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Einer, der mit dem Herzen sehen kann

Bundesjugendballett begeistert mit „Ein kleiner Prinz" - Eine eher ungewöhnliche, aber dafür faszinierende, eigenwillige Darbietung - Rheingau Musik Festival Teil II           von Britta Steiner-Rinneberg

02.07.17 || altWIESBADEN (01. Juli 2017) - Auf das Eröffnungskonzert des RMF mit dem Sinfonieorchester unter Andres Orozco-Estradas Leitung folgte nach einem Beitrag der Taschenoper Lübeck und den Chansons Francaises eine Aufführung des Bundesjugendballetts: Als Koproduktion mit der Luzerner Festíval-Academy und dem Podium Festival Ettlingen wandelte es auf den Spuren Saint-Exuperys und brachte den „Kleinen Prinzen" auf die Bühne des Großen Hauses. Kevin Haigen, dem künstlerischen Leiter der Aufführung, gelang eine stark an den bekannten Text angelehnte Aufführung, in der zwei Violinen, Cello, Viola, Flöte, Klavier und Klarinette als adäquate Partner agierten und vom begeisterten Publikum zum Schluss mit starkem Beifall gefeiert wurden.

altEin Szenenbild aus der "Kleine Prinz" mit dem Bundesjugendballetts. Foto: RMF

Auf der Szene trifft der versehrte Pilot (Yohan Steglitz) mit dem Hauptdarsteller zusammen: Einem mit Down-Syndrom geborenen Jungen (Julius Winkelsträter), der mit all seiner verfügbaren Kraft in die Rolle einstieg und durch seine erstaunliche Bühnenpräsenz die Besucher tief zu beeindrucken versprach. Der Intendant des Bundesjugendballetts bescherte dem aufmerksam und gespannt folgenden Publikum eine Vorstellung, die es Erstaunen ließ und bannte. Die Leistung nicht nur des Prinzen, der „mit dem Herzen sehen kann", entfaltete zum Erstaunen der Zuschauer eine Bühnenpräsenz, die einfach bestach und vom Ensemble mitgetragen wurde. Haiger, der den Jungen in einem Tanzworkshop ausfindig machte, ahnte damals sofort, dass er die Partie unter Mitwirkung der anderen vortrefflich schaffen würde und machte sich umgehend an die Arbeit.

Das von märchenhafter Harmonie erzählende Schlussbild zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie ein ganz junges Musikerensemble mit unterschiedlichen Fähigkeiten die Herzen der Zuschauer fast im Handumdrehen gewinnen und sie begeistern kann. Die unverhoffte Bekanntschaft von Julius, dem „Kleinen Prinzen" mit dem stark verletzten Piloten macht die beiden Unglücksraben glücklich und lässt sie sofort eine Freundschaft auf Lebenszeit schließen, die allen Übeln stand halten wird, denen sie in ihrem leben vielleicht noch ausgesetzt sind.

Das besonders aufmerksam folgende Publikum im Großen Haus des Staatstheaters dankte der nach Motiven und Choreographie von Neumeier, Yuka Oishi und Zhang Disha geschaffenen Erarbeitung des zauberhaft-poetischen Stückes und seiner glänzenden Darsteller mit erkennbarer Betroffenheit und starkem Applaus: Eine im RMF eher ungewöhnliche, aber dafür faszinierende, eigenwillige Darbietung, die mit Sicherheit allen Besuchern im Gedächtnis bleiben wird.