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Kunst & KulturMusik › Aufstieg und Ende eines großen Künstlers

Aufstieg und Ende eines großen Künstlers

Staatstheater Mainz bringt Hindemiths Oper „ Mathis der Maler" heraus           von Britta Steiner-Rinneberg

23.03.17 || altMAINZ (22. März 2017) - Ein starkes persönliches Erlebnis soll es gewesen sein, das Paul Hindemith nach seinem Besuch in Kolmar mit dem Studium des gewaltigen Isenheimer Altars im anschließenden Urlaub dazu trieb, seine dem Schöpfer des Altars gewidmete Oper „Mathis der Maler" in Angriff zu nehmen. Ein manche biographische Züge tragendes, fast einem Bekenntnis gleichendes Werk, das einen Künstler zu Beginn des 16.Jahrhunderts im Kräftefeld der Zeit zeigt und den Hindemith zum Mittelpunkt der 1938 im Stadttheater Zürich uraufgeführten Oper machte; in Nazideutschland war sie abgelehnt worden. Der in Hanau geborene Komponist verfasste das Libretto selbst, weil der darum gebetene Gottfried Benn ihn im Stich ließ und die Arbeit verweigerte.

Im Zentrum der seit 1962 in Mainz erstmals wieder vorgestellten Oper steht am Beginn einer im Umbruch begriffenen neuen Zeit Mathis, der Maler. Ein Künstler. der als Auftragswerk für das Antoniterkloster in Isenheim einen Wandelaltar geschaffen hatte und der nach dieser alle Kräfte verzehrender Arbeit auch mit seiner Schaffenskraft am Ende angelangt war. Doch als der „letzte Ruf" an ihn erging, war Mathis wohl vorbereitet und nahm bewegend Abschied von dem, was er im Geist erschaut, geplant, erschaffen und geliebt hatte: "Seht, alle Arbeit ist getan. Lasst mich nun mein Sterbeplätzchen suchen."

altSzene aus der Mainzer Oper "Mathis der Maler", v.l.n.r. Ursula/Vida Miknevieiute, Regina/Doris Rahardja und Mathis/ Derrick Ballard. Foto: Staatstheater Minz/Andreas Etter

Der Mathis war als Künstler ein Außenseiter, dem auch familiäres Glück versagt blieb. Er stand in Diensten des ihm wohlgesinnten Erzbischofs von Mainz, den Alexander Spemann auf der Bühne souverän gestaltet. Die reiche Bürgerstochter Ursula Riedinger ist in Elisabeth Stöpplers Inszenierung bei der Sopranistin Vida Mikneviciute in allerbesten Händen, Dorin Rahardja gibt Regina, der Tochter des von Lars Oliver Rühl gestalteten Bauernführers Hans Schwalb eindrucksstarke Kontur und Stephan Bootz begeistert als Patrizier Riedinger.

Die von der Regisseurin (bis auf die Vision) bewusst auf leerer, karger Bühne spielende Künstleroper ist als großes Historiendrama angelegt, das die hervorragenden Mainzer Sänger eindrucksstark gestalten. In der Titelpartie brilliert Derrick Ballard, der den meisten Besuchern als Hans Sachs noch in allerbester Erinnerung ist und der sängerisch wie darstellerisch im „Mathis" herausragt. Eine tief berührende Leistung des Sängers! Nach seinem Erfolg als gefeierter Künstler setzt er sich dem maßlosen Elend des Bauernkrieges aus und kehrt als zweifelnder und vergeblich suchender, an Leib und Seele schwer beschädigter Heimkehrer zurück. Ein Irrender und zutiefst Enttäuschter, der seiner Kunst, die ihm alles bedeutete, nun fragend gegenüber steht, sie nicht mehr begreift und von ihr wie vom Leben, das ihm nichts mehr bedeutet, resignierend und gebrochen Abschied nimmt.

Derrick Ballard gestaltet die schwere Titelpartie sängerisch wie darstellerisch ebenso machtvoll wie lyrisch-zart und tatendurstig und muss sich am Ende als von Leben und Leid tief Gebeugter angstvoll fragen: „War es das nun?" Eine packende Leistung des in schwere Gedanken Versunkenen und tief einsam Gewordenen, der nichts mehr als den Tod erwarten kann. Das gebannt lauschende Premierenpublikum belohnte die faszinierende Darstellung des wunderbaren Sängers mit reich verdienten Ovationen, die kaum enden wollten.

Neben der im Zentrum stehenden Gestalt des Malers behaupten sich mit hervorragenden Leistungen als ebenbürtige Partner Alexander Spemann in der Partie des doppelgesichtigen Kardinals und Erzbischofs von Mainz, der Humanist und Ablasshändler zugleich ist, Stephan Boots als reicher Mainzer Bürger Riedinger, Vida Mikneviciute als dessen Mathis liebende Tochter Ursula. Lars Oliver Rühl als entschlossener Bauernführer Hans Schwalb und Dorin Rahardja als seine still vom Leben Abschied nehmende Tochter Regina. Stephan Ebel produziert sich in seiner überzogenen Beflissenheit als eher lächerlich wirkender Cupito.

Elisabeth Stopplers auf jede Üppigkeit verzichtenden Kostüme lassen dennoch die Standesunterschiede der einzelnen deutlich erkennen. Das Philharmonische Orchester Mainz, das unter GMD Hermann Bäumers sublimer Leitung die Sänger begleitete, war bei der Premiere aber leider oft zu laut, so dass einige Sänger es nicht leicht hatten, sich zu behaupten. Eindrucksstark der von Sebastian Hernandez-Laverny präzis einstudierte und geleitete Chor samt Extrachor des Staatstheaters Er wird den Besuchern vor allem mit dem grandiosen Alleluja des vorletzten Bildes in bester Erinnerung bleiben. Langer, starker Beifall am Schluss und wahre Ovationen für Mathis, die überragende Titelfigur !

Nächste Aufführungen am 2., 12. und 18. April 2017 - Kartentelefon 0 61 31 - 2851-222 oder e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.