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Kunst & KulturMusik › Aus der Fantasiewelt ins Leben geworfen

Aus der Fantasiewelt ins Leben geworfen

Vasily Barkhatov inszeniert Tschaikowskis „Lyrische Szenen" im Großen Haus           von Britta Steiner-Rinneberg

18.03.17 || altWIESBADEN (17. März 2017) - „Eugen Onegin", Tschaikowskis nach dem gleichnamigen Versroman Puschkins 1879 in Moskau uraufgeführte „Lyrische Szenen" sind die jüngste Premiere im Hessischen Staatstheater. Das von Vasily Barkhatov inszenierte und von Daniela Musca geleitete und viel gespielte Werk wurde mit freundlichem Beifall für die durchweg hervorragenden Sänger bedacht.

Die sichtlich um Ausdruck bemühte Dirigentin ließ leider nicht wenige Wünsche offen, wie Kennern des Werks nicht verborgen blieb. Ebenso das Bühnenbild Zinovy Magolins, das von einem enttäuschten jungen Mädchens erzählt, das sich später einem anderen Mann zuwendet, ihn heiratet und in anscheinend glücklicher Ehe lebt. Bis der einst Begehrte, der damals nichts von ihr wissen wollte, nach vielen Jahren wieder auftaucht, Tatjana bedrängt und sie restlos durcheinander bringt.

altSzenenbild aus der Wiesbadener Inszenierung „Eugen Onegin": Mutter Larina/Romina Boscolo, Töchter Tatjana/ Asmik Gregorian und Olga/Silvia Hauer. Foto (1): Staatstheater Wiesbaden/Forster

Nach dem fast vergessenen „Traum" ihrer Bachfischzeit werden bei ihr alte Erinnerungen wieder lebendig und bringen sie in seelischen Zwiespalt .Was Tatjana bei dieser plötzlichen Wiederbegegnung dachte und empfand, wissen wir nicht. Aber sie kennt ihre Pflichten und steht zu ihrem Mann, der sie seinerzeit aus dem seelischen Desaster herausholte, der sie liebt und verwöhnt und ihr ein angenehmes, problemloses Leben beschert: Ein Mensch, dem sie sich zu Dank und Aufrichtigkeit verpflichtet fühlt und daher den Gedanken, sich alter Jugendträume wegen von ihm trennen und Onegins Drängen Folge zu leisten, irritiert beiseite schiebt.

Barkhatovs Inszenierung in Bühnenbildern Zinovy Margolins wird unter musikalischer Leitung Daniela Muscas dem Thema bedauerlicherweise nur bedingt zurecht. Die Sänger taten, was sie konnten und ließen in ihren Interpretationen einen Ahnung von dem erstehen, das bei sensiblerer Führung die Zuhörer noch weit besser erreicht hätte. Fast alle gaben sich redliche Mühe, so dass die Aussage des ebenso bekannten wie viel gespielten Werks dennoch ankam. An erster Stelle ist hier Asmik Grigorian als Tatjana zu nennen, die ihre Lebensweisheit aus Romanen für höhere Töchter bezog und sich folglich nicht wundern musste, dass in der Realität dann alles doch ein klein wenig anders verlief. Sie bestach mit engagiertem Spiel als sich vom romanverschlingenden Teenager zur eleganten Dame der Gesellschaft Wandelnde.

Thomas Blondelle gab dem unglücklichen Lenski starkes Format, und der Bariton Christopher Bolduc bestach zumindest sängerisch mit wunderbarem Bariton als selbstgefälliger, arroganter Wichtigtuer Onegin, der darstellerisch allerdings Wünsche offen ließ. - Die spielgewandte Silvia Hauer erwies sich als ideale Besetzung für Olga, Tatjanas quicklebendige, kokett-naive Schwester und Romina Boscolo als Larina, die Mutter der beiden Mädchen, Wolf Matthias Friedrich gab einen honorigen Fürst Gremin. Anna Maria Dur die Magd Philipjewna und Erik Biegel den alles sehenden und hörenden, wendigen Triquet.

Die nächsten Aufführungen finden am 25. Und 31. März, 8., 19. und 22. April statt