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Kunst & KulturMusik › Glückliches Ende einer entbehrungsreichen Irrfahrt

Glückliches Ende einer entbehrungsreichen Irrfahrt

Schwetzingen feiert die „Heimkehr des Odysseus" - Glänzende sängerische Leistungen           von Britta Steiner-Rinneberg

17.06.17 || altSCHWETZINGEN (16. Mai 2017) - Die traditionellen Schwetzinger-Festspiele ziehen Jahr für Jahr die Besucher magisch an, weil sie In diesem einmaligen, zauberhaften Ambiente Aufführungen und Konzerte erwarten, die sie sonst nicht erleben können und deshalb in vollen Zügen genießen. In der jetzigen, sorgsam geplanten Saison machten drei halbszenisch dargebotene Opern Monteverdis den Anfang und luden zu weiteren, köstlichen musikalischen Darbietungen ein, die mit Shakespeares „Sommernachtstraum" Ende Mai ihr verzauberndes Ende finden und den Festgästen lange im Gedächtnis haften werden.

Was mit der Favola in musica „L` Orfeo" begann und sich mit der „Krönung der Poppea" fortsetzte, fand mit dem Dramma per musica „Die Heimkehr des Odysseus" seinen bejubelten Abschluss, dessen musikalische Leitung in Händen Davide Pozzis lag. Seit vielen Jahren schon wartet Penelope auf die Heimkehr ihres Gatten, beklagt ihre Einsamkeit und kann sich der vielen Freier, die sie umwerben und bedrängen, kaum erwehren. Minerva kann ihre Leiden nicht mehr mit ansehen und schafft göttlichen Rat: Sie verwandelt Odysseus in einen schäbig gekleideten armen Bettler, der mit Hilfe des treuen Eusebius die geilen Liebhaber vertreiben soll, die in dem abgerissenen Fremden natürlich keinen Konkurrenten vermuten, sondern ihn verlachen und verspotten. Der fordert sie dank Minervas „Hilfe" jedoch zu einem "Wettkampf" auf, dem die siegessicheren, überheblichen Schmeichler lachend folgen.

Doch der Spott vergeht ihnen bald: Keinem gelingt es trotz Aufbietung aller Kräfte den Bogen des Odysseus zu spannen! Keinem, außer diesem zerlumpten Bettler, in dem Penelope begreiflicherweise nicht ihren Ehemann erkennt, aber aus dem Staunen nicht heraus kommt. Zur Belohnung für die Unverfrorenheit der dreisten „Werber", die ihm seine Rechte streitig machen wollen, macht der abgerissene Fremde kurzen Prozess und säbelt einen nach dem anderen nieder. Die Misstrauische kann er aber erst dann überzeugen, ihr vermisster Ehemann zu sein, als er ihr ein Geheimnis verrät, das nur ihnen beiden bekannt ist. Jetzt kann die Verlassene den seit Jahren herbei gesehnten Gatten fest in die Arme schließen, um das wieder erlangte Glück an der Seite voll zu genießen,

Das besonders vom intensiv gestalteten zweiten Teil der Aufführung hell begeisterte Publikum dankte zum Schluss herzlich dem jahrelang vergeblich nach Weib, Wein, Haus und Hof sehnenden, hart bestraften Odysseus (Riccardo Pisani) und seiner getreulich auf ihn wartenden Penelope (Giuseppina Bridelli) mit Riesenapplaus für ihre vor allem sängerisch glänzenden Leistungen auf einer nur äußerst sparsam ausstaffierten Bühne: Verdienten Lohn für das allen Versuchungen trotzende, geduldige Ausharren einer verlassenen Ehefrau und einen heimwehkranken Gatten, der endlich wieder an den häuslichen Herd und ins vertraute Ehebett zurückkehren will! Großer Beifall für das ganze Ensemble und Sonderapplaus für die blitzgeschwinde, gescheite, umtriebige Minerva, die die Zügel fest in der Hand hielt und alles zum Guten wendete.