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Kunst & KulturMusik › Ein Waldvöglein weist Siegfried den Weg

Ein Waldvöglein weist Siegfried den Weg

Uwe Eric Laufenberg bringt den dritten Teil der Ring-Tetralogie auf die Bühne des Staatstheater Wiesbaden           von Britta Steiner-Rinneberg

07.04.17 || altWIESBADEN (06. April 2017) - Wer eine Waldschmiede, eine geheimnisvolle Höhl und einen steinigen Weg zum Felsengipfel erwartet, hat Pech und muss diese Bilder vergessen: Nichts dergleichen in Eric Laufenbergs „Rheingold" und „Walküre" folgender „Siegfried"- Inszenierung, in der einiges der Gewöhnung bedarf, zu der nicht alle Besucher sofort bereit sein werden

Der „strahlende" Held erscheint als etwas verlotteter, aber willensstarker und selbstbewusster Jugendlicher, den das Bild der toten Mutter nicht los lässt. Er packt entschlossen seinen Kram zusammen, sagt Mimes Hütte Adieu und zieht seines Weges, wohin er auch führt. Der Anarchist Siegfried ist ein Kämpfer, der mit dem reparierten Schwert davon eilt und ohne Mühe ímstand ist, das Tor zur Goldkammer zu öffnen, nachdem er den Bewacher Fafner kurz und bündig getötet hat. Ein Haufen Bankangestellter stürmt auf die Bühne, um den ungeliebten Boss zu beweinen.

Das Szenenbild zeigt Andreas Schager als Siegfried und Matthäus Schmidlechner als Mime. Foto (1): Staatstheater Wiesbaden/Karl und Monika Forster

Der kräftige Bursche, der zuvor seinen nichts Gutes im Schild führenden Ziehvater Mime erledigte, scheint allein auf einer Wellt. die er noch gar nicht kennt. Doch das ihn mit Neugier umtänzelnde Waldvöglein weiß seiner Einsamkeit und Unwissenheit zu steuern: Lieblich flötend weist es ihm den Weg in die Zukunft. Er führt zu Brünnhilde, der aus tiefem Schlaf Erwachenden, die offenbar nur auf ihn gewartet zu haben scheint. In hellem Jubel und gleichzeitigem Bangen vor dem Danach entdeckt das Paar seine große Liebe, von der es freilich noch nicht weiß, wie sie enden wird.

Eric Laufenbergs an seiner früheren Grazer Inszenierung orientierte Wiesbadener Einstudierung des „Siegfried" setzt ganz und gar auf die überzeugende Interpretation der Darsteller und den bekannten Inhalt des Werks. Die Rollen sind durchweg bestens besetzt, und die abstrahierenden Bühnenbilder Gisbert Jäkels und Anja Sternbergs Kostüme entsprechen vollauf der Einstudierung Der Tenor Andreas Schager singt und spielt den jungen Siegfried hervorragend: Einen herausfordernden Heranwachsenden, der seiner Zeit weit voraus ist und die Zukunft fest im Visier hat. Der mit seinem Cyper-Schwert jeden Code knackende Bursche bewältigt die Partie mit Bravour und lässt auch bis zum Schluss weder stimmlich noch darstellerisch irgendwelche Wünsche offen: Ein begnadeter Sänger als selbstbewusster Anarcho, der sehr genau weiß, was er will und was ihn erwartet. Er hält das Publikum schlichtweg in Atem.

Matthäus Schmidtlechner gibt Siegfrieds verhasstem Ziehvater Mime, mit dem der Sohn kurzen Prozess macht, mit Spiel und Stimme überzeugende Gestalt. Stella An ist mit ihrem hellen, klaren Sopran ein ebenso quicklebendiges wie reizvoll-neckisches, allwissendes Waldvöglein, das den Ratlosen auf den richtigen Weg bringt. Sonja Gornik besticht mit klangvoller schöner Stimme als aus tiefem Schlaf erwachte Brünnhilde, und Bernadett Fodor überzeugt in der Partie der allwissenden, hier jedoch ratlosen Urmutter Erda.

Starken Beifall gab es neben der Titelfigur für Jukka Rasilainen als Wanderer, für Thomas de Vries als Alberich und Young Doo Parc in der Rolle des Fafner. Alle hätten in Gesang und Spiel kaum besser sein können! Dem Regie führenden Intendanten und dem unter Alexander Joels feinfühlig- straffer Leitung vorbildlich begleitenden Staatsorchester galt langer, herzlicher Beifall des Publikums, in den sich auch ein paar schnell wieder verschwindende Buhs mischten.

Eingefleischte Wagner-Fans haben ihre Karten längst bestellt, aber noch sind für die beiden Mai-Vorstellungen einige greifbar. Interessenten sollten rasch zugreifen.

Die nächsten Aufführungen des „Siegfried" sind am 9.,16., 29.April und 26. Mai - Karten über Telefon 06 11 - 13 23 25