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Kunst & KulturMusik › „Adriana Lecouvreur“: Eine Flucht ins gnädige Dunkel der Nacht

„Adriana Lecouvreur“: Eine Flucht ins gnädige Dunkel der Nacht

Staatstheater Karlsruhe präsentiert eine wenig bekannte Verismo-Oper als Neueinstudierung von Britta Steiner-Rinneberg

24.04.17 || altKARLSRUHE (23. April 2017) - „Adriana Lecouvreur" die nach Eugene Scribes gleichnamigem Schauspiel von Francesco Cilea komponierte und 1902 in Mailand uraufgeführte Verismo-Oper steht als Neueinstudierung auf dem weitgefächerten Spielplan des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. Vor allem wegen der Klangpracht des Orchesters und der Sänger ist dieses um 1730 in Paris spielende Werk für die Opernbesucher eine Wiederentdeckung eigener Art, die sich kaum ein Opernfan entgehen lassen wird.

Die Handlung basiert auf einem Mythos, der die seinerzeit berühmte und verehrte Schauspielerin, ihre große Liebe, ihre bittere Enttäuschung und den herbei gesehnten Tod zum Inhalt hat. Die ebenso eindringliche wie schlichte Melodik zeichnet Cileas Werk mit dem der Liebe entsagenden Künstlerin aus, die sich dem Scheinwerferlicht nicht mehr gewachsen fühlt und an ihrem Geburtstag still und leis davon geht.

Das Szenenbild aus der Karlsruher Opernpremiere "Adriana Lecouvreur" mit Adriana /Barbara Dobrzanska und Maurizio /Rodrigo Porras Garulo. Foto (1): Badisches Staatstheater Karlsruhe/Falk von Traubenberg


Die Oper beginnt mit dem hektischen Treiben hinter der Bühne, auf der der Fürst von Bouillon einen an Moritz von Sachsen gerichteten Brief seiner Frau in die Hände bekommt. Er weist sie jedoch ab, weil er sich mehr zu Adriana, der großen Schauspielerin, hingezogen fühlt. Am gleichen Abend findet ein Fest mit den Künstlern statt. an dem die Fürstin Moritz gespannt erwartet, aber empört feststellt, dass er sich kühl von ihr abgewandt hat. Seitdem plagt die Wütende die Frage, wer es ist, der es wagt, ihr diese Liebe streitig zu machen. Ihr Verdacht fällt schnell auf Adriana und der Wunsch, die Nebenbühlerin kurz und bündig aus dem Weg zu räumen, liegt nahe.

Jahre vergehen. Adriana ist müde geworden, hängt ihrer sie enttäuschenden Liebe verbittert nach, sieht ihre Karriere zu gehen und hat sich deshalb von der Bühne verabschiedet. Die vielen Versuche der aufmunternden Kollegen scheiterten ebenso wie das unermüdliche Bemühen des sie nach wie vor bewundernden und liebenden Regisseurs Michonnet, der die Frustrierte unbedingt zu einem Comeback bewegen wollte. Müde und sehr allein feiert Adriana ihren Geburtstag, zu dem man sie beglückwünscht. Unter den Geschenken findet sich auch ein Veilchenstraußchen, das Adriana zurückdenken lässt und unvergessene Erinnerungen weckt. Der einst umjubelte Star des Theaters vermag sie nicht zu ertragen. In glückliche Gedanken an den Geliebten tief versunken, zieht sie sich in die Dunkelheit und Stille ewiger Nacht zurück.

Regisseurin Katherina Thoma hat das auf einer barocken Guckkastenbühne spielende Schicksal einer zwar bewunderten und gefeierten, aber letztendlich nicht glücklichen Künstlerin ebenso bewegend wie krass auf die Bühne gebracht. Wenn Adriana sich wortlos im Spiegel betrachtet, ist ihr das hilflose Bedauern über die unaufhaltsame Vergänglichkeit des Lebens beklemmend anzumerken, Das einzige, das bleibt, ist die fest verankerte Erinnerung an glückliche und glanzvolle Jahre an Erlebtes, Erträumtes und Erhofftes.

Mit Barbara Dobrzanska steht eine höchst sensible, sängerisch wie darstellerisch verzaubernde, liebende und leidende Adriana im Mittelpunkt der Aufführung, deren Schicksal stark berührt. Fredrika Brillembourg besticht als Fürstin von Bouillon in der Paraderolle der neidvollen Gegenspielerin, Seung Gi Jung als vergeblich um Adriana werbender und sie bis zuletzt begletender Regisseur Michonnet. Rodrigo Porras Garulo, der ab Herbst fest zum Karlsruher Ensemble zählen wird, gibt den Moritz von Sachen als ebenso selbstbewussten wie auch arroganten Liebhaber, Konstantin Gorny den Fürsten von Boullion und Klaus Schneider den Abbe von Chazeuil.

Am Pult der Badischen Staatskapelle steht Johannes Willig, der für zwingenden Orchesterklang sorgt, die Solisten, vor allem die Titelpartie. behutsam und sorgfältig begleitet und dem Publikum einen künstlerisch wie menschlich packenden Theaterabend beschert, der das Seelenleben der Figuren feinsinnig wiederspiegelt und in starker Erinnerung bleiben dürfte.

Nächste Aufführung am 2. und 20. Mai , 22. Juni, 5., 8. und 15. Juli - Kartentelefon 07 21 - 933 333