch, seinem unausbleiblichen Ende bald nahe zu sein.

Er befiehlt Brünnhilde, Siegmund, den „neuen Menschen und kommenden Retter der Welt" zu töten und lässt die fliehenden Geschwister verfolgen. Doch Siegmund will die Schwester nicht wieder verlieren, sondern lieber gemeinsam mit ihr sterben. Ángesichts solch starker Bindung widersetzt sich Brünnhilde des Vaters Befehl. Der ahndet die Unbotmäßigkeit schwer und lässt Hunding ermorden, während sie mit der schutzlosen Sieglinde zu ihren Schwestern eilt. Die verkünden ihr, dass sie einen Sohn erwartet und mit dem Ungeborenen eilig entfliehen muss.

alt Wotan vor dem "Feuerring" um Brünnhilde (Gerd Gruchowski). Fotos (2): Karl und Monika Förster

Der erzürnte Vater hat den Ungehorsam der Tochter bereits geahndet und die Abtrünnige in eine einfache Sterbliche verwandelt, die nun jedes Mannes Beute werden kann. Er arrangiert ein „Todeslager", das er mit einem Flammenring umgibt. Doch ehe die riesenhafte Skulptur sich öffnet und Brünnhilde umschließt, nimmt der Vater bewegenden Abschied von seinem „kühnen, herrlichen Kind": Ein Adieu für immer.

Wotans großer Monolog, in dem er sich mit dem drängendem Wunsch nach baldigem Ende dieses unseligen Abenteuers sehnt, dem er längst nicht mehr gewachsen ist, gehört zu den zu den stärksten und am meisten berührenden Szenen des Abends. Die resignierend und fast tonlos über seine Lippen kommenden endgültigen Worte wird jeder, der sie hörte, im Gedächtnis behalten. Mit seinem warm getöntem, wunderbaren Bassbariton deutete Gerd Grochowski auf erschütternde Weise das unaufhaltsame Verwehen und Vergehen eines einst Starken an, der des Lebens und Treibens unendlich müde ist und nur noch das erlösende Ende herbei sehnt.
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Dass dieser ergreifende Abschluss des Stückes für ihn zugleich ein Abschied für immer und Wegweiser in eine andere Welt sein würde, konnte der Sänger nach der bejubelten Aufführung freilich nicht ahnen. Unerwartet verstarb Grochowski einen Tag später in einem Mainzer Krankenhaus, doch Wotans zutiefst beeindruckende letzte Worte auf der Bühne werden dem schier fassungslosen Publikum fest im Gedächtnis bleiben.

Die nächste Aufführungen der „Walküre" finden am 29.01., 10.02. und am 18.03. statt..