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Kunst & KulturMusik › Konzertmeister Florian Doderer rettete den Abend

Konzertmeister Florian Doderer rettete den Abend

Janina Jansens zartes Geigenspiel bezauberte die Hörer - Igor Levit fesselte mit introvertiertem Spiel     -      Rheingau Musik Festival Teil VIII           von Britta Steiner-Rinneberg

05.08.17 || altWIESBADEN (04. August 2017) - Nach der aus Krankheitsgründen erfolgten Absage Paavo Järvis übernahm Konzertmeister Florian Doderer die Leitung des angekündigten Abends im Wiesbadener Kurhaus und brachte Werke von Mozart und Beethoven zu Gehör. Die Geigerin Janina Jansen. die unter Järvi alles einsstudiert und fest im Griff hatte, bescherte dem Zuhörern trotz der kurzfristigen Absage einen viele beglückenden Abend, der Järvis Handschrift deutlich verriet und die Zuhörer fesselte.

Doderer leitete das Konzert vom ersten Pult aus und ließ die Musiker des Kammerorchesters mit gespannter Aufmerksamkeit folgen. Die niederländische Geigerin erntete mit ihrem zarten Spiel, das dennoch gewisse Schwankungen nicht verbarg, große Aufmerksamkeit und entfachte zuletzt in der Passage mit den beiden Stimmführern, die den langsamen Satz genial aufgriffen, geradezu ätherische Momente.

altDie Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung ihres Konzertmeisters Florian Donderer mit der Solistin Janine Jansen (Violine). Foto: RMF/A. Klostermann

Die Streicherbearbeitung der Aria aus Bachs Goldberg-Variationen riss die Zuhörer einfach mit! Die Aufführung von Beethovens „Eroica" trug für die Konzertbesucher unverkennbar Järvis vertraute Handschrift. Der erste Teil war Mozarts Werken gewidmet, der Sinfonie Nr. 34 c -Dur und dem Konzert für Violine und Orchester G-Dur. Doderer hat sich vom Konzertmeisterpult aus einen Namen gemacht und ist als führende Kraft des Balthasar-Neumann-Ensembles bekannt. Als Kammermusiker und Solist ist er fast regelmäßig bei wichtigen Festivals vertreten wie dem Beethoven-Festival in Bonn, dem Ultima Festival in Oslo, dem MRD Musiksommer in Mecklenburg-Vorpommern und den Berliner Festwochen und dem Publikum daher bestens bekannt und begeisterte als Einspringer die gespannt zuhörenden Konzertbesucher .

Igor Levit begeisterte das Publikum mit seinem Spiel


Einen Tag zuvor war im Wiesbadener Kurhaus der Pianist und diesjährige Artist in Residence, Igor Levit, zu erleben, der mit Konzerten von Beethoven in
der Welt der klassischen Musik Maßstäbe setzten. Im Rheingau Musik Festival ist Levit mit vier Konzerten präsent, die er mit Schuberts 6 Moments musiceau begann, von denen Teil 4 und 5 die Zuhörer besonders beeindruckten. Nach der Pause brachte Levit Beethovens Sonate Nr. 21 C-Dur zu Ohren, fesselte mit introvertiertem Spiel und wurde mit langem Schluss-Applaus bedankt.

altIgor Levit, der diesjährige "Artist in Residence". Foto RMF-Programm/Robbie Lawrence

Die beiden durch eine ganze Generation getrennten Komponisten fanden spät, erst kurz vor Schuberts Tod 1847, zu einer persönlichen Begegnung zu einander, als Schubert den schwerkranken und tauben Komponisten aufsuchte. Als Wiedergutmachung für die späte Annäherung gab er ihm wenig später als Sargträger das letzte Geleit.

Die meisterlich introvertierte Darbietung im Kurhaus rief alle Liebhaber klassischer Musik auf den Plan, die sich dieses Konzert nicht entgehen lassen wollten. Stark beeindruckt und im Stehen feierten sie den sich bescheiden verneigenden Pianisten, der in dieser Saison Residenz-Künstler des Rheingau Musik Festivals ist und mit meisterlichem Können die Werke des frühen Romantikers zu Ohren brachte. Der dritte Abend seiner Residenz gehörte noch einmal Schubert, den er in Johannisberg gemeinsam mit dem Frankfurter Tenor Simon Bode bestritt, der zwar sängerisch zusagte, darstellerisch allerdings für so manchen des Guten zu viel tat, weil er wohl vergaß, nicht auf einer großen Bühne zu stehen.