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Kunst & KulturMusik › „Götterdämmerung“: Keine neue Welt in Sicht?

„Götterdämmerung“: Keine neue Welt in Sicht?

Abschluss von Richard Wagners „Ring"-Tetralogie im Hessischen Staatstheater Wiesbaden           von Britta Steiner-Rinneberg

28.04.17 || altWIESBADEN (27. April 2017) - Richard Wagners von der traditionellen Oper abweichende Deutung der Ring-Geschichte, die mit der „Götterdämmerung" ihren Abschluss findet, lockt nicht nur die Wagnerfreunde aus Wiesbaden und Umgebung verstärkt ins Staatstheater. Sie beglückt oder frustriert und lässt die Besucher sich nach fünfeinhalb langen Stunden mehr oder minder erschöpft auf den Heimweg machen, wenn alles vom Feuer verzehrt und zu Asche geworden ist. Uwe Eric Laufenbergs durch zwei längere Pausen unterbrochene Interpretation wurde mit starkem Beifall für die Solisten bedacht, den Dirigenten und das unter seiner straffen Leitung mit sublimem Ausdruck begleitende Staatsorchester.

Alles in allem: Eine aufs Wesentliche beschränkte und von hervorragenden Videos begleitete Interpretation, die selbst kritische „ Wagnerianer" zu würdigen und zu loben wussten. Sänger und Orchester fesselten fast von Anfang bis Ende. Wagners Ausdeutung des in Wiesbaden lange nicht präsentierten Zyklus, der in der „Götterdämmerung" sein verstörendes Ende findet, lockte trotz Dauer der Aufführung ins Haus und ließ die meisten Hörer sich wohl keinen Augenblick langweilen. Die sich
stark an Laufenbergs frühere Grazer Einstudierung anlehnende Präsentation wurde gebührend gefeiert.

Des Komponisten Aufblättern der Menschheitsgeschichte, die mit dem „Rheingold" beginnt, sich mit „Walküre" und „Siegfried" fortsetzt und in der „Götterdämmerung" mit dem Untergang allen Lebens ihren Abschluss findet, zwingt die Hörer zum Ausharren und lässt sie gebannt dem Schluss entgegen sehen. Die in der Wiesbadener Präsentation im Hintergrund sichtbar werdende Andeutung eines alles Sein verlöschenden Atomkrieges stellt alle vor die bange Frage: Was nun ? Auch Gutrune scheint sie nicht beantworten zu können. Sie steht am Ende am Bühnenrand und hält mit dem Fernrohr Ausschau dem Morgen. Den suchenden Blick in eine rätselvolle Zukunft mag sie wohl mit vielen Besuchern teilen.

Herzlicher Schlussbeifall dankte nach der „Götterdämmerung" allen Solisten, voran der ebenso starken wie souveränen Leitung Alexander Joels, Regisseur Laufenberg und den glänzenden Hauptdarstellern als nahezu idealem Sängerpaar. Kaum weniger Beifall gab es auch für Shavlec Armasi als zupackendem, hartem Hagen, Sabina Cvilak als modebewusster, eleganter Gutrune und Matias Tosi als Gunther, die als intrigante Gegenspieler fungierten. Nachdem Siegfried von Hagen ermordet wurde, gibt Brünnhilde, um weiteres Unheil abzuwenden, den durch das Feuer gereinigten, fluchbeladenen Ring den Rheintöchtern zurück.

In Laufenbergs mit starkem Beifall belohnter Einstudierung wird die letzte glückliche Begegnung Siegfrieds und Brünnhildes zu einem besonders ausdrucksstarken Abschied. Im Inferno des Endmonologs, in dem alles zusammenbricht, sorgt er für einen dramatisch gestalteten, beklemmenden letzten Auftritt des liebenden Paares. Der österreichische Sänger Andreas Schager gibt mit bewundernswerter Kondition, mit zupackender Gestaltungskraft und fesselnder Höhensicherheit den Siegfried, der zuvor bereits auch bereits als junger Spunt aufhorchen ließ. Shavleg Armasi singt mit farbstarkem Bass den Hagen, Matias Cosi den Gunther und Sabina Cvilak die das Ende überlebende Gutrune.

Die Rheintöchter Woglinde, Weilgunde und Flosshilde sind als Inhaberinnen einer Hafenbar in zuverlässigen Händen. Die von Albert Horne glänzend einstudierten Chöre beglücken die Besucher, ebenso das Staatsorchester, das von Anfang bis Ende fesselt. Einen wichtigen Teil der Aufführung stellen die Videoprojektionen und Bühnenbilder Falko Sternberg und Guisbert Jökels dar, die auf der Bühne des großen Hauses diese Wanderung durch die Geschichte der Menschheit erleben lassen, von deren Ende wir heute, Gott sei Dank, noch nichts Genaues wissen.